Topfscharnier

Erste Wahl, um Schranktüren am Korpus zu fixieren, sind sogenannte Topfscharniere (seltener auch Topfband genannt). Hier lernen Sie, was ein Topfscharnier ist, wie es funktioniert, welche Arten von Topfbändern es gibt und wie man sie montiert.

Inhalt
  1. Was ist ein Topfscharnier?
  2. Welche Topfscharniere gibt es?
  3. Topfscharnier einbauen
  4. Welche Scharniere für Schranktüren kaufen?

Es gibt wohl kaum einen Schrank oder Einbauküche, die ohne Topfscharniere auskommt. Aber auch bei vielen Systemmöbeln für Wohnräume oder Büros ist das von außen unsichtbare Möbelband der vorherrschende Beschlag für Drehtüren. Das Topfband hält alles zusammen – wir stellen das vielseitige Möbelscharnier vor und zeigen dessen Montage!

 

Was ist ein Topfscharnier?

Mittlerweile hat sich eine große Vielfalt an Topfscharnieren entwickelt. In ihrem Grundaufbau sind sie aber gleichgeblieben: Das Topfscharnier besteht aus dem sogenannten Topf (dem runden Bauteil, das in der Schranktür sitzt), dem Bandarm (das eigentliche Scharnier), welcher Tür und Korpus gelenkig miteinander verbindet und der Grundplatte (auch Kreuzplatte oder Montageplatte genannt), die an der Schrank-Innenseite festgeschraubt wird.

Wie funktioniert ein Topfscharnier?

Über das Scharnier im Bandarm lässt sich das Topfband ausschließlich in einer Raumachse bewegen. Dadurch ist die typische Schwenkbewegung der Schranktür (das eigentliche Auf- und Zuklappen) möglich, ohne dass das Türblatt in andere Richtungen ausweichen kann. Der Standard-Öffnungswinkel beträgt 95-110°; spezielle Weitwinkelscharniere, etwa für Fernsehschränke, lassen sich bis 165° öffnen. Von außen ist das Topfscharnier nicht sichtbar.

Topfscharnier Öffnungswinkel

Ein weiteres wichtiges Merkmal von Topfscharnieren ist die Verstellmöglichkeit: Nach dem Einbau können Sie die Schrauben noch einstellen, über schief hängende Schranktüren müssen Sie sich nicht mehr ärgern. Außerdem kann der Schließmechanismus an einer Feder von sanft bis kraftvoll eingestellt werden (Federkraftverstellung).

Warum ein Topfscharnier verwenden?

Das Topfscharnier erlaubt wie erwähnt nach der Montage noch die Ausrichtung der Tür in alle drei Raumachsen – was das Scharnier gegenüber anderen Möbelbeschlägen (wie z. B. dem Klavierband) deutlich vielseitiger und komfortabler macht.
Außerdem besitzt das Topfscharnier einige Vorteil gegenüber anderen Möbelbändern – zu den vielleicht entscheidendsten zählen:

  • Topfscharniere erlauben jederzeit die Justage der Tür in alle 3 Richtungen
  • Scharnier ist von außen nicht sichtbar
  • Universell zur Befestigung von Schranktüren geeignet
  • Verschiedene Anschlagarten verfügbar (Türen liegen auf dem Korpus auf oder zwischen den Schrankwänden)
 

Welche Topfscharniere gibt es?

Für Küchenmöbel, Wohn- und Schlafzimmerschränke werden standardmäßig 35-mm-Topfscharniere verwendet, für kleinere Möbel, etwa für Badschränke, 26-mm-Topfscharniere.

Möbelbänder & Beschläge
Welches Topfband für welche Holztür?

Topfscharnier ist nicht gleich Topfscharnier! Die unsichtbaren Drehbeschläge unterscheiden sich zum Beispiel darin, welche Topfgröße sie haben oder...

Die Industrie hat das Topfscharnier noch mit weiteren Zusatzfunktionen ausgestattet, die vor allem eine komfortablere Nutzung ermöglichen sollen: Weitwinkel-Scharniere erlauben das Öffnen der Türen bis zu 180° (z. B. bei Fernsehschränken), eine Feder im Scharnier hält das Türblatt in jedem gewünschten Öffnungswinkel fest und sorgt für ein sanftes, lautloses Schließen der Tür (Dämpfung).
Die für Heimwerker vielleicht bequemste Neuerung ist die beinahe werkzeuglose Montage des Topfscharniers: Nur noch die Trägerplatte muss am Schrankkorpus verschraubt werden – den Topf verpressen Sie mit dem Umklappen eines Clips in der Bohrung und der Bandarm wird einfach per Klick-Mechanismus auf der Kreuzplatte befestigt!

Welche Türscharnier-Arten gibt es?

Je nachdem wie die Tür zum Möbel-Korpus positioniert werden soll, benötigen Sie spezielle Scharniere. In der Galerie oben sind die verfügbaren Anschlagarten bei Topfscharnieren aufgelistet und einander gegenübergestellt:

  • Standard ist wohl der außen liegende Anschlag, auch vorliegender Anschlag oder Eckanschlag genannt, wie man ihn von Küchenoberschränken kennt. Bei geschlossener Tür sieht man weder den Korpus noch das Möbel Scharnier.
  • Bei Regalen, in denen nur einzelne Fächer über Klappen verfügen, kommt ein Türband mit Innenanschlag zur Anwendung.
  • Als einliegender Anschlag bezeichnet man eine Schranktür, die zwischen den Korpuswänden liegt, also quasi „innen im Regalfach“.
  • Der Mittelwandanschlag ist z. B. nötig, sollen an einem Wandschrank die Türen unbedingt gemeinsam am Mittelholm befestigt werden (z. B. aus Platzgründen oder der Zugänglichkeit wegen).
  • So ein Mittelwandanschlag erfordert ein Scharnier mit Kröpfung, damit die beiden Türblätter sich beim Öffnen nicht blockieren. Die Kröpfung am Topfband macht den Unterschied: Beim Öffnen schwenken die Schranktüren leicht von der Mittelwand weg und machen sich so gegenseitig Platz.
  • Eine geöffnete Drehtür kann mitunter ganz schön stören. Beträgt der Öffnungswinkel nur 95 Grad, steht die Tür beinahe rechtwinklig vom Korpus ab und ragt weit in den Raum hinein. Das kann z. B. bei einem Küchenschrank sehr hinderlich sein, bei einem Fernsehschrank würde eine solche Tür den Blick von der Seite versperren. Weitwinkelscharniere sind da die Lösung:
  • Der Standardöffnungswinkel bei Topfscharnieren beträgt 95 Grad. Das ist in der Praxis für viele Anwendungen zu wenig. Verbreitet sind bei Küchen daher z. B. 110°-Öffnungswinkel. Bereits ab 120° spricht man von Weitwinkel-Scharnieren. Sie sind vom Aufbau her wesentlich komplizierter – ähnlich wie Topfbänder für besonders dicke Türen.

Neben den unten beschriebenen Standard-Bändern gibt es viele Spezialscharniere: Alu-Rahmen-Scharniere, Null-Einsprung-Scharniere, Stollenscharniere, Federscharniere oder Glastürscharniere.

 

Topfscharnier einbauen

Bohrschablone für Topfscharnier

Damit die für die Montage von Topf und Montageplatte benötigten Bohrlöcher passgenau gesetzt werden können, lohnt die Investition in eine Topfscharnier-Schablone. Mit ihr lassen sich die erforderlichen Bohrungen für die Montageplatte auf der Korpus-Innenseite millimetergenau anzeichnen oder ankörnen. So ist garantiert, dass der Scharniereinbau nicht an unpassenden Bohrungen scheitert!

Zur Bauanleitung

Wie Sie ein Topfscharnier einbauen, erklären wir Schritt für Schritt in den links verlinkten Anleitungen – ob in einem selbst gebauten Schrank oder in einem Kaufmöbel.

Für Topfscharnier: Wie tief muss ich bohren?

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn die Bohrung für das Topfband soll ja nicht die Schranktür durchstoßen! Da die meisten Plattenmaterialien für den Möbelbau 16 mm stark sind, sollten Sie die Bohrung für den Topf maximal 13 mm tief ausführen. Praxistipp: Mit einem Tiefenstopp am Bohrständer verhindern Sie, mit dem Forstnerbohrer aus Versehen zu tief ins Material zu bohren und sich das Sackloch für den Scharniertopf auf der Oberfläche der Schranktür abzeichnet!

Praxistipp: Wenn sich das Türband nach Jahren der Nutzung verzogen hat, können Sie es, wie in dem Video gezeigt, jederzeit neu einstellen:

 
 

Welche Scharniere für Schranktüren kaufen?

Für die allermeisten Einsatzbereiche können Sie Standardbeschläge mit einem 35-mm-Topf, der in die Tür eingelassen wird, kaufen.
Die unsichtbaren Drehbeschläge werden für die genormte 32mm-Lochreihe verwendet, bei der der Abstand zwischen den Bohrungen 32 mm beträgt, von der Korpus-Vorderkante ist die Lochreihe um 37 mm nach innen gerückt.
Achten Sie beim Kauf auch unbedingt auf die benötigte Anschlagart („vorliegend“, „Mittelwand“ oder „innenliegend“). Vorsicht: Oberflächlich betrachtet sehen die drei Scharnier-Typen sehr ähnlich aus!
Praxistipp: Für filigrane Möbel gibt es auch kleine Scharniere im Mini-Format mit 26 mm Topf-Bohrdurchmesser.

Bei der Entscheidung für das richtige Scharnier spielt auch der persönliche Komfort-Anspruch eine Rolle: Neben der Anschlagart unterscheiden sich die Beschläge auch im Öffnungswinkel und in der Funktion. So gibt es Push-to-open-Beschläge für grifflose Türen oder Softclose-Scharniere mit integriertem Dämpfer wie zum Beispiel das Hettich sensys-Topfband oder mit Schließautomatik. Solche Funktionen lassen sich aber auch nachrüsten!

Sind Topfbänder genormt?

Eigentlich sind Topfscharniere mit 26, 35 und 40 mm Durchmesser erhältlich und auf die gängige System-32-Lochreihe ausgelegt. Mehrere DIN-Normen definieren die Anforderungen und Ausführungen von Bau- und Möbel-Beschlägen. Allerdings gibt es oft auch (etwa bei Import-Möbeln aus China – und auch bei IKEA-Küchenschränken) abweichende Größen von Topfbändern!

Möbelbänder & Beschläge
Möbelbänder, Scharniere & Beschläge

Möbelbänder, Scharniere & Beschläge verbinden Türen und Klappen mit dem Möbelkorpus

Was kostet ein Topfband?

Die Preisspanne für Topfscharniere ist je nach Hersteller, Ausstattung, Material (Edelstahl, Messing, verzinkt, vernickelt, rostfrei ...) und Abnahmemenge sehr verschieden: Das Hettich Topfscharnier Intermat 35 mm für vorliegende Türen kostet bei Hornbach knapp vier Euro. Bauhaus bietet das Stabilit 35-mm-Topfband (Eckanschlag mit 110° Öffnungswinkel) für gut das Doppelte an. Ein Preisvergleich für Topfscharniere lohnt sich also!

Denken Sie bei der Kalkulation der Kosten für die Möbelbänder auch an die benötigte Anzahl: Bei einer Tür für einen normalen Küchenschrank benötigen Sie zwei Topfscharniere pro Modul. Bei höheren Türen (= größeres Gewicht) Türen sollten jeweils drei Topfbänder in gleichen Abständen montiert werden (ab einer Höhe von mehr als 1600 mm dann besser vier Bänder).

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