Igel gefunden: Was tun?

Igel im Garten
© kulikovskaia/Welzhofer

Ab September ist es wieder soweit: Dann häufen sich im Internet wieder die Suchanfragen und die Telefone von NABU und Co. glühen. Allen plagt dabei die gleiche Frage: „Ich habe einen Igel gefunden: Was nun?“

Sie haben einen Igel im Garten oder im Feld gefunden und wissen nicht, was jetzt zu tun ist? Meist gar nichts! Igel dürfen laut Naturschutzgesetz nur aus der Natur genommen werden, wenn es für deren Überleben unerlässlich ist. Stellen Sie also sicher, dass der Igel mindestens eines der folgenden Merkmale aufweist, bevor Sie Ihn retten.

 

Wann benötigt ein Igel Hilfe?

  • Der Igel ist sichtbar verletzt: Er humpelt oder hat eine Wunde.
  • Der Igel ist krank: Er torkelt, liegt apathisch herum, ist deutlich unterernährt oder begibt sich am hellichten Tag auf Futtersuche.
  • Der Igel ist eindeutig verwaist: Das Igelbaby kann seine Augen noch nicht öffnen, läuft aber tagsüber draußen herum.
  • Der Igel ist zu leicht: Er ist im November noch deutlich leichter als 500 Gramm. Je später im Jahr Sie ihn finden, desto schneller benötigt er Hilfe.
  • Der Igel läuft bei Schnee und Eis herum: Wacht ein Igel aus dem Winterschlaf auf oder hat er vor Wintereinbruch nicht genügend Fettreserven angefressen, benötigt er Hilfe.

Praxistipp: Wann Igel Winterschlaf halten, wird nicht durch den Kalender bestimmt, sondern durch das Wetter. Erst wenn die Temperaturen dauerhaft unter 6 °C fallen, halten die Igel Winterschlaf. In „normalen“ Jahren begeben sich die Igel daher spätestens Anfang November in den Tiefschlaf. Ist der Winter sehr mild, kann es jedoch auch sein, dass Sie sogar im Dezember noch Igel herumstreifen sehen.

Gartenpflege
 

Igel im Winterschlaf

Sinken die Temperaturen & schrumpft das Nahrungsangebot hält der Igel Winterschlaf

 

Erste Hilfe für Igel

Haben Sie einen verletzten oder unterkühlten Igel gefunden, gilt es folgende Schritte zu beachten:

  1. Aufwärmen: Unterkühlte Tiere können auch von einem Tierarzt nicht richtig behandelt werden. Legen Sie ihn auf eine lauwarme Wärmflasche, die in einem Handtuch eingewickelt ist, und decken Sie ihn zu. Ein Tier ist unterkühlt, wenn sein Bauch sich kälter anfühlt als Ihre Handfläche.
  2. Parasiten entfernen: Damit der Igel sich gut erholen kann, müssen Parasiten entfernt werden. Keine Angst: Parasiten, die Igel befallen, haben – bis auf einige Zeckenarten – kein Interesse am Menschen.
  3. Füttern: Igel sind reine Fleischfresser und vertragen weder Obst noch Gemüse – auch Milch ist gefährlich. Katzenfutter (natürlich ohne Obst, Gemüse und Zucker) ist für die Erstversorgung gut geeignet. Zur Not tut es jedoch auch leicht angebratenes – nicht gewürztes! – Hackfleisch. Praxistipp: Achten Sie auch bei speziellen Igelfuttern auf die Inhaltsstoffe! Sie sollten idealerweise nur aus Fleisch bestehen und keinesfalls Obst, Gemüse, Zucker oder Bäckereinebenerzeugnisse enthalten.
  4. Tierarzt: Ist der Igel aufgewärmt und hat etwas zu Essen und Trinken bekommen, geht es ab zur Igelnothilfe. Gibt es keine in Ihrer Nähe, telefonieren Sie die örtlichen Tierärzte ab und fragen Sie nach, ob diese Erfahrung mit Igeln haben.

Wichtig: Ziel der Igelrettung ist es immer, den Igel so schnell wie möglich wieder dort auszusetzen, wo man ihn eingefangen hat. Gibt es keine zwingenden Gründe, dass das Tier beim Menschen überwintert, ist es auch bei Jungtieren besser, diese so schnell wie möglich auszusetzen. Voraussetzung ist, dass der Igel gesund ist, ein entsprechendes Gewicht von mindestens 500 – besser 600 bis 700 – Gramm erreicht hat und es draußen noch nicht friert.

 
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