Wildkräuter

Brennnessel

Aus der Serie: Wildkräuter bestimmen, sammeln und zubereiten

Sie sind heimische Superfoods, doch meistens als Unkräuter verschmäht – was an unseren Wildkräutern so besonders ist, wie man sie bestimmen, sammeln und zubereiten kann.

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Wildkraut Brennnessel
Foto: iStock/SStajic
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Mit Brennnesseln verbinden viele von uns vielleicht die etwas unschöneren Kindheitserinnerungen aus der Natur. Kein Wunder, denn die Brennhaare der Wildpflanze hinterlassen auf unserer Haut oft schmerzhafte Quaddeln. Ein Abwehrmechanismus der Brennnessel, der ihr unter Gärtnern zu Unrecht einen Ruf als fieses Unkraut beschert.

Brennnessel: Wertvolles Wildkraut

Schon jahrhundertelang wird die Brennnessel (Urtica dioica) nicht nur von den verschiedensten Waldbewohnern als Futterpflanze, sondern auch von uns Menschen als wertvolle Heilpflanze verwendet. Seit der Antike wird sie für ihre medizinischen Eigenschaften geschätzt. Die Brennnessel stärkt nachweislich das spezifische Immunsystem, hilft dank ihrer harntreibenden Eigenschaften bei Harnwegsinfekten und lindert Beschwerden einer benignen Prostatavergrößerung. Darüber hinaus werden der Heilpflanze positive Effekte bei Erkrankungen wie Arthrose, Fibromyalgie, Bluthochdruck, Gicht und geschwollenen Beinen nachgesagt. 

Doch auch ohne spezifische Vorerkrankung lohnt es sich definitiv, die Brennnessel in Ihren Speiseplan einzubauen. Dass das verachtete Wildkraut in Wirklichkeit eine nachhaltiges Superfood ist, wird bei einem Blick auf die Nährstoffe mehr als deutlich:

  • Vitamin C: Im Durchschnitt liegt der Vitamin-C-Gehalt einer Brennnessel mit ca. 50 mg/100 g nur knapp unter dem einer Orange, die pro 100 g auf etwa 53 mg kommt.
  • Eisen: Die jungen Blätter der Brennnessel können bis zu 3-4 mg Eisen pro 100 g enthalten. Das entspricht etwa dem Nährstoffgehalt von Spinat und schlägt den Eisengehalt von Rindfleisch, der bei etwa 2,5 mg liegt.
  • Kalzium: Mit 400-800 mg/100 g sind frische Brennnesselblätter ein guter Kalziumlieferant. Um dem menschlichen Körper die Aufnahme zu erleichtern, sollten die Blätter vor dem Verzehr gekocht werden, denn das reduziert die enthaltenen Oxalate. 
  • Magnesium: Bis zu 150 mg Magnesium stecken in 100 g frischer Brennnessel. Damit kann sie mit vielen Magnesiumlieferanten wie Nüssen gut mithalten und bringt Abwechslung in Ihre Ernährung. ;
  • Eiweiß: Während frische Brennnessel über einen moderaten Eiweißanteil von etwa 7 Gramm verfügen, lässt sich die Nährstoffdichte pro Gewichtseinheit durch Trocknung auf bis zu 40 g/100 g erhöhen.

Es ist wichtig zu beachten, dass ganze Palette an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen in einer Brennnessel abhängig von unterschiedlichsten Faktoren sein kann. Brennnessel-Pflanzen, die auf eisenhaltigen Böden zu finden sind, weisen üblicherweise zum Beispiel auch einen höheren Eisengehalt auf. Beachten Sie außerdem, dass wildgewachsene Pflanzen immer mehr Nährstoffe enthalten, als solche aus der Zucht. Tipp: In den jungen Blätter im Inneren der Brennnessel sammeln sich die meisten wertvollen Inhaltsstoffe.

Welche Pflanzenteile der Brennnessel sind essbar?

Prinzipiell sind alle Bestandteile von Wurzel bis Blüte essbar. Den höchsten Nährstoffgehalt und besten Geschmack enthalten jedoch die jungen Blätter und Stängel. Die beste Zeit, um nährstoffreiche Brennnesseln zu ernten, ist das Frühjahr. Später im Jahr, im Sommer und Herbst, liefern Ihnen die Brennnesselsamen jede Menge Vitamine und Mineralien. In der kälteren Jahreszeit enthalten die Wildkräuter geringere Mengen der wichtigen Inhaltsstoffe, können aber auch dann einen wertvollen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten. 

Wichtig: Einige Menschen reagieren auf den Konsum von Brennnesseln mit allergischen Reaktionen oder Übelkeit. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können pauschal nicht ausgeschlossen werden. In der Regel, ist der Verzehr von Brennnesseln unbedenklich, sprechen Sie den Konsum bei Vorerkrankungen aber lieber mit Ihrem Arzt ab.

Was in Ihrem Körper passiert, wenn Sie Brennnesseltee trinken, erfahren Sie hier im Video:

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Wie bereitet man Brennnesseln zu?

Brennnesselblätter stellen wegen ihrer hautreizenden Brennhaare eine Besonderheit bei der Zubereitung von Wildkräutern dar. Tragen Sie nicht nur beim Sammeln, sondern auch beim Waschen der Pflanze am besten Handschuhe, um brennende Quaddeln auf Ihrer Haut zu vermeiden. Damit die Haare beim Essen keine fiesen Substanzen in Ihrem Mund freisetzen, ist es ratsam, die Blätter zu blanchieren, dämpfen oder zu kochen. So wird die Reizwirkung im Regelfall deaktiviert. 

Im Anschluss können Sie Blätter und Stengel der Brennnessel in vielen Rezepten verarbeiten: Von Tee über Salat bis Omelett – hier finden Sie sicherlich ein passendes Rezept.

Brennnesselsamen
Achten Sie darauf, im Herbst die leicht bräunlichen, herabhängenden Samen der weiblichen Pflanzen zu ernten. Die Samen der männlichen Pflanzen wachsen waagerecht oder sogar aufrecht und enthalten weniger Nährstoffe. Foto: iStock/IgorSokolov

Tipp: Im Herbst sorgen die Brennnesselsamen, über die Suppe oder das Porridge gestreut, für eine Extra-Portion Protein.

Wo kann man Brennnesseln sammeln?

Zum Sammeln von Brennnesseln gelten die gleichen Regeln und Erfahrungswerte wie für die meisten anderen Wildkräuter auch: Suchen Sie an Wiesen- und Feldrändern, im Wald, an Seen oder Flüssen, auf Friedhöfen, Baustellen und so weiter. Achten Sie wie immer beim Sammeln von Wildkräutern darauf, in keinen belasteten Gebieten zu sammeln – besonders Brennnesseln wachsen gern dort, wo viel gedüngt wird.

Wie bestimmt man Brennnesseln?

In der Regel sind Brennnesseln sehr einfach zu bestimmen, giftige Doppelgänger kommen hier nicht vor. Das einzige Gewächs, das den verschiedensten Brennnesselarten ähnlich sieht, ist die Taubnessel – diese besitzen aber keine Brennhaare und sind zudem ebenfalls äußerst gesund. An den folgenden Merkmalen erkennen Sie Brennesseln:

  • Die Blätter sind kreuz-gegenständig angeordnet und verfügen über eine gezackte oder gezähnte Blattrandstruktur. Häufig sind sie herzförmig oder oval mit ausgeprägten Adern.
  • Die Stängel der Brennnesselpflanzen sind meistens leicht behaart und können Brennhaare aufweisen. Beim Großteil der Sorten sind die Stängel vierkantig.
  • Brennnesseln wachsen in der Regel aufrecht und dicht. Sie erreichen Höhen von bis zu drei Metern.

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