Wildbienen

Die Honigbiene (zoologisch Apis) kennt fast jedes Kind. Aber dass in Deutschland rund 560 Arten von Wildbienen heimisch sind, vermutet nahezu niemand. Dabei sind die verschiedenen Wildbienen für (Obst-)Bauern, Landwirte und Hobby-Gärtner viel wichtiger als die Biene Maja: Denn Wildbienen bestäuben viel mehr Blüten als die Honig produzierende Verwandtschaft!

Wildbienen
Foto: Asundemeier / Pixabay
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Wildbienen sind echte Nützlinge im Garten. In Deutschland gibt es etwa 560 Wildbienenarten – weltweit sind es circa 30 000. Sämtliche Bienenarten der Überfamilie Apoidea nennt man Wildbienen: Darunter fallen Mauerbienen, Erdbienen, Pelzbienen, Maskenbienen, Blutbienen und sogar Hummeln. Nicht gemeint sind ausdrücklich wildlebende Urformen oder verwilderte Stämme der Honigbiene. Wildbienen können winzig-klein (nur 1,3 Millimeter) sein oder bis zu einer Größe von drei Zentimetern heranwachen – je nach Art unterscheiden sie sich optisch durch Größe, Färbung oder durch eine zum Teil auffällige Musterung: Die Rostrote Mauerbiene – Insekt des Jahres 2019 – zum Beispiel trägt einen markanten Pelz. Überraschend: 75% der Wildbienenarten nisten im Boden!

Wildbienen sind fleißige Bestäuber

Auffällig an vielen Wildbienenarten ist, dass sie zu den ersten Gästen im Garten zählen: Sie schwirren schon früh im Jahr, wenn Krokus, Kirsche und andere Obstbäume blühen, von Blüte zu Blüte. Sie bestäuben die Nutzpflanzen lange bevor die Honigbiene das erste Mal den Bienenstock verlässt!

Auch beim Bestäumen sind Wildbienen leistungsstärker als Honigbienen: "Gehörnte und Rote Mauerbienen sind sehr gute Bestäuber, denn sie sammeln Pollen trocken in ihrer Bauchbürste. 98 Prozent ihrer Blütenbesuche führen zu einer Bestäubung. Honigbienen, die den Blütenstaub mit Nektar vermischt an den Beinen transportieren, müssen dagegen durchschnittlich fünf Apfelblüten anfliegen, um eine einzige zu bestäuben", erklärt das Unternehmen Pollinature GmbH, das selbst einheimische Wildbienen vermehrt, um die Artenvielfalt nachhaltig zu fördern und auch zukünftig die optimale Bestäubung von Obstbäumen zu sichern.

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Die verschiedenen Wildbienen-Arten haben dabei ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, wie sie die Pollen zu ihrem Nistplatz schaffen: Die sogenannten Beinsammler transportieren die Pollen an den behaarten Hinterbeinen. Sandbienen (Andrena) haben zusätzlich ein mit Haaren umstandenes "Körbchen" am Bauch/Rücken. Die Hummeln stopfen ähnlich wie Honigbienen die Pollen in kleine "Höschen" an den Hinterbeinen. Manche Arten (wie die Maskenbienen und Holzbienen) schlucken die Pollen runter und würgen sie im Nest wieder hoch.

Das unterscheidet Wildbienen von der Honigbiene

Die Wildbiene zählt wie die Honigbiene innerhalb der Insektenordnung der Hautflügler zur Familie der Bienen. Zu den Wildbienen gehören beispielsweise Mauerbienen, Erdbienen, Pelzbienen, Maskenbienen und sogar Hummeln. Das Leben einer Wildbiene ist relativ kurz, sie lebt nur etwa 4 bis 8 Wochen. Anders als die Honigbienen bilden Wildbienen keine Bienenvölker, sondern sind vorwiegend als Einzelgänger unterwegs. Nachdem die Weibchen, auch Arbeiterinnen genannt, von den Männchen begattet wurden, kümmern sie sich allein um den Bau der Niststellen. In die einzelnen Brutzellen wird jeweils ein Ei gelegt und mit Nektar und Pollen versorgt. Etwa 4 bis 10 Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven. In den darauffolgenden 2 bis 4 Wochen entwickeln sie sich dann zu Puppen. Im Puppen-Stadium überdauern sie auch den Winter. Erst etwa ein Jahr später haben sich die Wildbienen vollständig entwickelt und der Lebenszyklus beginnt von Neuem.

Nur wenige Bienen leben in "Bienenstaaten" zusammen: Die Honigbiene und Hummeln sind die bekanntesten Vertreter, die sich kollektiv der Brutpflege und der Aufzucht widmen. Üblicherweise aber leben Wildbienen allein – die so genannten Einsiedlerbienen machen einen Anteil von 95 % aller Arten aus. Aus den überwinterten Puppen schlüpfen im Frühjahr männliche wie weibliche Bienen. Kaum haben sie ihre Niströhre verlassen, kümmern sie sich um die nächste Generation: Nach der Paarung beginnen die Weibchen mit dem Nestbau. Von ihnen gesammelter Nektar dient nur zu einem kleinen Teil der eigenen Ernährung, der Großteil wird mit den abgelegten Eiern in der Brutröhre eingelagert. Mauerbienen z. B. bauen in hohlen Strohhalmen "Trennwände" aus Lehm – so entstehen getrennte Kammern für weibliche Nachkommen, für Futter und für männliche Abkömmlinge.

Auf der Arbeit ihrer Artgenossen ruhen sich die sogenannten "Kuckucksbienen" aus: Sie legen ihre Eier unbemerkt in fremde Nistplätze. Die Larven fressen zunächst die Nektarvorräte der Wirt-Bienen auf – und danach oft auch deren Eier und Larven! Noch ein wichtiger Unterschied: Wildbienen stechen nicht! Also fast nie, sondern nur, wenn sich ein Weibchen (nur sie besitzen einen Stachel) individuell bedroht fühlt (z. B. wenn man die Tiere zwischen den Fingern drückt, mit bloßen Füßen auf sie tritt oder sie zwischen Bekleidung und Haut geraten).

Wildbienen
Schon im Vor-Frühjahr labt sich eine Wildbiene an dieser Blüte – und bestäubt die Winterlinge. Foto: Uschi_Du / pixabay

Gefährdete Arten: Wildbienen

"Mehr als 50 % der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, 26 sind als „extrem selten“ eingestuft. 7 % der deutschen Wildbienenarten sind inzwischen verschollen und höchstwahrscheinlich schon ausgestorben" schlägt die Wikipedia Alarm! Obwohl die Wildbienen durch die  Bundesartenschutzverordnung geschützt sein sollten, sind ihre Bestände durch menschliche Eingriffe in die Natur akut bedroht. Auf diese Gefährdung der Arten – und die damit einhergehenden Einschränkungen für den Menschen – macht unter anderem die Wahl zum Tier des Jahres aufmerksam.

Weil Wildbienen für den Menschen gerade aufgrund ihrer hohen Bestäuber-Leistung (ein Exemplar bestäubt bis zu 5000 Blüten pro Tag!) wichtig sind, gibt es immer mehr Initiativen, die die Nützlinge unterstützen: Das Aufstellen von Insektenhotels ist ein kleiner Baustein, die Schaffung möglichst natürlicher Lebensumfelder (Schutzzonen an Äckern, Wildblumenwiesen, unbewirtschaftete Flächen) sind erforderlich. Denn anders als die Honigbiene fliegen Wildbienen und Hummeln schon im März aus und finden selbst bei Kälte und bedecktem Himmel zu frühblühenden Obstbäumen und Nutzpflanzen.

Praxistipp: Viele Wildbienen brauchen Wärme. Wenn Sie den "wilden Bienen" im eigenen Garten einen Nistplatz spendieren wollen, wählen Sie dafür einen sonnigen, vor Regen und Wind geschützten Standort für das Bienenhotel aus! Für Hummeln, die in Erdhöhlen nisten, gibt es spezielle Hummelnistkästen, um die Nützlinge anzusiedeln.

So können Sie Wildbienen helfen

Wir wollten wissen, wie man Wildbienen schützen kann und haben Sabine Klingelhöfer von Neudorff gefragt. Sie hat unsere drei Fragen beantwortet.

Warum ist der Schutz von Wildbienen in Deutschland so wichtig?

Wildbienen sind für die Bestäubung unserer Nutzpflanzen ebenso wichtig wie die Honigbiene. Aber natürlich sollten wir nicht nur Tiere schützen, weil sie uns nützen, sondern um ihre Existenz zu sichern. Viele Wildbienen fliegen nicht sehr weit, manche nur wenige hundert Meter. Wenn sie dann in ihrem Umfeld weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten finden, sterben sie.

Warum sind Wildbienen vom Aussterben bedroht?

Wildbienen brauchen Nahrung in Form von Pollen und Nektar und Nistmöglichkeiten für ihre Brut und zum Überwintern. Beide Faktoren sind überlebenswichtig, aber immer seltener zu finden. Hausgärten sollen "pflegeleicht" sein, es werden wenig Blütenpflanzen angebaut und dann oft nicht die richtigen. Trockene Stängel, Risse in alten Bäumen, offener Boden für die Bodenbrüter, u. a. Stellen zum Nisten fehlen. Manche Wildbienen sind sogar auf eine bestimmte Pflanzenart angewiesen. Wenn die fehlt, stirbt diese Art aus. Wiesen und Weiden werden oft so stark gedüngt, dass statt wie früher 30 Pflanzenarten heute nur noch 7 Arten dort wachsen, wodurch der Lebensraum für Wildbienen verschwindet.

Was kann jeder Hobbygärtner zum Schutz der Wildbienen beitragen?

Nisthilfen aufzuhängen ist schon gut, aber die Nahrung für Wildbienen ist das Hauptthema. Einheimische Wildpflanzen sind die Lösung.

Man muss nicht den ganzen Garten umkrempeln, aber ein paar Quadratmeter Blumenwiese helfen schon weiter! So eine Wiese macht weniger Arbeit als Rasen, sieht viel schöner aus und ist ein echter Gewinn für unsere Natur. Daneben hilft es natürlich, entsprechende Stauden zu pflanzen. Man kann ja mal mit fünf insektenfreundlichen Pflanzen anfangen! 

Trachtpflanzen für Wildbienen

Mittlerweile findet man im Handel spezielle Samenmischungen für "bienenfreundliche Blühpflanzen": Wichtig ist, dass die Sorten viel Nektar enthalten (gefüllte Blüten bieten das meistens nicht) und dass die Blumen möglichst lange bzw. zeitversetzt blühen, so dass immer ausreichend Nahrungspflanzen für die Wildbienen zur Verfügung stehen.

Praxistipp: Eine Blumenwiese im Garten bietet Bienen einen optimalen Lebensraum mit reichlich Nahrung. Auch Neudorff hat passendes Saatgut für eine solche Wiese im Sortiment. Die mehrjährige Samenmischung Wildgärtner Freude Bienengarten ist auf die Bedürfnisse von Bienen und Hummeln abgestimmt, sie enthält nur pollentragende Arten. Die daraus entstehende Blumenwiese blüht über mehrere Jahre, von April bis November.

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