Wespennest entfernen

Wespen lieben Pflaumenkuchen genauso wie Gegrilltes: Die eigentlich friedlichen und nützlichen Insekten werden im Sommer schnell zum ungebetenen Gast am gedeckten Tisch. Wie Sie ruhig auf die echten Wespen reagieren und warum es meist unnötig ist, ein Wespennest entfernen zu lassen, erklären wir hier.

Wespennest entfernen
Ein Wespennest sollte nicht selbst entfernt werden. Foto: Ilona Brigitta Martin / pixelio.de
Inhalt
  1. Wespennester stehen unter Schutz
  2. Wie kann man Wespennester verhindern?
  3. Wie kann man am besten ein Wespennest entfernen?
  4. Wespennest selbst entfernen oder umsiedeln

Die Wespe genießt oftmals einen schlechten Ruf, was vor allem an ihrer Art liegt: Fühlt sich die Wespe bedroht, verteidigt sie ihr Leben mit dem Stachel! Anders als bei der Biene hat der Wespenstachel keine Widerhaken: Der Stachel bleibt nicht im Fleisch stecken, die Wespe kann mehrfach zustechen. Besonders, wenn ein Nest in der Nähe ist, sind viele schwarz-gelbe Wespen am Tisch anwesend.
Ob und wie Sie Wespennester entfernen können, erfahren Sie hier.

 

Wespennester stehen unter Schutz

Achtung: Die allermeisten Wespen-Arten stehen unter Artenschutz. Nach Paragraph 39 Abs. 14  Bundesnaturschutzgesetz dürfen sie weder in ihrer Entwicklung gestört noch ihre Nester entfernt werden. Ein hohes Bußgeld droht, wenn man das Nest ohne akute Gefahr auf eigene Faust entfernt. Ausnahmen bilden die Wespenarten Gemeine und Deutsche Wespe (Vespula vulgaris und Vespula germanica) – leicht zu erkennen am schwarz-gelb gestreiften Körper mit der stark eingeschnürten "Wespentaille". Alle anderen Arten (Mittlere Wespe, Sächsische Wespe, ...) aber stehen unter Naturschutz. Geschützte Arten dürfen ohne triftigen Grund nicht gestört werden.

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Wozu sind Wespen nützlich?

Wespen sind wie Bienen, Hummeln, Hornissen & Co. hilfreiche Nützlinge im Garten. Sie helfen bei der Bestäubung unserer Zier- und Nutzpflanzen und bekämpfen Schädlinge auf biologische Weise: Bis zu 500 Gramm Blattläuse, Mücken und andere Schad-Insekten frisst ein Wespenvolk – pro Tag!

Wie kann man ein Wespennest erkennen?

Wespen bevorzugen geschützte Nistplätze: Gerne bezieht ein Wespenstaat in verlassenen Mäuse- oder Maulwurfsbauten ihr Quartier. Doch auch trockene, dunkle Hohlräume rund ums Haus sind begehrte Nistplätze: der Rollladenkasten, der Dachboden, die dielengedeckte Holzdecke, der Kaminholzunterstand oder das Gartenhaus. Selten hängen die Wespennester frei an Deckenbalken, Ästen oder Dachvorsprüngen.

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Wie groß kann ein Wespennest werden?

Meist beginnt die Wespenkönigin im Frühjahr (Anfang / Mitte April) mit einem Neubau eines Nests. Zu Beginn ist das Nest nicht größer als ein Bleistift-Stummel, wächst dann schnell zur Größe eines Tischtennisballs an. In diesem Stadium (Ende April / Anfang Mai) werden die meisten Wespennester entdeckt und können dann auch leicht entfernt werden.

Hilft bereits ein ganzes Wespenvolk beim Nestbau mit, wird ein Nest schnell so groß wie ein Fußball. Die papierartigen Wespennester zeigen je nach Wespenvolk eine charakteristische Farbe: Grau ist das Nest der Deutschen Wespe, hellbeige das der Gemeinen Wespe.

 

Wie kann man Wespennester verhindern?

Wespen sind wie andere Insekten von Natur aus nicht aggressiv oder gefährlich. Fühlt man sich von ihnen gestört, sollte man zuerst versuchen, sie mit sanften Hausmitteln zu vertreiben statt zu töten.

Immer wieder liest man davon, dass kräftige Gerüche Wespen fern halten würden. Das stimmt auch für die einzelne Wespe: Mit stark riechenden Pflanzen hält man die Wespe auf Abstand zum Esstisch. Duftstoffe und ätherischen Öle (Knoblauch, Zitronella, Gewürznelke, Teebaumöl, ...) lassen den Sommer entspannter erleben.

 

Dass sich damit aber der Bau von Wespennestern verhindern ließe, ist eher unwahrscheinlich. Wer bepinselt schon seinen ganzen Dachstuhl mit Knoblauch-Sud?

Stattdessen haben sich diese 5 Tipps bewährt, um zu verhindern, dass ein kleines Nest im Haus entstehen:

  1. Eintrittspforten schließen & Fugen abdichten: Risse in Mauerwerk und Holzverkleidungen erlauben es den Tieren, das geschützte Hausinnere zu erreichen. um dort ihr Nest zu bauen. Kontrollieren Sie regelmäßig die Fassade (auch von Gartenhaus, Garage und Schuppen!) nach Öffnungen und verschließen Sie diese umgehend.
  2. Rollladenkasten abdichten: Der Lieblingsort für gelb-schwarze Wespen schlechthin. Meist genügt schon die Montage einer günstigen Bürstendichtung am Rollladen, damit die Insekten im Rollladenkasten kein Nest bauen können. 
  3. Unterm Dach ist viel Platz für Wespennester: Mit Insektengittern an der Traufe etwa verhindern Sie, dass die Tiere in den Dachstuhl gelangen. Je älter allerdings das Dach, desto mehr Durchschlupfmöglichkeiten bietet es meist auch. Hier finden Wespen an einer anderen Stelle in der Regel in kürzester Zeit einen neuen Standort für ein neues Nest, leider.
  4. Wespen mögen keine Konkurrenz! Daher verhindert man einen Neubau von Wespennestern, wenn man eine Wespennest-Attrappe aufhängt. Ein in Größe, Form und Farbe einem Wespennest ähnelnder Kokon (aus Stoff, festem Papier, Pappmaschee oder Folie) wird gut sichtbar aufgehängt und damit als Revier markiert. Andere Wespenvölker meiden dieses besetzte Territorium fortan!
    Praxistipp: Gleiches gilt für ein echtes, älteres Nest! Daher ist es oft sinnvoll, den einen Sommer in vorsichtiger Koexistenz mit dem Nest zu leben, bis das Volk im Winter abstirbt. Das verlassene Nest verhindert dann meist sehr zuverlässig, dass in der Nähe neue Wespennester gebaut werden.
  5. Alternativen schaffen: Wespen sind im Garten nützliche Schädlingsbekämpfer. Wer den Insekten abseits des Hauses Nistplätze anbietet, braucht später keine störenden Wespennester entfernen.
 

Wie kann man am besten ein Wespennest entfernen?

Haben Sie ein Nest in Haus und Garten bemerkt, entscheiden Sie zunächst, ob Sie durch die Insekten gestört werden oder ob nicht ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier möglich ist (vgl. Tipps zum Umgang mit Wespen). Allergien der Bewohner oder drohender Schaden an der Bausubstanz sind unter Umständen berechtigte Gründe, ein Wespennest zu entfernen.

Gehen Sie nicht selbst gegen Wespen vor. Auf keinen Fall am Wespennest rütteln oder gar darin herumstochern. Auch hektische Bewegungen scheuchen die Tiere auf. Lassen Sie auch die Finger von Wespenschaum. Der Todeskampf macht die Tiere aggressiv. Das folgende Video zeigt den richtigen Umgang mit einem Wespenstich:

 

Was ist als Erste Hilfe bei einem Stich nötig? Ein gesunder Erwachsener kann die Einstichstelle kühlen, um die Beschwerden zu lindern. Auch kleine Kinder reagieren auf schmerzhafte Stiche meist eher geschockt als mit gefährlichen Symptomen. Schnelle Hilfe ist bei Allergikern angezeigt, wenn sie eine starke allergische Reaktion zeigen (Atemnot, Schwellungen, ...).

Wer könnte ein Wespennest entfernen?

Mit der Entfernung des Wespennestes sollte ein Fachmann (Schädlingsbekämpfer, Kammerjäger, Naturschützer, Imker oder im Notfall die Feuerwehr) beauftragt werden. Nur der Experte kann entscheiden, ob das Wespenvolk besonderen Schutz genießt, ob das Nest eine Gefahr darstellt und ob er das Wespennest entfernen darf. Je nach Aufwand (Größe des Volkes, Zugänglichkeit des Wespennestes, Art der Entfernung: Umsiedlung vs. Zerstörung) kostet der Einsatz zwischen 100 und 250 Euro.

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Praxistipp: Nisten die Wespen im Haus (z. B. im Rollladenkasten im Schlafzimmer), achten Sie auf die Wahl schonender Mittel, um einer Belastung der Raumluft mit Pestiziden vorzubeugen –  der "Verein zur Förderung der ökologischen Schädlingsbekämpfung" ist dafür ein geeigneter Ansprechpartner.

Wespennest: Wer ist zuständig – Mieter oder Vermieter?

Eindeutig der Vermieter! Es muss akute Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung veranlassen und bezahlen. Lediglich vorbeugende, regelmäßig geleistete Maßnahmen zur Schädlingsvorbeugung (etwa das Aufstellen von Mausefallen oder Rattenködern) können über die Betriebskosten auf die Mieter umgelegt werden. Die einmalig anfallenden Kosten für die Beseitigung eines Wespennests aber muss der Vermieter tragen.

 

Wespennest selbst entfernen oder umsiedeln

Unbewohnte, aufgegebene, verlassene Wespennester können Sie selbst entfernen. Allerdings ist es manchmal sinnvoll, sie als abwehrende Wespenscheu hängen zu lassen, um eine Neuansiedlung an gleicher Stelle zu verhindern.
Ein altes Wespennest entfernen gelingt am besten mit einem langen scharfen Messer. Den Papierball von der Unterlage schneiden und entsorgen. Mit einem Spachtel und Baustaubsauger bewaffnet, entfernen Sie anschließend die letzten Spuren und Anhaftungen des Wespennests.

Freihängende Nester im eigenen Garten brauchen Sie gar nicht zu beseitigen. Die heimischen Wespenarten gründen in verlassenen Nestern keinen neuen Staat. Das Nest wird bald verrotten.

Praxistipp: Wespen leben nur relativ kurz. Schon nach den ersten Frostnächten im Herbst stirbt der Wespenstaat ab. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das Nest gefahrlos zu entfernen. Damit im nächsten Jahr nicht wieder eine Jungkönigin an diesem bewährten Nistplatz ihr Volk ansiedelt, sollten Sie die Stelle gründlich reinigen.

Fotos: Ilona Brigitta Martin / pixelio.de; Rike / pixelio.de

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