Feuchte Wände

feuchte Wände sanieren
Inhalt
  1. Feuchte Wände: Ursachen
  2. Mechanische Horizontal-Abdichtung
  3. Physikalische & chemische Horizontal-Abdichtung
  4. Vertikale Abdichtung

Feuchte Wände sind eine lästige Angelegenheit: Wasser sucht sich immer seinen Weg – immer den leichtesten, nie den direkten! Die Ursache für den feuchten Fleck an der Wand kann weit entfernt liegen. Sie zu finden ist aber unerlässlich, wollen Sie die feuchte Wand trocknen.

Wie in der Medizin wird bei der Mauertrockenlegung oft nur an Symptomen herumkuriert, die wirkliche Ursache aber nicht beseitigt. So kann es nicht darum gehen, feuchtes Mauerwerk abdichten zu wollen und somit die Feuchtigkeit zu konservieren. Vielmehr muss eine genaue Schadensanalyse erfolgen und – wie es das Wort Mauertrockenlegung verspricht – das feuchte Mauerwerk so gut wie möglich ausgetrocknet werden. Erst dann sollte man die Kellerabdichtung erneuern.

 
 

Feuchte Wände: Ursachen

Feuchte Wände

Eine Schadensanalyse kann man jedoch kaum selbst durchführen. Sie sollte einem Fachmann überlassen werden – am besten einem unabhängigen Gutachter, beispielsweise vom TÜV. Inwiefern bei den Arbeiten Eigenleistung möglich ist, muss mit dem Gutachter oder einem beauftragten Fachbetrieb abgesprochen werden. Bei der Schadensanalyse muss ermittelt werden, welchen Salz- und Feuchtegehalt (hygroskopische Gleichgewichtsfeuchte und Sättigungsfeuchte) das Mauerwerk aufweist und woher das Wasser und Salz kommen.

Ist später die Ursache gefunden, die Leckage abgedichtet, hilft in Innenräumen ein klassischer Luftentfeuchter dabei, das Raumklima trocken zu halten. Salze entziehen der Raumluft überschüssige Feuchtigkeit. Diese Methode eignet sich nicht zur eigentlichen Mauerentfeuchtung, sondern nur dazu, die Raumluftfeuchte auf einem gesunden Niveau zu halten, zum Beispiel in feuchten Wetterphasen oder nach einer Renovierung, wenn Putz- und/oder Farbschichten noch viel Feuchtigkeit an die Raumluft abgeben.

Anhand der Schadensanalyse kann der Fachmann sagen, was getan werden muss. Meist ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen und Verfahren notwendig – ein Allheilmittel verspricht nur die Werbung einzelner Hersteller. Welche Abdichtungsmöglichkeiten für durchfeuchtetes Mauerwerk bestehen, erfahren Sie hier.

Keller
 

Kellerabdichtung

Zum Abdichten des Kellers gegen Erdfeuchte kommt ein altbewährter Baustoff ins Spiel: Ton

 

Mechanische Horizontal-Abdichtung

Chromstahlblech-Verfahren

Ist eine durchgehende Lagerfuge im Mauerwerk vorhanden, kann dieses Verfahren zum Einsatz kommen. Dabei wird mit einer speziellen Vorrichtung ein Chromstahlblech mit Druck in die Lagerfuge gepresst. Man spricht deshalb auch vom Rammverfahren. Da hierbei der Mörtel in den Fugen nach oben und unten verdrängt wird, verwendet man Bleche, die keilförnig zulaufen, sich also in Richtung Wand verjüngen.

Mauersägeverfahren

Hierbei bringt man mit einer elektrischen Kreis-, Schwert-, Seilzug- oder Kettensäge einen horizontalen Schnitt ins Mauerwerk ein, den man verkeilt. Dann wird eine wasserundurchlässige Dichtungsbahn eingelegt, zum Beispiel eine dicke Folie oder Bitumenbahn. Man kann aber auch von beiden Wandseiten jeweils schräg nach unten verlaufende Schnitte vornehmen und Abdichtschlämme einbringen.

Maueraustauschverfahren

Der Name ist Programm: Alle feuchten Mauersteine werden abschnittsweise herausgenommen und durch neue ersetzt. Hier trifft die Bezeichnung Mauertrockenlegung also wirklich zu. Die Abschnitte sollten nicht breiter als
etwa 100 cm ausfallen und natürlich entsprechend abgesichert werden. Bevor man neue Steine einsetzt, legt man in der Regel eine flexible Trennbahn aus Kunststofffolie oder Bitumen auf.

 

Physikalische & chemische Horizontal-Abdichtung

Drucklose Injektion

Dabei werden Bohrungen in die Wand eingebracht und mit Abdichtungsmittel verfüllt, das sich in der Wand verteilt. Dies kann mit einer Gießkanne erfolgen. Hierbei sieht man aber nicht, wie schnell das Mittel abfließt. Besser: Man schließt ein Vorratsgefäß am Bohrloch an und füllt immer entsprechend nach.

Druckinjektion

Auch hierbei wird ein Abdichtungsmittel durch Bohrlöcher in die Wand eingebracht. Da dies aber mit einer speziellen Maschine unter hohem Druck erfolgt, werden auch Porenräume mit dem Abdichtungsmittel verfüllt, die ansonsten nicht zugänglich wären. Die Wirkungsweise ist besser, kann so aber nicht mit jedem Mittel erfolgen.

Chemische Horizontalabdichtungen bestehen aus Alkalisilikaten, Alkalimethylsiliconaten, organischen Harzen oder Paraffin. Letzteres bedarf im Vorfeld der Mauerwerksaufheizung. Die Wirkung der Abdichtungsmittel hängt von der Anzahl der Poren und Hohlräume im Mauerwerk sowie vom Injektionsverfahren ab.

Elektrophysikalische Mauertrocknung

Darunter versteht man Verfahren, bei denen die Feuchtigkeit mittels elektrischer Spannung aus dem Mauerwerk gelenkt werden soll. Hierfür schließt man Elektroden an, wobei die Kathode im Bereich des Grundmauerwerks angelegt ist und das Wasser anziehen soll. Bei der aktiven Elektroosmose werden Spannungen zwischen 5 und 20 Volt angelegt. Bei Elektrolyseverfahren betragen die Spannungen bis zu 60 Volt.
Allerdings muss die Spannung dauerhaft anliegen, damit das Wasser vom Mauerwerk ferngehalten wird. Schalten Sie den Strom ab, fällt das Kraftfeld zusammen, und das Wasser fließt wieder zurück.

Elektrophysikalische Verfahren sind umstritten, obwohl die Anbieter zum Teil durch regelmäßige Feuchtigkeitsmessungen die Austrocknung des Mauerwerks belegen können. Es gibt aber auch Negativbeispiele. Eine Vorhersage, ob es im jeweiligen Fall funktioniert, ist praktisch unmöglich.

Keller
 

Kellerinnenabdichtung

Kellerabdichtung von innen: So geht es, wenn Sie nicht an die Außenwand herankommen

 

Vertikale Abdichtung

Außen

Im Gegensatz zur Horizontalabdichtung verhindert man hierbei nicht die aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk, sondern schützt die Wand vor drückendem Wasser aus dem Erdreich. Zunächst legt man die Außenwand bis zur Gebäudesohle frei. Dann erneuert man ggf. die Drainage, beseitigt schadhafte Abdichtungen und alten Putz und bringt neue Kunststoff-Abdichtungsbahnen oder eine Bitumendickbeschichtung auf. Zusätzlich schützen Noppenbahnen und Filtervliese die Abdichtung von Beschädigungen beim Verfüllen der Baugrube.

Innen

Eine schadhafte Kellerwand sollte auch von innen ausgebessert werden. Oft kommen dabei wasserdichte Sperrputze und Dichtungsschlämmen zum Einsatz. Dies sollte aber nur auf trockengelegtem Mauerwerk erfolgen, da Feuchtigkeit sonst kaum mehr entweichen kann. Bei noch feuchtem Mauerwerk sollten geeignete Sanierputze zum Einsatz kommen.

Gesund wohnen
 

Schimmel an der Wand

chwarze Flecken hinterm Schrank signalisieren: Hier hat sich Schimmel an der Wand festgesetzt

Leider ist der Begriff Sanierputz nicht geschützt, sodass auch gipshaltige Reparaturmörtel als Sanierputz deklariert sind. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei falscher Verarbeitung der erforderliche Luftporengehalt nicht eingehalten wird. Der Sanierputz erhält dann eine zu hohe Druckfestigkeit und kaschiert nur das Feuchteproblem – Salze können unter Umständen nicht auskristallisieren.

Bei der Vertikalabdichtung sollte man versuchen, die freigelegte Wand in jedem Fall eine Zeitlang an der Luft trocknen zu lassen, bevor man die Abdichtung erneuert. Im Hausinneren kann ein preiswerter Luftkalkmörtel aufgebracht werden. Feuchtigkeit und Salze können dann ungehindert entweichen bzw. ausblühen. Unter Umständen muss man den Putz nach einiger Zeit entfernen und erneuern (Opferputz). Die Bausubstanz wird es Ihnen aber danken.

Fotos: sidm / Archiv

Quelle: selbst ist der Mann

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