Wildbienen

Die Honigbiene (zoologisch Apis) kennt fast jedes Kind. Aber dass in Deutschland rund 560 Arten von Wildbienen heimisch sind, vermutet nahezu niemand. Dabei sind die verschiedenen Wildbienen für (Obst-)Bauern, Landwirte und Hobby-Gärtner viel wichtiger als die Biene Maja: Denn Wildbienen bestäuben viel mehr Blüten als die Honig produzierende Verwandtschaft!

Wildbienen
Foto: Asundemeier / Pixabay
Inhalt
  1. Wildbienen sind fleißige Bestäuber
  2. Das unterscheidet Wildbienen von der Honigbiene
  3. Gefährdete Arten: Wildbienen
  4. Trachtpflanzen für Wildbienen

Sämtliche Bienenarten der Überfamilie Apoidea nennt man Wildbienen: Darunter fallen Mauerbienen, Erdbienen, Pelzbienen, Maskenbienen, Blutbienen und sogar Hummeln. Nicht gemeint sind ausdrücklich wildlebende Urformen oder verwilderte Stämme der Honigbiene. Von den etwa 30.000 bekannten Wildbienenarten auf der Erde kommen je nach Artkonzept etwa 560 Arten in Deutschland vor. Wildbienen können winzig-klein (nur 1,3 Millimeter) sein oder bis zu einer Größe von drei Zentimetern heranwachen – je nach Art unterscheiden sie sich optisch durch Größe, Färbung oder durch eine zum Teil auffällige Musterung: Die Rostrote Mauerbiene – Insekt des Jahres 2019 – zum Beispiel trägt einen markanten Pelz. Überraschend: 75% der Wildbienenarten nisten im Boden!

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Wildbienen sind fleißige Bestäuber

Auffällig an vielen Wildbienenarten ist, dass sie zu den ersten Gästen im Garten zählen: Sie schwirren schon früh im Jahr, wenn Krokus, Kirsche und andere Obstbäume blühen, von Blüte zu Blüte. Sie bestäuben die Nutzpflanzen lange bevor die Honigbiene das erste Mal den Bienenstock verlässt!

Auch beim Bestäumen sind Wildbienen leistungsstärker als Maja: "Gehörnte und Rote Mauerbienen sind sehr gute Bestäuber, denn sie sammeln Pollen trocken in ihrer Bauchbürste. 98 Prozent ihrer Blütenbesuche führen zu einer Bestäubung. Honigbienen, die den Blütenstaub mit Nektar vermischt an den Beinen transportieren, müssen dagegen durchschnittlich fünf Apfelblüten anfliegen, um eine einzige zu bestäuben", erklärt das Unternehmen Pollinature GmbH, das selbst einheimische Wildbienen vermehrt, um die Artenvielfalt nachhaltig zu fördern und auch zukünftig die optimale Bestäubung von Obstbäumen zu sichern.

 

Die verschiedenen Wildbienen-Arten haben dabei ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, wie sie die Pollen zu ihrem Nistplatz schaffen: Die sogenannten Beinsammler transportieren die Pollen an den behaarten Hinterbeinen. Sandbienen (Andrena) haben zusätzlich ein mit Haaren umstandenes "Körbchen" am Bauch/Rücken. Die Hummeln stopfen ähnlich wie Honigbienen die Pollen in kleine "Höschen" an den Hinterbeinen. Manche Arten (wie die Maskenbienen und Holzbienen) schlucken die Pollen runter und würgen sie im Nest wieder hoch.

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Das unterscheidet Wildbienen von der Honigbiene

Nur wenige Bienen leben in "Bienenstaaten" zusammen: Die Honigbiene und Hummeln sind die bekanntesten Vertreter, die sich kollektiv der Brutpflege und der Aufzucht widmen. Üblicherweise aber leben Wildbienen allein – die so genannten Einsiedlerbienen machen einen Anteil von 95 % aller Arten aus. Aus den überwinterten Puppen schlüpfen im Frühjahr männliche wie weibliche Bienen. Kaum haben sie ihre Niströhre verlassen, kümmern sie sich um die nächste Generation: Nach der Paarung beginnen die Weibchen mit dem Nestbau. Von ihnen gesammelter Nektar dient nur zu einem kleinen Teil der eigenen Ernährung, der Großteil wird mit den abgelegten Eiern in der Brutröhre eingelagert. Mauerbienen z. B. bauen in hohlen Strohhalmen "Trennwände" aus Lehm – so entstehen getrennte Kammern für weibliche Nachkommen, für Futter und für männliche Abkömmlinge.

Auf der Arbeit ihrer Artgenossen ruhen sich die sogenannten "Kuckucksbienen" aus: Sie legen ihre Eier unbemerkt in fremde Nistplätze. Die Larven fressen zunächst die Nektarvorräte der Wirt-Bienen auf – und danach oft auch deren Eier und Larven!

Wildbienen
Schon im Vor-Frühjahr labt sich eine Wildbiene an dieser Blüte – und bestäubt die Winterlinge. Foto: Uschi_Du / pixabay

Noch ein wichtiger Unterschied: Wildbienen stechen nicht! Also fast nie, sondern nur, wenn sich ein Weibchen (nur sie besitzen einen Stachel) individuell bedroht fühlt (z. B. wenn man die Tiere zwischen den Fingern drückt, mit bloßen Füßen auf sie tritt oder sie zwischen Bekleidung und Haut geraten).

 

Gefährdete Arten: Wildbienen

"Mehr als 50 % der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, 26 sind als „extrem selten“ eingestuft. 7 % der deutschen Wildbienenarten sind inzwischen verschollen und höchstwahrscheinlich schon ausgestorben" schlägt die Wikipedia Alarm! Obwohl die Wildbienen durch die  Bundesartenschutzverordnung geschützt sein sollten, sind ihre Bestände durch menschliche Eingriffe in die Natur akut bedroht. Auf diese Gefährdung der Arten – und die damit einhergehenden Einschränkungen für den Menschen – macht unter anderem die Wahl zum Tier des Jahres aufmerksam.

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Weil Wildbienen für den Menschen gerade aufgrund ihrer hohen Bestäuber-Leistung (ein Exemplar bestäubt bis zu 5000 Blüten pro Tag!) wichtig sind, gibt es immer mehr Initiativen, die Nützlinge zu unterstützen: Das Aufstellen von Insektenhotels ist ein kleiner Baustein, die Schaffung möglichst natürlicher Lebensumfelder (Schutzzonen an Äckern, Wildblumenwiesen, unbewirtschaftete Flächen) sind erforderlich. Denn anders als die Honigbiene fliegen Wildbienen und Hummeln schon im März aus und finden selbst bei Kälte und bedecktem Himmel zu frühblühenden Obstbäumen und Nutzpflanzen.

Praxistipp: Viele Wildbienen brauchen Wärme. Wenn Sie den "wilden Bienen" im eignen Garten einen Nistplatz spendieren wollen, wählen Sie dafür einen sonnigen, vor Regen und Wind geschützten Standort aus! Für Hummeln, die in Erdhöhlen nisten, gibt es spezielle Hummelnistkästen, um die Nützlinge anzusiedeln.

 

Trachtpflanzen für Wildbienen

Mittlerweile findet man im Handel spezielle Samenmischungen für "bienenfreundliche Blühpflanzen": Wichtig ist, dass die Sorten viel Nektar enthalten (gefüllte Blüten bieten das meistens nicht) und dass die Blumen möglichst lange bzw. zeitversetzt blühen, so dass immer ausreichend Nahrungspflanzen für die Wildbienen zur Verfügung stehen.

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