Putz

Verputzte Wände sorgen für glatte oder strukturierte Wandoberflächen, eine attraktive Optik und ein angehnehmes Raumklima. Zwischen welchen Putzen kann man wählen?

Innenwände umgeben uns überall, doch machen wir uns selten klar, welche vielfältigen Aufgaben der Wandputz darauf zu erfüllen hat: Putz glättet Mauerwerk und dient so als Untergrund für Tapeten, Fliesen oder Dekorputze. Außerdem ist das Material ein wichtiger Teil des gesamten Wandaufbaus, der das Wohnklima mitbestimmt. Denn Putz hat im Innenraum auch die Aufgabe, Luftfeuchtigkeit aufzunehmen, wenn diese kurzfristig ansteigt wie beim Kochen oder im Schlafzimmer während der Nacht. Geht die Luftfeuchtigkeit zurück, gibt der Putz diese Feuchtigkeit wieder ab.

Woraus besteht eigentlich Putz?

Stark vereinfachend ist Putz mit einer Farbe vergleichbar, die besonders viele Feststoffe wie Sand oder feinen Marmorkies enthält. Diese Zuschlagstoffe entsprechen im Prinzip den Pigmenten der Farbe, nur dass hier die Sande nicht der Färbung dienen, sondern die Eigenschaften des Putzes bestimmen. Wie Farben lassen sich auch Putze am einfachsten nach den verwendeten Bindemitteln unterscheiden. Mineralische Putze enthalten neben dem Hauptinhaltsstoff Sand, wie der Name schon sagt, mineralische Bindemittel, etwa Kalk, Kalk/Zement- Gemische, Lehm oder Gips. Jeder dieser Stoffe hat in Verbindung mit den Zuschlagstoffen spezielle Eigenschaften. Sie variieren je nach den Mischungsverhältnissen und der Zugabe weiterer Stoffe, die der leichteren Verarbeitung oder der Erhöhung der Festigkeit dienen. Zunächst unterscheidet man Unter- und Oberputz. Der Unterputz bildet die tragende Schicht, der dünne Oberputz dient der Gestaltung der Oberlfächen. Jeder Putz darf erst nach Erstarrung der vorhergehenden Lage aufgebracht werden, damit keine Risse entstehen.

Mediterrane Wände liegen Trend. Hier verwendet: Capadecor-Putz, in 17 verschiedenen Dessins erhältlich.


Foto: Knauf
Nach dem Aufziehen mit der Glättkelle lässt sich die Rollputz-Oberfläche (Royal Fertigputz) mit verschiedenen Werkzeugen unterschiedlich strukturieren.


Foto: Knauf
Eine Strukturrolle erzeugt ein Noppenmuster.


Foto: Knauf
Hier wird die Wand mit dem Kunststoffspachtel gestaltet.


Foto: Knauf



Gipsputz verwendet man häufig in Neubauten, da er sich maschinell verarbeiten lässt und das Material sehr schnell aushärtet. Die Feuchtigkeitsaufnahme hängt stark von den zugeschlagenen Materialien ab. Gipsputz sollte nicht an spritzwassergefährdeten Stellen eingesetzt werden, Gips ist geruchsneutral und schadstofffrei.

Die Verarbeitung von Kalkputz dauert etwas länger, dafür ist die Oberfläche widerstandsfähiger. Wichtig: Pilze gedeihen schlecht auf Kalkputz, da er sehr alkalisch (hoher pH-Wert) ist. Daher eignet sich dieser Putz auch sehr gut für Feuchträume. Kalk-Gipsputze vereinen die positiven Eigenschaften der beiden Bindemittel.

Auch Kalkzementputz enthält als Zuschlagstoff Sand, als Bindemittel werden Kalk und Zement zugesetzt. Kalkzementputz eignet sich gut als Untergrund für Fliesenbeläge. Nach dem Trocknen ist der Putz sehr fest, spröde und wirkt nur wenig feuchtigkeitsregulierend.

Die bisher beschriebenen Mörtelarten können als Unter- und Oberputz verwendet werden. Gleiches gilt für Lehmputz, welcher derzeit eine Renaissance erlebt. Denn dieser diffusionsoffene Putz reguliert das Raumklima. Als Unterputz verwendet man groben Lehmputzmörtel, ein Gemisch aus Ton- oder Baulehm plus Sand als Zuschlagstoff. Für ein besonders stabiles und abriebfestes Putzgefüge sorgen die unterschiedlichen Korngrößen. Grobmörtel wird maschinell oder manuell in einer Stärke von 15 bis 40 mm aufgebracht. Die dünnere, dekorative Oberfläche besteht aus 2 bis 5 mm Lehmfeinputz, mit natürlichen Zuschlägen auf pflanzlicher Basis, die die Verarbeitungseigenschaften und die Oberflächenqualität verbessern. Alternativ kann man auch Farbputzmörtel verwenden, die es in großer Vielfalt gibt. Diese bestehen aus farbigen Lehm- und Tonerden, mit feinen Pigmenten gemischt.

Materialmix: Fliesen und farblich abgestimmter mineralischer Dekorputz.


Foto: Knauf
Dekorputze lassen sich gut strukturieren und mittels einer Lasur farbig gestalten.


Foto: Dulux
Wohnlich: Mit der Bürste strukturierter Putz gilt als Klassiker. Lehmspachtelputz Capriccio


Foto: Lesando
Lehmedelputze von Casa Natura können glatt oder rau verarbeitet werden. Dadurch wirken sie mal rustikal, mal elegant.


Foto: Casanatura
5 Wieder entdeckt: Naturkalk als ideale Wandbeschichtung, von Haga.


Foto: Haga
Auf ausgehärteten Lehmputzoberflächen lassen sich leicht erhabene Bordüren einfach herstellen, Lehmspachtelputz Capriccio


Foto: Lesando

Dekorputze gestalten die Oberflächen der Wände. Sie werden nach entsprechender Grundierung auf planebenen Untergründen wie Grundputz, Gipsplatten oder ebenen Betonflächen aufgezogen. Man verwendet entweder mineralische Edelputze, die mit Wasser angerührt werden müssen, oder gebrauchsfertige Fertigputze, die in Eimern als pastöse Masse angeboten werden. Bei den Dekorputzen ist neben der Kornstärke vor allem die Art und Weise der Verarbeitung für die Struktur der Oberfläche verantwortlich. Mit Kelle, Spachtel, Pinsel, Bürste oder Strukturwalze gibt man den Wänden ein individuelles Gesicht. Trägt man nach dem Trocknen des Putzes eine Farblasur auf, lassen sich besonders schöne Effekte erzielen. Im Trend sind hier farbige, mediterrane Wand-Oberflächen.


Eine gute Putzoberfläche braucht viel Erfahrung, beispielweise die eines Stukkateurs oder Malermeisters. Allerdings bieten viele Hersteller inzwischen auch Heimwerker- Produkte an, die sich mit Geschick und etwas Übung leicht verarbeiten lassen.

Feiner Metallglanz an der Wand: Eine Dekorbeschichtung mit Metallic-Effekt (StoColor Metallic) lässt den Putz schimmern.


Foto: Sto
Durch Zusatz von natürlichen Erdfarbpigmenten erzielt man mit Kalkfarbe, Kalkstreichputz bzw. Kalkfeinputz schöne Farbgestaltungen.


Foto: Haga
Wisch-Struktur-Putz plus einer Lasur ergeben diesen mediterranen Charakter an der Wand. Aus der Serie CreaLine.


Foto: Schöner Wohnen Farbe
EXPERTENTIPP
Malermeister Armin Döpfner, Leiter Forschung und Entwicklung Lesando GmbH

Kann eine Wand eigenlicht atmen?
Nein. Gemeint ist damit die Feuchtigkeitsauf- und -abnahme einer Wandbeschichtung. Mit einem gesunden Raumklima ist - neben "sauberer Luft" - die so genannte Raumluftfeuchte gemeint. Diese sollte zwischen 40 und 60% liegen. "Trockene Luft" (weniger als 40% Raumluftfeuchte) reizt die Hautoberfläche und die Schleimhäute. Ebenso sind mehr als 70% Raumluftfeuchte zu vermeiden. Zu feuchte Luft fördert die Schimmelbildung in den Räumen und wird als unangenehm empfunden. So wirken sich grundsätzlich alle Wandbeschichtungen auf das Raumklima aus: Diffusionsoffene, also "durchlässige" Farben und Innenputze wirken positiv, weil dahinter liegende Wandschichten Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Das wird oft als "atmen" bezeichnet. Lehmputze oder Kalkfarben sind beispielsweise extrem diffusionsoffen. Sie stehen im Gegensatz zu so genannten. "filmbildenden" Oberflächen wie Dispersionsfarbe oder ähnlichem. Der Baustoff Lehm bietet aber außerdem den Vorteil, selbst sehr viel Feuchtigkeit aufzunehmen (bis zu neunmal mehr als etwa Gips). Lehmputz wirkt dadurch wie ein Klimapuffer an der Wand, der Feuchte aufnimmt und sie bei Bedarf wieder abgibt. Dabei entscheidet nicht die Dicke der Lehmschicht, sondern die Größe der mit Lehm beschichteten Wandoberfläche. Bereits dünnschichtige Lehm-Dekorputze (ab 1 mm) sorgen dafür, dass z. B. Badezimmer- Spiegel nach dem Duschen nicht mehr beschlagen. (Weitere Informationen im Internet: www.lesando.de)
INNENPUTZE IM ÜBERBLICK

UNTER- UND OBERPUTZE

Gipsputz: Einlagiger Unterputz für Wände und Decken. Diffusionsoffen, feuerhemmend, wärmedämmend. Nicht für Feuchträume geeignet.

Kalkputz: Diffusionsoffen, ähnlich gute Wasseraufnahmefähigkeit wie Gipsputze, feuchtigkeitsregulierend. Durch den hohen pH-Wert schützt Kalkputz vor Schimmel-, Algen und Pilzbefall.

Kalk-Gipsputz: Feuchtigkeitsregulierend, neutralisierend, desinfizierend und feuerhemmend. Um die positiven Eigenschaften zu bewahren, Oberfläche nicht mit dichten Tapeten oder Dispersionsfarben schließen.

Kalk-Zementputz: Fertig gemischter Trockenmörtel mit Kalk und Zement als Bindemittel und Sand als Zuschlag. Geeignet für Feuchträume; durch Kalkbeigabe lässt sich der Putz leichter verarbeiten.

Lehmputz: Kann auf allen bauüblichen Untergründen eingesetzt werden, wirkt sich positiv auf das Raumklima aus, diffusionsoffen, gute feuchtigkeitsregulierende Wirkung.

DEKORPUTZE

Mineralischer Edelputz: Dünnschichtiger Dekorputz zum Auftragen auf mineralische Unterputze. Je nach beigemischter Kornart und -größe lassen sich verschiedene, auch farbige Oberflächenstrukturen wie z. B. Kratz-, Scheiben- oder Rauputz erzeugen.

Silikatputz: Ist ein Dekorputz mit mineralischem Charakter zum Auftragen auf ungestrichenen, mineralischen Unterputz, Gipskarton- und Gipsfaserplatten oder Beton. Je nach beigemischter Kornart lassen sich die verschiedenen Oberflächenstrukturen wie z. B. Kratz- und Reibeputz herstellen.

Kunststoffdispersionsputz: Verarbeitungsfertige pastöse Dispersionsputze werden im Allgemeinen nicht als Mörtel bezeichnet. Außerdem finden Dispersionsputze, im Unterschied zu mineralischen Putzen, nur als Dekorputze (Oberputze) Verwendung.

Quelle: selbst ist der Mann

Copyright 2017 selbst.de. All rights reserved.