Klinker-Fassaden

Klinker: Harte Schale für Ihr Haus

Mauerziegel gehören zu den beliebtesten Wandbaustoffen, denn sie sind verhältnismäßig preiswert, fast überall lieferbar, und sie weisen gute bauphysikalische Eigenschaften auf. Auch der Klinker hat mehr als nur optische Vorzüge. Wir nehmen beide Ziegel unter die Lupe und erklären, warum Klinker-Fassaden beliebt und wertstabil sind. Das Sollten Sie über Fassaden aus Klinker wissen ...

Klinkerfassade
Foto: Hersteller
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Geschichte der Backstein-Fassade

Ein Quader aus gebrannter Erde: Bereits vor 4000 Jahren war der gute alte Backstein - oder Ziegel - was er noch heute ist. Er diente als Baustoff für den sagenhaften Turmbau zu Babel und er ragt in Form von imposanten Kirchen der Backsteingotik des 12. Jahrhunderts gen Himmel. Mit außergewöhnlichen Eigenheim-Entwürfen verhelfen ihm Architekten derzeit zu neuer Blüte. Und in tausenden ganz normalen Neubauten verschwindet er einfach hinterm Putz.

So liebt man es im Norden: Krüppelwalmdach mit edlem Reet gedeckt, Sprossenfenster, Schlagläden und die rote Backsteinfassade.


Foto: Initiative Zweischalige Wand
 
Oft finden sich Ziegel nur im Hintermauerwerk - die Fassade ist schlicht verputzt.


Foto: Unipor
 
Wer sagt, dass rote Backsteine nur für traditionellen Baustil stehen? Es geht auch sehr modern


Foto: Initiative Zweischalige Wand
 
Ein weiteres Beispiel für moderne Vormauerarchitektur


Foto: Initiative Zweischalige Wand

Herstellung des Klinkersteins

Es spricht für die inneren Werte des Ziegels, dass er Schritt halten konnte mit den gestiegenen Anforderungen ans Baumaterial. Noch immer werden Ton und Lehm mit Wasser geschmeidig gemacht, zu Rohlingen gepresst, getrocknet und gebrannt. Aber neben dem klassischen Backstein, den es übrigens als Vollziegel bzw. Klinker immer noch gibt, stehen nun Hightech-Produkte, die den strengen Vorgaben der neuen Energie-Einsparverordnung (EnEV) an den Wärmeschutz gerecht werden.

Trotz des hohen Energieaufwandes während des Brennvorgangs bei Temperaturen von um die 1000 Grad Celsius gilt der Ziegel als ökologischer Baustoff, der durch Langlebigkeit sowie Recyclingfähigkeit den Energieeinsatz relativiert. Das Material kann nach dem Hausabbruch als Schüttung für Wegebefestigungen oder fein gemahlen als Belag auf Gartenwegen und Sportplätzen verwendet werden.

Vormauerwerk,
,Für ein Vormauerwerk, auch Verblendmauerwerk, werden Vormauerziegel eingesetzt. Sie sind frostbeständig und kleinformatig, in der Regel messen sie 24 x 11,5 x 5,2 Zentimeter. Ihre Oberfläche ist eher rau und offenporig. Klinker sind spezielle Vormauerziegel, die schärfer gebrannt werden und dadurch eine glasierte Oberfläche erhalten.

H

intermauerwerk,
,Hintermauerziegel sind nicht frostbeständig, weshalb man sie geschützt hinter einem Vormauerwerk verwendet oder verputzt. Vollziegel: kleinformatig, dank hoher Rohdichte gute Schalldämmung und beste Trageigenschaften. Lochziegel: unterschieden werden Hochloch- oder Langlochziegel. Anordnung der Hohlräume als Quadrat-, Rechteck-, Rund-, Oval-, Waben-, Gitter- und Schlitzlochung. Porosierte Hochlochziegel: umgangssprachlich auch Leichtziegel genannt, hat hohen Lochanteil und viele Poren durch Einmischung von Sägemehl oder Styroporkügelchen, die während des Ziegelbrandes verbrennen; geringes Gewicht und erhöhte Wärmedämmung. Planziegel: hohe Maßgenauigkeit, beidseitig plan geschliffene Lagerfläche.

Eigenschaften einer Fassade aus Klinker

Viele Bauherren fällen die Entscheidung für den Ziegel rein emotional. Die massive Bauweise vermittelt Sicherheit und Geborgenheit, zudem hat sich der Baustoff seit Jahrtausenden in der Praxis bewährt. Die für die Herstellung verwendeten Naturmaterialien sind schadstofffrei und baubiologisch unbedenklich. Eine Schutzbehandlung gegen Schädlingsbefall oder Schimmel ist nicht nötig, was besonders Allergiker aufatmen lässt. Der Abbau der heimischen Rohstoffe erfolgt oberflächennah, meist in der Nähe der Ziegelwerke. Die Transportwege sind somit zum Werk wie auch zur Baustelle nie besonders weit. Nach dem Abbau lassen sich die Gruben übrigens für eine anschließende landwirtschaftliche Nutzung rekultivieren.

Am Ziegel schätzen Bauherren und Architekten die Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Beanspruchung sowie seine Resistenz gegen chemische Einflüsse und Umweltbelastungen. Außerdem kann er mit einer hohen Stabilität punkten; beim Massivbau wird die Last des Hauses von den Decken und den tragenden Außenwänden auf den Baugrund übertragen. Ziegel schwinden nicht und sind dieser Belastung wie auch Wärme- und Kälteeinwirkungen gewachsen. Kein Problem auch in Sachen Brandschutz: Als "gebrannte Kinder" können sie kein Feuer mehr fangen. Die hohe Rohdichte des Ziegels sorgt darüber hinaus für guten Schutz vor Schall und Elektrosmog.

Klinkersteine

Im Inneren des Hauses wirken sich Ziegel positiv auf das Raumklima aus, denn sie können Feuchtigkeit aufnehmen und schnell wieder abgeben; Voraussetzung ist natürlich eine diffusionsoffene Oberfläche, also mineralischer Putz oder Tapete auf Papierbasis beziehungsweise eine entsprechende Farbe, z. B. Dispersionsfarbe.

Positiv zu vermerken ist auch die gute Wärmedämmung, eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und die geringe Abkühlungsgeschwindigkeit von Ziegelmauerwerk. Auf die wachsenden und durchaus unterschiedlichen Anforderungen an Wärmedämmwert, Schallschutz und Verarbeitungsgeschwindigkeit haben die Ziegelhersteller mit einer inzwischen sehr breiten Produktpalette reagiert. Beispielsweise mit Vollziegeln, die einen guten Schallschutz und eine hohe Wärmespeicherfähigkeit sowie die beste statische Festigkeit aufweisen oder mit porosierten Hochlochziegeln, die mit ihrer geringeren Rohdichte höhere Dämmwerte erreichen. Je nach Verwendungszweck muss zwischen Wandstärke, Rohdichte und Schallschutz abgewogen und entschieden werden.

Als universell einsetzbarer Baustoff findet sich der Ziegel am Dach in Geschossdecken und in den Wänden bis hinunter zum Keller. Hier muss er allerdings mit einer bituminösen Abdichtung sorgfältig gegen Feuchtigkeit von außen geschützt werden. Natürlich ist es sinnvoll, bei einem Ziegelhaus auch die Innenwände aus dem gleichen Material zu errichten. Zum einen wird so der Rohbau homogen, zum anderen vermeidet man das Entstehen von Dehnungsrissen. Im Haus genügt ein einschaliger Wandaufbau mit 11,5 Zentimetern Stärke bei nichttragenden und 24 Zentimetern bei tragenden Innenwänden. Für Außenwände gibt es dagegen eine Menge unterschiedlicher Wandaufbauten.

Regelquerschnitt Klinker-Fassade

Da ist die zweischalige Klinkerfassade als Traditions-Mauerwerk im Norden Deutschlands. Bei so einem Verblend- oder Vormauerwerk wird der sichtbare Mauerwerksverband zum Gestaltungsmittel. Architekten schätzen auch heute die klassischen Rot- und Brauntöne, sie lassen sich angesichts des riesigen Farbangebots und unterschiedlichster Oberflächen geradezu zu optischen Experimenten herausfordern. Bautechnisch wichtiger als die Optik ist die Funktion des Vormauerwerks als Feuchte-, Witterungs- und Schallschutz sowie als Verstärker der Wärmedämmung. Die Lastaufnahme des Hauses dagegen erfolgt durch das so genannte Hintermauerwerk. Früher wurde die Wärmedämmwirkung der beiden Schalen lediglich durch die dazwischen liegende Luftschicht verbessert. Heute ergänzt man die Luftschicht meist durch eine Dämmung direkt auf dem Hintermauerwerk, oder eine so genannte Kerndämmung ersetzt die Luftschicht zwischen den beiden Schalen gänzlich.

WANDAUFBAUTEN
Einschalig mit Dämmputz
Beidseitig geputztes Mauerwerk, außen mit 5 cm Dämmputz, aus 36,5 cm Poroton-Plansteinen mit der Wärmeleitzahl 0,16 und Dünnbettmörtel: U=0,34 W/m2 K. Bei Wandstärke 30 cm: U = 0,39 W/m2 K


Zeichnung: Röben Tonbaustoffe
 
Zweischalig mit Luftschicht
Zweischaliges Mauerwerk aus 30 cm Poroton-Plansteinen mit der Wärmeleitzahl 0,14, Dünnbettmörtel und 6 cm Luftschicht: U = 0,41 W/m2 K


Zeichnung: Röben Tonbaustoffe
 
Zweischalig mit Luftschicht und Dämmung
Zweischaliges Mauerwerk aus 17,5 cm Poroton-Plansteinen mit der Wärmeleitzahl 0,18, 10 cm Kerndämmung und Verblender: U = 0,27 W/m2


Zeichnung: Röben Tonbaustoffe

Der zweischalige Wandaufbau zeigt sich häufig auch als Materialmix. Statt Ziegel bilden beispielsweise schwere, schallschluckende Kalksandsteine das Hintermauerwerk. Sogar im Fertigbau kommt die Verklinkerung zum Einsatz, als Verblendmauerwerk vor einer gedämmten Holzständerwand. In Süddeutschland hat sich vornehmlich die einschalige Bauweise etabliert. Der Ziegel versteckt sich hier quasi hinter dem Putz, der für Winddichtigkeit und Schutz vor eindringender Feuchtigkeit sorgt. Eine solche, sogenannte monolithische Wand ist in ihrer ganzen Dicke tragfähig. Wählt man eine Wandstärke von 36,5 Zentimetern und verwendet Wärmedämmziegel, lassen sich die Anforderungen der EnEV ohne zusätzliche Wärmedämmung erfüllen. In Verbindung mit einem Wärmedämmputz lassen sich noch bessere Dämmwerte erreichen. Falls Außenwände mit 24 Zentimeter dicken Normsteinen errichtet werden, muss man sie zusätzlich dämmen. Die Regel ist ein Wärmedämmverbundsystem aus unterschiedlichen Materialien, z. B. Hartschaum oder Mineralwolle. Dadurch verliert der Ziegel allerdings seine Recyclingfähigkeit, da die Materialien nicht mehr getrennt werden können, und außerdem wirkt die Zusatzdämmung als Dampfsperre.

Zur Verkürzung der Bauzeiten werden heute zunehmend auch großformatige Plansteine für ein rationelleres Mauern verwendet. Vorgefertigte Formsteine und Formteile ergänzen das Ziegelangebot und machen komplizierte und zeitraubende Detailarbeiten am Bau überflüssig. Relativ neu sind Schalungsziegel, die rasch aufgetürmt und anschließend beispielsweise mit Beton verfüllt werden. Die Ziegelindustrie zeigt sich in der Entwicklung neuer Produkte recht innovativ und einzelne Hersteller warten bereits mit Ziegelfertigwänden auf. Diese Elementwände werden - wie bisher nur im Holzleichtbau üblich - witterungsunabhängig auf großen "Tischen" in der Werkshalle vorgefertigt, per Tieflader zur Baustelle gefahren und vor Ort dann mittels Autokran aufgebaut. Wer möchte, kann zu seinem Ziegel-Fertighaus auch gleich den Ziegel-Gewölbekeller bekommen; ebenfalls im Werk vorgefertigt und binnen Stunden als echter High-Tech-Traditionskeller mit Naturboden für Wein und Kartoffeln aufgebaut.

Schaut man diese Fassade genau an, ist keine Gleichmäßigkeit zu erkennen - der Maurer hat seiner Kreativität freien Lauf gelassen und einen so genannten Wilden Verband angelegt. Bei modernen Häusern wie hier versteckt sich übrigens meist eine Dämmung hinter dem Vormauerwerk.

Foto: Initiative Zweischalige Wand
 
Klinker halten ohne weiteres 100 Jahre und mehr. Das Problem sind meist die Fugen. Lässt man den Fugenmörtel erneuern und die Klinker säubern, strahlt eine alte Fassade wieder im neuen Licht.

Foto: Initiative Zweischalige Wand

Mauerverbände für Klinkersteine

Je nach Anordnung der Ziegel ergeben sich verschiedene Mauerbilder, abgebildet sind der Läufer-, Block- und Kreuzverband sowie der Gotische, der Märkische und der Wilde Verband. Und das alles lässt sich in unterschiedlichen Stein- und Fugenfarben ausführen.

MAUERVERBÄNDE
Je nach Anordnung der Ziegel ergeben sich verschiedene Mauerbilder, abgebildet sind der Läufer-, Block- und Kreuzverband sowie der Gotische, der Märkische und der Wilde Verband. Und das alles lässt sich in unterschiedlichen Stein- und Fugenfarben ausführen.
 
  
 
Läuferverband Blockverband Kreuzverband
 
  
 
Gotischer Verband Märkischer Verband Wilder Verband
 

Praxitipp: Der richtige Mörtel für Klinkersteine

Ziegel werden in aller Regel mit Mörtel verbaut. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Zuschlag (Maurersand), Bindemittel und Wasser. Dickbettmörtel erzeugt eine breite Fuge, verbunden mit der Gefahr der Wärmebrückenbildung und sollte heute eigentlich nur noch bei Vormauerwerk eingesetzt werden - in vielen Rohbauten sieht man aber noch immer die dicken Mörtelschichten in den Lagerfugen. Beim Hintermauerwerk benutzt man besser Leichtmörtel, der über wesentlich bessere Dämmeigenschaften verfügt beziehungsweise Dünnbettmörtel, der die Fuge auf einen Millimeter reduziert. Hierfür benötigt man aber maßgenau gefertigte Plansteine bzw. Planziegel.


Auf der Infoseite des Bundesverbandes der Deutschen Zielgelindustrie präsentieren sich alle Arbeitsgemeinschaften rund um den Ziegel, vom Mauer- bis zum Dachziegel:
Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie e.V.
Schaumburg-Lippe-Str. 4, 53113 Bonn,
Tel.: 0228/91493-0, Fax: 0228/91493-28,
Internet: www.ziegel.de

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