Dach neu decken Mit diesem Material können Sie das Dach neu decken

Das Dach neu decken ist echte Profiarbeit und auch von daher nicht gerade billig. Damit es lange hält, sollte man deshalb das geeignete Material auswählen. Unser Überblick hilft dabei.

Das Dach kann dem Eigenheim einen ganz besonderen Charakter verleihen. Möchte man das Dach neu decken, ist die Materialauswahl deshalb von hoher Bedeutung, wobei die Funktionalität immer im Vordergrund stehen sollte. Zunächst ist nicht jede Dachart mit allen gängigen Materialien kompatibel. In erster Linie hängt die Auswahl von der Dachneigung ab. So benötigen die meisten Materialien eine Mindestneigung von rund 22 Grad, Faserzementplatten sogar 25 Grad. Metall dagegen kann schon ab etwa zwei Grad Neigung verbaut werden, weshalb es oftmals in Bergregionen auf den relativ flachen, schneesicheren Dächern zum Einsatz kommt.

 

Material zum Dach neu decken

Neben Betondachsteinen und Tondachziegeln stehen Metall, Faserzementplatten und Schiefer zur Wahl. Im Norddeutschen trifft man auch schon mal eine Reetdachdeckung an, für die aber eine recht steile Dachneigung von rund 45 Grad nötig ist und die hohe Kosten in Sachen Verlegung und Versicherung verlangt. Auch Schiefer kann ein Highlight sein dank der ansprechenden Verlegemuster, wobei eine normale Schuppendeckung gar nicht so teuer sein muss. Eine altdeutsche oder wilde Deckung geht dagegen schon ins Geld. Ziegel und Betonsteine sind deutlich preiswerter und bieten eine breite Farb- und Oberflächenvielfalt.

Vor allem glatte Betondachsteine lassen sich gut mit Photovoltaik-Indach-Systemen kombinieren. Foto: Hersteller / Braas

Käufer, die ihr Dach neu decken möchten, bevorzugen oftmals Ziegel mit glänzenden, glasierten Oberflächen. Gerade beim Farbton sollte man aber vorher gut überlegen, ob denn eine ganze Dachfläche im glänzenden Türkis oder Lila auf Dauer eine Augenweide darstellt. Mancher bevorzugt von vornherein den klassischen, matten Ziegelfarbton, so wie er in Südeuropa ganze Ortsbilder prägt. Dachsteine sind auch nicht allein im traditionellen Dunkelgrau erhältlich, hier gibt es ebenfalls zahlreiche Farbvarianten. Wobei stets gerne zu Betonsteinen mit einer Mikromörtelschicht gegriffen wird, die längere Sauberkeit garantiert. Die beiden beliebten Dachmaterialien sind zwar in Großformaten erhältlich, allerdings sind sie damit immer noch etwas kleinformatiger als moderne Faserzement- oder Metallplatten. Die großzügig dimensionierten Platten können den Arbeitsaufwand reduzieren und beim Eindecken einen guten Zeitunterschied ausmachen. Ein ebenfalls ausschlaggebendes Kriterium bei der Entscheidung kann die Langlebigkeit des Materials sein. Gerade Schiefer und Metall können eine besonders hohe Lebensdauer aufweisen, allerdings sind sie im Vergleich auch teurer in der Anschaffung (Preise siehe weiter unten).

Ziegel

Für alle, die ihr Dach neu decken möchten, ist der Dachziegel das klassische Standardprodukt und ein guter Allrounder. Seine Vorteile: Natürliches Material aus gebranntem Ton, große Farbvielfalt und viele Farbnuancen, sehr wasserfest durch Kopf und Seitenfalz. Der Nachteil liegt im relativ hohen Energieverbrauch bei der Produktion. Es gibt zahlreiche Formen und Formate. Der Biberschwanz ist ein geometrisch simpler Ziegel. Sein Fischschuppen-Muster prägt besonders die Dächer Süddeutschlands. Bei der typischen Kronendeckung benötigt man jedoch relativ viele Ziegel (zwei Lagen pro Lattung, ca. 40 Ziegel/qm).

Das tiefe Krüppelwalmdach ist mit klassischen Ziegeln ausgestattet. Sie unterstreichen den Stil des Hauses. Foto: Hersteller / Laumans

Der Hohlfalzziegel verbessert entscheidend die Regendichtigkeit der traditionellen Hohlpfanne. Seiten- und Kopffalze leiten eindringenden Regen zurück auf den nächsten Ziegel. Die Mulde führt das Wasser zur Traufe ab. Der Krempziegel ist eine Kombination aus der historischen Mönch-und-Nonnen-Deckung (lose ineinander gestülpte halbrunde Ziegel) und einem Falzziegel. Er gibt dem Dach eine charakteristische vertikale Struktur. Der Glattziegel ist flächig und modern und für Neigungen bis unter 30 Grad geeignet. Doppelmuldenfalzziegel zeichnen sich wiederum durch ihre stark strukturierte Oberfläche aus. Die Dachfläche wirkt dadurch sehr bewegt, ohne eine Richtung zu betonen. Wie viele Ziegel ist er mit ca. 15 Ziegeln/qm sehr wirtschaftlich.

Für geschwungene Flächen wie hier eignet sich gut ein Hohlfalzziegel mit seinen Kopf- und hochliegenden Längsfalzen. Foto: Hersteller / Nelskamp

Betonstein

Der Betondachstein ist die energiebewusste und leichtere Alternative zum klassischen Tondachziegeln. Seine Vorteile: Günstiges Deckmaterial, vielseitig einsetzbar, auch größere Formate erhältlich (verlegefreundlich), gute Ökobilanz, maßhaltig. Nachteil: Zum Teil anfällig für Vermoosung. Auch hier gibt es zahlreiche Formen: Die Doppel-S-Pfanne erzeugt asymmetrische horizontale Wellen, die der Dachfläche durch reizvolle Licht- und Schatteneffekte optische Tiefe verleihen. Die Frankfurter Pfanne trat 1954 den Siegeszug als gängigster Betonstein auf deutschen Dächern an. Ihre Wulste zeichnen dort vertikale Linien. Eine Design-Beton-Pfanne wie der Tegalit von Braas ist dagegen wie der Glattziegel flächig und modern.

Schiefer

Oftmals an historischen Gebäuden oder Fachwerkhäusern zu entdecken, da es sich bei Schiefer um ein altes, traditionelles Deckmaterial in vielen Regionen Deutschlands handelt. Vorteile: Natürlicher Baustoff, besonders langlebige Dacheindeckung (circa 100 Jahre), problemlose Entsorgung. Nachteile: Nur wenige Fachbetriebe bieten Schieferdeckung an und das Material sowie die Eindeckung sind relativ teuer, vor allem bei komplizierten Eindeckvarianten.

Das Schieferdach erlebt eine Renaissance. Besonders beliebt: Altes mit Neuem kombinieren so wie hier. Foto: Hersteller / Rathscheck

Faserzement

Früher eine Billigeindeckung, heute oft bei modernen Bauten zu sehen: Faserzementplatten. Vorteile: Dünne Aufbauten möglich, industriell gefertigter, maßhaltiger Kunststein, große Farb- und Formatvielfalt. Nachteil: Das Recycling und die Entsorgung sind zum Teil schwieriger, da Kunststoffe enthalten sind.

Metall

Geeignet für sehr flache bis normale Standard-Satteldächer, auch deshalb oft im Alpenraum anzutreffen. Vorteile einer Metalleindeckung: Sehr langlebig, hohe Farb- und Materialvielfalt, nahezu wartungsfrei. Nachteile: Metalle sollte man nicht mischen (Kontaktkorrosion!), was bei Anbauteilen berücksichtigt werden muss. Außerdem ist Metall anfällig für Schwitzwasser

Für flache Dächer eignen sich metallische Deckungen gut, denn sie benötigen nur eine Mindestdachneigung von zwei Grad. Foto: Hersteller / Prefa
 

Dach neu decken: Kosten

Um sich beim Dach neu decken im gesetzten, preislichen Rahmen zu bewegen, könnte man statt den etwas teureren Deckmaterialien wie Schiefer, Metall oder zum Teil auch Ziegel eine günstigere Alternative wie den Betonstein wählen. Die Gesamtsumme bei einer Dachfläche von 72 qm könnte damit schnell zwischen 3600 Euro (Dachsteine für 30 Euro/qm) und 8600 Euro (Metall für 120 Euro/qm) variieren. Die durchschnittlichen Materialkosten liegen bei Ziegeln zwischen etwa 20 bis 50 Euro/qm, Betondachsteine sind ab ca. 10 Euro/qm erhältlich, Schiefer liegt bei rund 45 bis 100 Euro/qm, Faserzement zwischen 30 und 60 Euro/qm und Metall bei etwa 40 bis 180 Euro/qm. Wobei eben nicht nur die Materialpreise untereinander noch sehr schwanken können, sondern am Ende die jeweilige Arbeitsleistung einen großen Faktor ausmachen kann – abhängig von der zu deckenden Fläche. Ein normales Satteldach ohne Gauben oder Anbauten ist schneller gedeckt als ein Krüppelwalmdach mit Fledermausgauben, diversen Türmchen, Vordächern und Anbauten. Der Arbeitslohn muss deshalb individuell ermittelt werden.

Quelle: selbst ist der Mann 8 / 2019

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