Vogelmiere

Von wegen Unkraut: Das steckt in der Vogelmiere

Sie wächst das ganze Jahr in unseren Gärten, ist einfach zu bestimmen und steckt voller wertvoller Nährstoffe – die Vogelmiere hat alles, was ein perfektes Wildkraut braucht. Wer weiß, was drinsteckt, verflucht die Pflanze nie wieder als Unkraut!

Vogelmiere
Leicht zu übersehen: Die kleinen Triebe der Vogelmiere lassen sich erst bei genauem Hinsehen sicher bestimmen. Foto: iStock/Orest Lyzhechka
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Die Gewöhnliche Vogelmiere (Stellaria media) wird bei Gartenbesitzern und in der Landwirtschaft überwiegend als hartnäckiges Unkraut angesehen, das es zu bekämpfen gilt. Wer es bekämpfen möchte, findet wertvolle Tipps in unserem Video:

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Der ökologische Wert und gesundheitliche Nutzen des Wildkrauts sind nur wenigen Menschen bekannt. Erfahren Sie hier, wieso Sie sich freuen sollten, wenn die Vogelmiere in Ihrem Garten sprießt und wie Sie das „Unkraut“ zu Ihrem eigenen Vorteil nutzen.

Was ist das Besondere an der Vogelmiere?

Der Vogelmiere eilt ein schlechter Ruf voraus. Dabei verbergen sich in der unscheinbaren Pflanze einige Besonderheiten, die es unter Kennern zum beliebten Wildkraut machen. Der ökologische Wert der Pflanze hängt nicht nur mit ihrer Beliebtheit bei Vögeln und Insekten zusammen, denen sie fast ganzjährig als Nahrung dient. Die Vogelmiere ist darüber hinaus in der Lage, brachliegende oder zerstörte Flächen, beispielsweise nach einem Brand oder sogar nach Vulkanausbrüchen, zu besiedeln, den Boden zu erneuern und ihn so für weitere Pflanzen aufzubereiten. Der teppichartige Wuchs schützt den Boden zudem vor Austrocknung und Erosion.

Praxistipp: Die Vogelmiere wird nicht umsonst auch Hühnerdarm, Hühnerscherbe oder Hühnerbiss genannt – die Tiere lieben das knackige Kraut. Wer Hühner oder andere Vögel im Garten hat, kann die Vogelmiere also auch hervorragend als Futter verwenden!

Nicht nur bei Tieren, auch unter menschlichen Sammlern ist die Vogelmiere wegen ihres für Wildkräuter untypisch milden Geschmacks beliebt. Dieser erinnert an jungen Mais. Die Vogelmiere steht in milden Wintern ganzjährig und in großen Mengen zur Verfügung – Nachhaltigkeit ist beim Vogelmiere sammeln deshalb nur selten ein Problem. Alle Pflanzenteile sind für Menschen und Vögel (jedoch nicht für alle Tiere) bedenkenlos essbar und stecken voller gesundheitsfördernder Nährstoffe. Die Bestimmung ist anhand einiger einzigartiger Merkmale auch für Anfänger im Thema Wildkräuter sammeln problemlos und sicher möglich – nicht umsonst zählt es unter Kräuterfreunden zu den beliebtesten Wildkräutern!

Vogelmiere finden und bestimmen: Wo, wann & wie?

Bevor Sie sich der Frage der Bestimmung widmen können, sollten Sie wissen, wo und wann Sie nach der Vogelmiere suchen können. Noch wichtiger ist aber, dass Sie beim Sammeln von wilden Pflanzen einige Grundregeln einhalten. Dazu zählt zum Beispiel, dass Sie sich der wilden Natur gegenüber rücksichtsvoll verhalten und nur so viel sammeln, wie Sie auch benötigen. Neben dem Respekt vor der Natur, steht Ihre eigene Sicherheit an oberster Stelle: Pflücken Sie nichts, was Sie nicht eindeutig bestimmen und von giftigen Doppelgängern unterscheiden können.

Wo wächst Vogelmiere?

Vogelmiere wächst bevorzugt an halbschattigen bis schattigen Standorten, ist im Allgemeinen aber anspruchslos. Nicht grundlos gilt sie heutzutage als Kosmopolit, der die ganze Welt erobert hat. Sie finden frische Vogelmiere, wie die meisten Wildkräuter, bevorzugt dort, wo sich die Vegetation zu verändern beginnt. Also an Wiesen- und Waldrändern, aber auch in Parks oder Ihrem Garten. Als Pionierpflanze besiedelt die Wildpflanze auch Neubaugebiete und andere Stellen, an denen der Boden frisch aufgebrochen ist.

Achtung: Prüfen Sie beim Sammeln von Wildkräutern auf unbekanntem Terrain immer, ob es sich um sichere Flächen handelt. Hundewiesen, Ränder viel befahrener Straßen oder ehemalige Industriegelände sind häufig kontaminiert und eignen sich nicht zum Wildkräuter sammeln!

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Wann ist die beste Zeit, um Vogelmiere zu sammeln?

Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen ist die Vogelmiere nicht besonders kälteempfindlich. Solange es keinen Frost gibt, wächst das Kraut munter vor sich hin – selbst unter dicken Schneedecken. Sie können die Vogelmiere also oft das ganze Jahr über als vitaminreiches Wildgemüse in Ihren Speiseplan einplanen.
Eine Besonderheit der Vogelmiere ist, dass sie pro Jahr mehrere Generationen ausbildet. Deshalb können Sie mit etwas Glück auch das ganze Jahr über die jungen Triebspitzen ernten, die einen besonders frischen Geschmack und hohen Nährstoffgehalt versprechen. 

Wie kann man Vogelmiere sicher bestimmen?

Je nach Standort und Generation wird die Vogelmiere zwischen 10 und 40 cm hoch. Die kleinen Nelkengewächse wären nur sehr schwierig zu entdecken, würden sie nicht meistens gemeinsam zu Hunderten in großen Teppichen wachsen. Auf Ihrer ersten Suche nach der Vogelmiere achten Sie deshalb am besten auf ein Meer aus winzigen weißen Blüten am Wegesrand. Um sie dann sicher bestimmen zu können, muss man sich der Stellaria jedoch nähern, denn viele der einzigartigen Merkmale werden erst bei genauem Hinsehen deutlich:

Vogelmiere

  • Blüte: Die weißen, sternartigen Blüten der Vogelmiere öffnen sich nur bei guter Witterung. Sie verfügen dann über jeweils fünf grüne, stark behaarte Kelchblätter, die die fünf weißen Kronblätter umschließen. Achtung: Augenscheinlich verfügt eine Blüte über zehn weiße Blütenblätter. Wer jedoch genau hinsieht, wird erkennen, dass es sich um fünf jeweils zweigeteilte Blätter handelt. Die winzigen Staubbeutel im Inneren der Blüte sind violett, lassen sich mit bloßem Auge aber nicht immer erkennen.
  • Blätter: Die Blätter der Vogelmiere sind satt grün, herz- bis eiförmig und gegenständig am Stängel angeordnet. Sie verfügen über einen glatten Blattrand und können vor der Blüte leicht für eine Verwechslung mit dem schwach giftigen Acker-Gauchheil sorgen. Abhilfe leistet ein Blick auf den Stängel.
  • Stängel: Der Stängel der Vogelmiere besitzt zwei zweifellos einzigartige Merkmale. Erstens weist er eine einreihige, feine, weiße Haarlinie auf – abgesehen davon ist der Stängel unbehaart. Und zweitens befindet sich im Inneren des Stängels ein gummiartiger Stiel, der zum Vorschein kommt, wenn Sie den Stängel vorsichtig brechen. Der Stängel des Acker-Gauchheils ist dagegen auffällig vierkantig und unbehaart.

Wer all diese Merkmale an der Pflanze entdeckt, kann sich sicher sein, dass es sich um die Vogelmiere handelt und mit dem Pflücken beginnen. Genaues Hinsehen bleibt aber weiterhin wichtig, denn nicht selten verbergen sich inmitten der dichten Teppichen vereinzelt auch andere Wildkräuter.

Inhaltsstoffe und Heilwirkungen: Wie gesund ist die Vogelmiere?

Die Vogel-Sternmiere wird aufgrund ihrer wertvollen Inhaltsstoffe schon lange in der Volksmedizin eingesetzt. Sie ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien, die eine positive Wirkung auf den menschlichen Körper haben können. Enthalten sind beispielsweise große Mengen an Vitamin C, Kalzium und Kalium, aber auch Saponine, Flavonoide, Schleimstoffe, Kieselsäure und Gamma-Linolsäure. 

Obwohl es noch wenige wissenschaftliche Studien gibt, die die Wirksamkeit von Vogelmiere untersuchen, sind viele Menschen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen mit der Pflanze von den positiven (Heil-)Wirkungen überzeugt. Eine Tradition hat die Vogelmiere beispielsweise im Einsatz gegen Magen-Darm-Beschwerden, Husten und (entzündlichen) Hautkrankheiten. 

Natürlich sollten sie niemals als alleinige Behandlungsmethode oder unabgeklärt bei schwerwiegender Erkrankung eingesetzt werden, doch sicher ist: Der regelmäßige und ausgewogene Verzehr von Wildkräutern wie der Vogelmiere kann durchaus einen positiven, auch vorbeugenden Effekt auf Ihre Gesundheit haben. Es bleibt zu hoffen, dass in zukünftig mehr Forschung in diesem Bereich betrieben wird, um alle Potenziale dieser Pflanzen nutzen zu können.

Rezepte mit Vogelmiere

Vor der weiteren Verarbeitung in der Küche, ist es wichtig, die Vogelmiere gründlich zu waschen und sie von Pflanzenfremdem, kleinen Tierchen und angefressenen Pflanzenteilen zu befreien. Bei einer rohen Verarbeitung (zum Beispiel in einem Salat) ist es empfehlenswert, das schmackhafte Wildkraut 2-3x abzuwaschen und in einer Salatschleuder zu trocknen. Möchten Sie die Pflanze kochen, reicht einmaliges Abwaschen. Wer die Miere nicht frisch verarbeiten möchte, kann sie einfrieren oder aber auch trocknen. Dabei verliert sie jedoch ihre knackige Konsistenz und büßt an Aroma ein. Da die Pflanze ganzjährig aufzufinden ist, bietet es sich an, nur so viel zu ernten, wie Sie frisch verarbeiten können. 

Die Triebspitzen der Vogelmiere werden häufig mit jungem Mais verglichen und gelten allgemein als mild-nussig im Geschmack. Dadurch lassen sie sich in vielerlei Gerichte integrieren, roh und gekocht zubereiten. Wer mit einer Portion Vogelmiere seinen Tagesbedarf an Vitamin C abdecken möchte, braucht nur etwa 50 bis 100 Gramm davon. Aufs Brot gestreut oder dem Salat beigemischt, ist die Menge schnell erreicht.

Rezept: Vogelmiere-Salat

Um einen frischen, vitaminreichen Salat mit Vogelmiere zuzubereiten, braucht es nicht viel:

  • 100 Gramm Vogelmiere
  • 100 Gramm Feldsalat
  • 4 große Karotten
  • 50 Gramm Walnüsse
  • 2 EL brauner Zucker
  • 1 großer Apfel

  1. Waschen Sie den Wildsalat und den Feldsalat gründlich und geben Sie ihn in eine Schüssel
  2. Waschen Sie die Karotten und den Apfel, raspeln Sie beides in feine Streifen und geben Sie die Zutaten zu dem Salat.
  3. Hacken Sie die Walnüsse und kandieren Sie sie mit 1 EL braunem Zucker, aber ohne Öl in einer Pfanne. 
  4. Vermengen Sie alle Zutaten in der Schüssel, beträufeln Sie den Salat mit einem Dressing Ihrer Wahl (die besten Dressings für Feldsalat gibt's hier) und servieren Sie den Salat frisch.

Rezept: Vogelmiere-Falafel

Wer aus den Wildkräutern etwas Besonderes zaubern möchte, kann sich an diesen schnellen Vogelmiere-Falafelbällchen versuchen, die ganz ohne Fritteuse auskommen:

  • 150 Gramm Vogelmiere
  • 1 Zwiebel
  • 250 Milliliter Milch oder Pflanzendrink
  • 150 Gramm Mehl
  • 300 Gramm Kichererbsen
  • Gewürze nach Wahl
  • Olivenöl

Vogelmiere-Falafel
Voller Proteine, voller Vitamine: Mit Vogelmiere-Falafelbällchen bringen Sie echtes Superfood auf den Tisch. Foto: iStock/Tatiana Volgutova

  1. Die Vogelmiere gründlich waschen und fein hacken.
  2. Die Zwiebel ebenfalls fein würfeln und zu der Vogelmiere in eine Schüssel geben.
  3. Im Mixer die Kichererbsen mit der Milch zerkleinern und das Mehl hinzugeben.
  4. Alle Zutaten in der Schüssel miteinander vermengen und kleine Bällchen formen.
  5. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech auslegen, mit Öl beträufeln und bei 180° Ober-/Unterhitze etwa 25 Minuten lang backen.

Tipp: Richtig lecker schmeckt dazu im Frühling eine selbstgemachte Bärlauch-Mayo – Hier gibt's das Rezept!

Vogelmiere im Garten

Wer nach all diesen Informationen weiterhin entschlossen ist, die Vogelmiere im eigenen Garten bekämpfen zu wollen, muss mit einer schlechten Nachricht leben: Da sich das anspruchslose Kraut sowohl über Samen, als auch über unterirdische Ausläufer vermehren kann und pro Jahr bis zu fünf Generationen ausbildet, ist eine nachhaltige Beseitigung des Wildkrauts im Garten mit großen Mühen und keiner Garantie verbunden. Bei der mechanischen Entfernung sollten Sie unbedingt sicherstellen, die feinen, flach wachsenden Wurzeln vollständig aus der Erde zu entfernen, denn ansonsten treibt das Kraut innerhalb weniger Tage neu aus. Ein relativ wirksames Mittel zur Bekämpfung der Vogelmiere ist das Ausbringen von Kaliumdünger im Frühjahr und das Düngen mit Kalkstickstoff im Herbst. 

Immer mehr Menschen ändern ihre Ansicht in Bezug auf die Vogelmiere jedoch dahingehend, dass sie die Vogelmiere im eigenen Garten bestehen lassen oder sogar anpflanzen möchten. Dazu ernten Sie die Samen idealerweise direkt von einer bestehenden Pflanze. Das ist ganzjährig möglich. Nach der Blüte entwickeln sich fünf- oder sechsklappige, herabhängende Kapseln, die die rotbraunen Samen enthalten.

Zuhause können Sie die Samen dann ganzjährig auf der Fensterbank aussäen. Da die Vogelmiere zu den Dunkelkeimern zählt, bedecken Sie die Samen mit einer 1 bis 1,5 Zentimeter dicken Erdschicht. Sobald sich die ersten Sprossen zeigen (für gewöhnlich nach etwa ein bis zwei Wochen), kann die Pflanze raus ins Beet, den Balkonkasten oder Kübel. An den Standort stellt die Vogelmiere wenig bis keine Ansprüche, ideal ist aber eine halbschattige Lage. Nach dem Auspflanzen benötigt das Wildkraut keine Pflege. Achten Sie darauf, dass sich das Kraut ohne regelmäßigen Rückschnitt schnell ausbreiten kann.

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