Leim Vom Weißleim zum wasserfesten Holzleim

Holzbauteile werden am besten mit Leim verbunden – bei der Produktwahl kommt es auf die späteren Beanspruchungen der Verbindung an.

Gängiger Leim für Holz – sie werden auch als Weißleime verkauft – sind Dispersionen mit thermoplastischen Kunststoffen. Die enthaltenen Kunststoffmoleküle – man spricht auch von Polymeren – befinden sich dabei nicht frei in Lösung, sondern sind in der Leimflüssigkeit in sogenannten Micellen gebunden. Diese besondere Eigenheit gewinnt bei der Verarbeitung des Holzleims an Bedeutung: Zunächst wird der Leim aufgetragen und das Wasser verdunstet. Dadurch öffnen sich die Micellen und die Polymere können die Oberfläche benetzen.

Tipp: verleimen mit dem Nageltrick

Damit die Werkstücke beim Verleimen auf dem Leimfilm nicht verrutschen, gibt es einen einfachen Schreiner-Tipp: Mit dünnen Nägeln, denen man die Köpfe abgeknipst hat, sichert man Bretter, Leisten & Co. gegen das Verrutschen. Wie Sie sich den Nageltrick beim Verleimen zunutze machen, zeigt Schritt für Schritt das Video:

 
 

Leim-Arten

Im Außenbereich dürfen nur D4-Leime verwendet werden – diese Klasse ist mit Weißleimen allerdings nicht erreichbar, alternativ können PU- und spezielle Reaktions-Klebstoffe eingesetzt werden. PU-Kleber sind aufgrund von Gesundheitsgefahren kaum noch erhältlich. Diese Holzleime sind gängig:

Glutinleim (D1)

In Wasser löslicher natürlicher Klebstoff, der aus tierischen Abfällen durch Auskochen gewonnen wird. Die dabei entstehende Gallerte wird als Leim bezeichnet. Glutin hat eine ähnliche Zusammensetzung wie Gelatine.

  • Vorteile: Hohe Klebkraft möglich, Verbindungen durch Hitze beschädigungsfrei lösbar.
  • Nachteile: Aufwendige Verarbeitung, da der Leim erhitzt werden muss, nicht feuchtigkeitsfest.

Holzleim (D2)

Universeller Weißleim für alle Holzarten und Holzwerkstoffe. Offene Zeit ca. 10 Minuten, Presszeit zwischen 15 und 60 Minuten (zwischen 4 und 15 Minuten bei Expressleim). Ohne Lösungsmittel.

  • Vorteile: Sehr hohe Klebkraft, trocknet transparent, frischer Leim mit Wasser entfernbar.
  • Nachteil: Nicht feuchtigkeitsfest.

Holzverbindungen
Wie funktioniert eigentlich Holzleim?

Wie funktioniert Leim? Wir beantworten die Frage in unserem Grundwissen

Holzleim (D3)

Universeller, wasserfester Weißleim nach EN 204 (D3) für alle üblichen Holzarten, Holzwerkstoffe und Schichtstoff- / Holzverlegeplatten. Offene Zeit ca. 10 Minuten, Presszeit zwischen 15 und 60 Minuten.

  • Vorteile: Sehr hohe Klebkraft, trocknet transparent, frischer Leim mit Wasser entfernbar, bedingt feuchtigkeitsfest.

Holzklebstoff (D4)

Auf Polymertechnolgie basierender Holzbauklebstoff, wasserfest (D4 Norm). Für die Verklebung von Holz mit Holz und mit nahezu allen Baumaterialien geeignet. Offene Zeit ca. 30 Minuten, kurz anpressen, ca. 6 Stunden fixieren.

  • Vorteile: Sehr hohe Klebkraft (auch bei Verklebungen mit anderen Materialien), trocknet ohne Quellen, wasserfest nach Norm, dauerhaft flexibel, überstreichbar.
 

Holzleim unter Druck klebt fester

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Bei Holzleimen in der klassischen Verbindung Holz-Holz kommt beim Kontakt der Werkstücke die mechanische Adhäsion wesentlich stärker zum Tragen, als das bei anderen Klebstoffen der Fall ist. Aus diesem Grund muss der Leim auch in die Holzfasern verpresst werden, wo er dann austrocknet und in der Regel eine Verbindung erzeugt, die stärker ist als das umgebende Holz.

Einen ausreichenden Druck erreichen Sie sowohl mit Schnellspannzwingen als auch mit Schraubzwingen. Bei größeren Werkstücken sollten Sie mit Zulagen arbeiten, um den Pressdruck mit einer geringeren Anzahl von Zwingen optimal auf der Fläche verteilen zu können. Dies gilt insbesondere bei größeren Durchmessern, da Sie aufgrund der begrenzten Ausladung der Zwingen die Mitte des Werkstücks dann nicht mehr direkt erreichen können. Wird die Leimverbindung später so stark belastet, dass es zum Bruch kommt, reißt in der Regel das Holz aus – die Leimverbindung selbst bleibt jedoch intakt.

So verpresst entwickelt der Leim die ideale Klebkraft. Foto: sidm / KEH

Praxistipp: Die Holzfeuchte bestimmt die Trocknungsgeschwindigkeit des Holzleims. Als ideale Holzfeuchte können 18-22 Prozent angegeben werden. Mit steigender Holzfeuchte verzögert sich die Trocknung des Holzleims zunehmend. Ab ca. 50 Prozent wird praktisch keine Trocknung mehr erreicht. Holzleime werden nach ihrer Beständigkeit gegen Feuchtigkeit in Beanspruchungsklassen eingeteilt – dabei können D1-Leime nur mit besonders trockenem Holz (maximal 15 Prozent Feuchte) verwendet werden.

Quelle: selbst ist der Mann 1 / 2018

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