Heizungssysteme Die besten Heizungsarten für Ihr Zuhause

Eine neue Heizung ist eine Kosten- und Systemfrage. Wir stellen gängige Heizungssysteme vor und geben Tipps zur Anschaffung und Förderung.

Für die meisten soll die Heizung zuverlässig arbeiten und geringe Betriebskosten aufweisen. Ökologie und Anschaffungskosten spielen noch immer eine geringere Rolle. Laut einer Umfrage, die Eon vor einiger Zeit in Auftrag gab, würden 28 Prozent der Befragten sogar lieber mehr heizen als sich wärmer anzuziehen. Das wiederum verhagelt natürlich die Betriebskosten, die übrigens besonders günstig beim Heizen mit Scheitholz und mit Holzpellets ausfallen. Gefördert wird aktuell der Austausch fast aller Heizungssysteme im Gebäudebestand, nur für eine Ölheizung bekommt man nichts. Aber Förderanträge für die Anschaffung einer neuen Holz- und Pelletheizung, eines Gas-Brennwertkessels in Kombination mit Solar oder mit einer Wärmepumpe (Gas-Hybridheizung), einer Brennstoffzellenheizung, Wärmepumpe, eines Blockheizkraftwerks oder einer Solarthermieanlage kann man vor der Anschaffung stellen. Grundsätzlich müssen Sie bei der Heizungsförderung zwischen einem Kredit beziehungsweise Darlehen, einem einmaligen Zuschuss und einer Steuervergünstigung unterscheiden. Alle Angebote werden über das BAFA (www.bafa.de) und die KfW (www.kfw.de) abgewickelt. Den Steuerbonus müssen Sie über das Finanzamt abrechnen. Die konkreten Zuschüsse des BAFA belaufen sich je nach Energieträger und System auf 20 bis 45 Prozent der förderfähigen Anschaffungskosten. Für eine neue Gas-Hybridheizung sind das 30 Prozent, für einen Stückholzheizkessel 35 Prozent (ersetzt er eine Ölheizung sogar 45 Prozent), für den Pelletkessel gibt es 35 oder auch 45 Prozent, für eine Wärmepumpe 35 bzw. 45 Prozent, für eine Brennstoffzellenheizung und für ein Blockheizkraftwerk 40 Prozent und für eine Solarthermieanlage gibt es bis zu 45 Prozent Zuschuss. Wir reden hier also über richtig viel Geld, das Sie in der Regel in Abstimmung mit einem Energieberater vor Kauf und Montage beantragen müssen.

 

Diese Heizungssysteme gibt es

Beginnen wir direkt mit der Scheitholzheizung. Hierfür benötigt man aber nicht nur eine verhältnismäßig teure Anlage, sondern auch entsprechende Bezugsquellen und Lagerflächen. Nicht zuletzt bedeutet es einen Mehraufwand bei der Brennstoffbeschaffung, Einlagerung und Befüllung. Für viele kommt eine Festbrennstoffheizung deshalb nicht in Frage. Vielleicht also Pellets? Die Anlage plus Lagerfläche ist allerdings ebenfalls teuer, und der Brennstoffpreis ist auch nicht mehr so niedrig. Also Erdöl als Alternative? Wohl kaum, denn die Brennstoffpreise sind hoch, und zukunftsträchtig sieht anders aus. Insofern bietet sich eine neue Ölheizung höchstens für Leute an, die schon mit Öl heizen, einen Tankraum besitzen und vor allem schlecht auf einen anderen Energieträger umsteigen können. So oder so ist man selten frei in der Wahl der Heizungssysteme, denn eine besonders effiziente Wärmepumpe, die der Erde oder dem Grundwasser Wärme entzieht, lässt sich oft nur beim Neubau einplanen, denn sie verlangt Eingriffe ins Grundstück. Überdies empfiehlt sich hierfür eine Fußbodenheizung, die nur mit viel Geld nachgerüstet werden kann. Apropos Geld: Im Anschluss stellen wir gängige Heizungssysteme vor und nennen ca.-Kosten. Der derzeitige Rohstoff- und Halbleitermangel (Stand 11/2021) führt in manchen Bereichen aber gerade zur Preisexplosion. Zum Teil erhält man Geräte gar nicht oder nur mit langen Lieferzeiten. Die von uns genannten Preisangaben sind also mit Vorsicht zu genießen, da sie schon Morgen anders ausfallen können. Auch im Laufe der eigenen Kalkulation muss man flexibel schauen und ggf. reagieren.

Gasheizung

Die Mehrheit der Haushalte heizt mit Erdgas. Das ist zur Zeit nicht besonders preiswert in Bezug auf den Brennstoff, aber eigentlich versorgungssicher und bei vorhandenem Gasanschluss auch sinnvoll. Im Mehrfamlienhaus kann man es ohnehin kaum ändern. Möchte man seine alte Anlage erneuern, sollte man zu einem Brennwertgerät greifen. Diese Technik arbeitet effizient, benötigt aber geeignete Abgasrohre mit geringem Durchmesser, damit die tendenziell kühlen Abgase nach draußen gelangen. Je nachdem, wie viel Fläche man beheizen will, welche Gerätekomponenten man benötigt und wie die Angebotslage aussieht, kostet ein Gasbrennwertgerät etwa zwischen 2000 und 3000 Euro. Kommt ein Warmwasserspeicher dazu, sind nochmals mindestens 1500 Euro fällig. Die Installation schlägt mit 500 bis 1500 Euro zu Buche. Muss die Abgasstrecke saniert oder gar ein Gasanschluss vorgenommen werden, liegt man schnell bei weit über 5000 Euro. Im Mehrfamilienhaus kann man auch zu einem weniger effizienten Gasheizwertgerät für rund 1500 Euro greifen und es an den vorhandenen, mehrfach belegten Schornstein anschließen lassen. Ökologisch und zukunftsträchtig ist das allerdings nicht. Und auch nicht förderfähig. In dem Zusammenhang ist es ohnehin sinnvoll, die Gasbrennwertheizung mit einer Solaranlage oder Wärmepumpe zu kombinieren. Wer im Übrigen keinen Erdgasanschluss hat, kann mit Flüssiggas heizen. Hier lagert man den Brennstoff wie Heizöl in einem separaten Tank.

Die Gasbrennwertanlage CGW-2L von Wolf verfügt über einen integrierten Schichtenspeicher in 100, 120 oder 140 l Größe, der das Wasser nach Temperatur „sortiert“. Das sorgt auf kleinstem Raum für komfortable Warmwasserversorgung; Steuerung über Display oder App. Foto: Hersteller / Wolf

Ölheizung

Klar, das Heizen mit Erdöl ist teuer und wird vermutlich auch nicht billiger. Auch die Ölheizungsanlagen schlagen mit mehr Geld zu Buche als eine vergleichbare Gasheizung, noch dazu wird ihre Anschaffung seit 2020 nicht mehr gefördert: Ab rund 3000 Euro aufwärts geht es los, wobei der Endpreis von denselben Faktoren wie oben abhängt. Ein größeres Gerät mit mehr Ausstattung sowie einem neuen Speicher treibt den Preis nach oben, sodass man insgesamt schnell bei gut 7000 Euro landen kann. Standard ist auch bei Öl die Brennwerttechnik, das heißt, moderne Geräte arbeiten sehr effizient. Das umschließt bei einem Austausch wie bei Gasheizungen oft die Sanierung des Schornsteins – bei einer neuen Ölbrennwertheizung kommen Sie um ein passendes Abgasrohr nicht herum. Sehr empfehlenswert ist die Kombination mit einer Solarthermieanlage, deren Anschaffungskosten wiederum auch gefördert werden. Vor der Anschaffung einer neue Ölheizung sollte man allerdings einen Wechsel von Öl- auf Pellet-Heizungssysteme in Betracht ziehen, den Tankraum kann man entsprechend zum Pelletlager umrüsten.

Beim kompakten Ölbrennwertkessel (oberes Gerät; unteres ist der Warmwasserspeicher) Vitoladens 300-C von Viessmann liegen alle Anschlüsse auf der Oberseite, was die Montage vereinfachen soll. Die Seitenteile lassen sich demontieren – wenn es bei Transport und Montage mal eng wird. Foto: Hersteller / Viessmann

Holzheizung

Heizungssysteme mit Holz heizen CO2-neutral und günstig, vor allem mit Scheitholz. Genau das ist allerdings mit höherem Aufwand verbunden, da man das Holz besorgen und lagern und die Anlage händisch mit Holzscheiten befüllen muss. Zwar muss das je nach Füllraumgröße und abgerufener Heizleistung nicht täglich geschehen, aber es bedeutet Arbeit. Die hat man mit modernen Pelletanlagen nicht zwangsläufig, sofern man über ein separates Pelletlager verfügt, aus dem die Pellets per Förderschnecke automatisch in den Kessel gelangen. Bei Platzmangel kann man aber auch hier zu Heizungsanlagen greifen, die ein integriertes Pelletlager aufweisen, das man ebenfalls per Hand befüllen muss. Es gibt übrigens auch Kaminöfen, die auf diese Weise betrieben werden. So günstig wie der Brennstoff sind Holzheizungen allerdings nicht. Gut 4000 bis 5000 Euro sind hier allein für die Heizung fällig. Ein Markengerät mit guter Ausstattung kostet auch schnell 8000 Euro – plus Montage. Hinzu kommen Kosten für ein Lager (ein Gewebetank kostet ca. 2000 Euro) sowie ggf. für die Schornsteinsanierung. 20000 Euro sind da am Ende keine Seltenheit. Somit verursachen diese Heizungssysteme auch abzüglich der Förderung beträchtliche Anschaffungskosten.

Der Scheitholzvergaserkessel Viessmann Vitoligno 150-S kann zusammen mit einem vorhandenen Heizsystem genutzt werden und dieses unterstützen oder als alleiniger Wärmeerzeuger für ein Ein- oder Mehrfamilienhaus dienen. Öffnung und Füllraum bieten Platz für bis zu 56 cm lange Holzscheite. Foto: Hersteller / Viessmann

Wärmepumpe

Die Kosten einer Wärmepumpe sind schwer zu beziffern – Minimum ab 5000 Euro plus Installation. Entscheidend ist die Pumpenart: Geräte, die der Außenluft Wärme entziehen, sind am günstigsten, aber ineffektivsten – dafür gut im Altbau nachrüstbar. Wärmepumpen mit Flächenkollektoren oder Erdsonden arbeiten deutlich besser, ebenso Geräte, die dem Grundwasser Wärme entziehen. Besonders der Installationsaufwand ist bei diesen Gerätearten aber enorm, was zu Kosten von bis zu 20000 Euro führen kann. Und auf gewachsenen Grundstücken ist es oft gar nicht möglich. Wichtig: Die Jahresarbeitszahl (JAZ). Je höher sie ausfällt, desto effizienter arbeitet eine Wärmepumpe. Am Ende bedarf es grundsätzlich einer ausführlichen, individuellen Beratung. Vielleicht erfordert eine Wärmepumpe sogar die beratungsintensivste Planung aller Heizungssysteme, wenn sie wirklich gut arbeiten und der Stromverbrauch nicht am Ende die Kosten- und Ökobilanz verhageln soll. Versuchen Sie also einen Heizungsbauer zu finden, der damit Erfahrung hat. Fragen im Bekanntenkreis, bei Nachbarn und eine Onlinerecherche sind hierfür unbedingt zu empfehlen. Klappt es jedoch, stellt eine Wärmepumpe wie die Solarthermie eine super Lösung dar – Umweltwärme und Sonne stehen kostenlos zur Verfügung.

1. Im Verdampfer verdunstet das flüssige Kältemittel. 2. Der Verdichter komprimiert das Gas, es wird wärmer. 3. Der Wärmetauscher überträgt die Wärme auf das Heizsystem. 4. Das gasförmige Kältemittel kühlt ab, wird flüssig und kann erneut Wärme aufnehmen.  Foto: Hersteller / Glen Dimplex

Solartherme

Geht es nur um Warmwasser, benötigt man etwa 1,5 m² Kollektorfläche pro Person. Sollen auch Heizungssysteme unterstützt werden, sind mindestens 2,5 m² Kollektorfläche nötig. Rund 6 bzw. 10 m² benötigen Sie also, wenn Sie zu viert sind. Ab etwa 200 Euro/m² erhalten Sie Solarkollektoren, sodass mindestens 1200 Euro plus Installation, Solarwärmespeicher und anderes Zubehör anfallen. Je nach Produkt müssen Sie für einen Vierpersonenhaushalt insgesamt mit gut 4000 Euro, bei einem System zur Heizungsunterstützung sogar mit gut 8000 Euro rechnen. Ob sich das für Sie rechnet, hängt vom Brennstoffpreis ab, den Sie für die weiterhin erforderliche Heizanlage zahlen. Oder eben für den Strom, der bei einer unterstützenden Wärmepumpe anfällt. Soll sich eine Solaranlage also nicht erst in 20 Jahren amortisieren, sollte sie richtig dimensioniert und ausgerichtet sein. Dies kann nur vom Fachmann vor Ort beurteilt werden. Möchten Sie Kredite und Fördermittel der KfW und des BAFA in Anspruch nehmen, benötigen Sie ohnehin eine fachgerechte Planung und entsprechende Nachweise.

Dient die Anlage auch der Heizungsunterstützung, muss sie im Frühling und Herbst optimal arbeiten, wofür Neigungen von 50 bis 70 Grad sinnvoll sind. Dient sie nur der Warmwasserbereitung, empfiehlt sich eine Neigung von 30 bis 55 Grad zur Sonnenseite. Foto: Hersteller / Paradigma

Blockheizkraftwerk

Mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugen Sie Strom und Wärme. Es ist quasi eine Photovoltaikanlage und Gasheizung in einem, nur dass der Strom statt durch die Sonne mittels Gas (oder einem anderen Brennstoff) erzeugt und die dabei entstehende Wärme zum Heizen und zur Warmwasserbereitung genutzt wird. Dadurch erzielt man eine hohe Energieausnutzung und produziert vergleichsweise wenig CO2. Jedoch verlangen diese Heizungssysteme eine hohe Investition: Für ein Einfamilienhaus geeignete Mikro-BHKWs kosten mindestens rund 15000 Euro. Wichtig bei der Frage, ob sich das rechnet, sind der jährliche Strombedarf, die Vergütung bei Einspeisung ins öffentliche Netz sowie der Wärmebedarf auch im Sommer, zum Beispiel durch einen beheizten Pool. Je mehr Energie Sie benötigen, desto eher wird sich ein BHKW lohnen. Nicht ohne Grund baut man sie in größeren Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern ein. Oder betreibt sie gar zur Erzeugung von Fernwärme. Wobei größere BHKW natürlich noch teurer sind. Dennoch sollte man es sich durchrechnen lassen, denn neben Wärme auch Strom bedarfsgerecht vor Ort zu produzieren, ist durchaus umweltschonend und macht einen unabhängiger. Hersteller halten online geeignete Formulare bereit und vermittelt Sie an Techniker vor Ort.

Ein Verbrennungsmotor im BHKW treibt einen Generator an, der elektrische Energie erzeugt. Anfallende Wärme dient zum Heizen, überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Foto: Hersteller / Ecopower

Brennstoffzellenheizung

Auch diese Heizungssysteme erzeugen Wärme und Strom per Kraft-Wärme-Kopplung. Im Vergleich zum „normalen“ BHKW zu nochmals höheren Anschaffungskosten. So wird man gut 20000 Euro aufwärts einkalkulieren müssen – plus Montage. Dafür hat man ein sehr effizientes und umweltfreundliches Heizgerät und profitiert vom erzeugten Strom. Interessant ist die Funktionsweise, bei der nicht die übliche Verbrennung stattfindet. Stattdessen erfolgt eine elektrochemische Reaktion von Sauerstoff und Wasserstoff. Letzterer wird durch die Umwandlung von Erdgas erzeugt und dem Brennstoffzellenmodul zugeführt. Dort teilt ihn ein Katalysator auf der Anodenseite in positive Ionen und negative Elektronen. Letztere wandern von der Anode über einen elektrischen Leiter zur Kathode und produzieren dabei Strom. Zeitgleich gelangen positiv geladenene Ionen zur Kathode und reagieren dort mit Sauerstoff. Die dabei freigesetzte Wärme kann zur Raumbeheizung oder Trinkwassererwärmung genutzt werden. In dieser Wasserstofftechnologie steckt noch viel Zukunftspotenzial.

Eine Brennstoffzellenheizung erzeugt Wärme und Strom, ohne Motor allein durch eine elektrochemische Reaktion. Der Vitovalor PT2 von Viessmann besteht aus Brennstoffzellenheizgerät, Gas-Brennwertkessel und Warmwasserspeicher. Foto: Hersteller / Viessmann

Fernwärmeheizung

Mindestens 3000 Euro sind für einen Fernwärmeanschluss fällig, sofern er überhaupt möglich ist. Damit liegt man in etwa auf dem Niveau einer neuen Gasheizung, spart sich aber eine Abgasstrecke sowie Schornsteinfeger und Wartungskosten – und nicht zuletzt Platz für die Heizungsanlage. Entscheidend sind am Ende die Preise, die Ihr Versorger verlangt. Ist ein Fernwärmenetz vorhanden, sollte man sich also in jedem Fall vor Ort nach den Kosten erkundigen. Wie sich diese in Zukunft entwickeln, dürfte allerdings ähnlich unsicher sein wie die Brennstoffpreisentwicklung insgesamt. Grundsätzlich stellt Fernwärme aber eine ressourcenschonende Art der Energieerzeugung dar, vor allem, wenn man aus Heizkraftwerken Abwärme erhält, die Biomasse oder Müll verfeuern. Andererseits geht Wärme auf dem Weg vom Kraftwerk zum Haus verloren. Kurze Wege sind für diese Heizungssysteme also von Vorteil.

Die oberirdisch in Heizkraftwerken erzeugte Wärme oder in der Industrie anfallende Abwärme wird meist auf direktem Weg in ein wärmegedämmtes, erdverlegtes Rohrsystem geleitet, von wo es weiter zu den Haushalten gelangt. Hier ein Rohrnetz, das in Mannheim 60 Prozent der Haushalte mit Fernwärme versorgt. Foto: Hersteller / MVV

Quelle: selbst ist der Mann 12 / 2019

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