Topinambur Topinambur-Knollen pflanzen und ernten

Topinambur ist als „neues“ Superfood aktuell in aller Munde. Dabei ist das Wurzelgemüse kein Exot, sondern seit Jahrhunderten in der europäischen Küche beheimatet und bald auch aus Ihrem Garten nicht mehr wegzudenken.

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Inhalt
  1. Was ist Topinambur?
  2. Woher stammt Topinambur?
  3. Wie schmeckt Topinambur?
  4. Warum ist Topinambur so gesund?
  5. Topinambur pflanzen

Topinambur – das klingt zunächst einmal nach einem sehr exotischen Gericht. Dabei ist die Pflanze, die zur gleichen Gattung wie die Sonnenblume gehört, bereits seit dem 17. Jahrhundert aus Deutschland nicht mehr wegzudenken. Erst als Mitte des 18. Jahrhunderts die Kartoffel an Beliebtheit gewann, verdrängte sie das Gemüse aus der Küche in ein Schattendasein als Viehfutter.

Dort wurde sie dann vor einiger Zeit wiederentdeckt und erlebt seitdem ein ungeahntes Comeback. Kein Wunder, schließlich steht Topinambur (Helianthus tuberosus) der Kartoffel in nichts nach und ist für Diabetiker sogar wesentlich verträglicher. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um Topinambur als trendiges Superfood und als Knolle in Ihrem Garten.

 

Was ist Topinambur?

Den Namen Topinambur hat in den letzten Jahren wohl jeder einmal gehört, doch was ist das überhaupt? Topinambur ist eine Nutzpflanze, die bis zu 3 Meter hoch wird und eng mit der Sonnenblume verwandt ist und von August bis September gelbe Blüten bildet, die entfernt an die ihrer sonnigen Artgenossin erinnern. Ihre essbaren Knollen hingegen ähneln eher der Kartoffel, sind in ihrer Form jedoch sehr variabel und ähneln daher gelegentlich eher den Ingwerknollen.

Gelbe Topinambur-Blüten
Topinambur-Blüten erinnern an kleine Sonnenblumen. Foto: iStock / aga7ta
 

Woher stammt Topinambur?

Topinambur ist eine Pflanze, die ursprünglich von den indigenen Völkern Nord- und Mittelamerikas in der vorkolumbianischen Zeit angebaut wurde. Anfang des 17. Jahrhunderts schickten französische Auswanderer sie von Nordamerika nach Paris, von wo aus sie sich in ganz Europa verbreitete. In Frankreich galt sie zeitweise sogar als echte Delikatesse, bis sie Mitte des 18. Jahrhunderts immer weiter von der Kartoffel verdrängt wurde.

Topinambur-Knollen in Händen gehalten
Foto: iStock / gorchittza2012

Die zwei Knollengemüse sind sich zwar sehr ähnlich, Kartoffeln lassen sich allerdings leichter lagern. Topinambur-Knollen haben eine dünnere Haut und ist daher nur wenige Wochen haltbar, bis sie verwelkt. Dies gab den entscheidenden Ausschlag, um die Knollen in die Futtermittelindustrie abzudrängen. Heutzutage wird das Gemüse weltweit angebaut. In Deutschland befindet sich das Hauptanbaugebiet der Topinambur in Baden, wo aus der gesunden Knolle ein gleichnamiger Schnaps gebraut wird.

Ihren Namen erhielten die Knollen durch Zufall. Als sie in Frankreich eintrafen, waren zur gleichen Zeit Vertreter des brasilianischen Volks der Tupinambá zu Besuch. Diese hatten zwar nichts mit der Knolle zu schaffen, da sie jedoch ebenfalls aus der damals noch mysteriösen „neuen Welt“ stammten, brachte man beides miteinander in Verbindung. Je nach Region ist sie auch als Erdartischocke, Jerusalem-Artischocke oder schlicht Erdapfel oder Erdbirne bekannt. Ihr lateinischer Name „Helianthus tuberosus“ bedeutet in etwa so viel wie „Sonnenblumen-Knolle“.

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Praxistipp: Topinambur ist sowohl maskulin als auch feminin. Der und die Topinambur sind daher beides korrekte Schreibweisen. Der Plural lautet Topinamburen.

 

Wie schmeckt Topinambur?

Die Topinambur-Knolle hat einen süßlichen Geschmack und ist von der Konsistenz her wässrig. Am ehesten erinnert sie an Süßkartoffeln. Sie kann roh in Salaten verspeist oder wie eine Kartoffel gekocht werden. Da sie jedoch süßer ist als eine gewöhnliche Kartoffel lässt sich aus dem Knollengemüse sogar ein leckerer Saft herstellen. Aufgrund ihrer Süße wird die Pflanze zudem zu Sirup verarbeitet und als alternatives Süßungsmittel verkauft.

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Sie haben die Knolle im Garten geerntet oder im Supermarkt entdeckt und wollen nun leckere Rezepte damit zaubern? Hier finden Sie die besten Rezepte mit Topinambur!

 

Warum ist Topinambur so gesund?

Topinambur ist dank des Ballaststoffs Inulin vor allem für Diabetiker eine wichtige Alternative zur Kartoffel, sie gilt aufgrund ihrer Eigenschaften jedoch auch allgemein als sehr gesund. Im Gegensatz zur Kartoffel enthalten die Knollen nämlich keine Stärke, sondern Inulin. Inulin ist ein Polysaccharid, und wirkt prebiotisch. Diese gelangen unverdaut in den Dickdarm. Das hat gleich mehrere Vorteile: Das enthaltene Inulin beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht, wirkt sättigend und dient den Darmbakterien im Dickdarm als Nahrung, was eine gesunde Darmflora fördert. Außerdem enthalten die Knollen viel Vitamin A, Vitamin B1, B3, Kalium und Biotin.

Praxistipp: Tasten Sie sich langsam an den Verzehr von Topinambur heran! Ist Ihre Verdauung nicht an den regelmäßigen Verzehr des Mehrfachzuckers Inulin oder ähnlichen prebiotischen Lebensmitteln gewöhnt, kann das schwere Blähungen und Durchfall verursachen. Beginnen Sie am besten mit maximal einer halben Knolle.

 

Topinambur pflanzen

Für so manches Trend-Food muss man erst einmal fünf verschiedene Feinkostläden aufsuchen, um fündig zu werden, Topinambur-Pflanzen lassen sich jedoch ganz einfach im eigenen Garten anbauen. Das Knollengemüse hat keine sonderlich großen Ansprüche und verträgt sogar Temperaturen bis weit unter dem Nullpunkt.

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Wann Topinambur pflanzen und ernten?

Pflanzen können Sie das Gemüse sowohl im Frühjahr von Ende Februar bis April als auch im Herbst von Oktober bis November. Die Knollen werden in die aufgelockerte Erde mit einem Pflanzabstand von 40 bis 60 cm und einer Pflanztiefe zwischen 5 bis 15 cm gesetzt. Unterschreiten Sie den Pflanzabstand nach Möglichkeit nicht, denn zu eng stehende Stängel begünstigen die Entstehung von Mehltau und Graufäule. Ernte ist bei den Knollen das ganze Jahr lang, Haupterntezeit ist jedoch hauptsächlich im Winter von Oktober bis in den April hinein. Erntereif ist die Knolle, wenn sich das Kraut braun färbt. Die Knollen sind bis -30 °C frostfest und können daher zur Überwinterung einfach im Boden bleiben. Im Gegensatz zu Kartoffeln, lassen sich Topinambur nur sehr kurz an einem kühlen, feuchten Ort lagern.

Frisch geerntete Topinambur-Knolle
Topinambur kann das ganze Jahr über geerntet werden. Foto: iStock / PhilDarby

Praxistipp: Topinambur wuchert sehr stark. Selbst kleinste Teile des Rhizoms können sich im Nu ausbreiten und sogar verwildern. Wollen Sie nicht, dass Ihr kompletter Garten zu einer Topinambur-Farm wird, bringen Sie unbedingt eine Rhizomsperre an, um das Gemüse von Anfang an in Zaum zu halten.

Topinambur: Welcher Standort und Boden?

Der Anbau der Knollen ist besonders einfach. Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen Standort in einem kalkhaltigen, leicht sandigen Boden. Gegossen werden muss die Pflanze lediglich in Trockenperioden oder in besonders sandigen Böden. Auch auf Dünger können sie bei dem anspruchslosen Gemüse verzichten. Gelegentlich ein wenig Kompost genügt.

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