Trittschalldämmung

Guter Schallschutz dank Trittschalldämmung
Inhalt
  1. Trittschall-Geräusche reduzieren
  2. Dämmmatten senken Raumschall
  3. Fehlende Trittschalldämmung kann zum Streitfall werden
  4. Wie schwimmender Estrich die Trittschalldämmung verbessert

Beschweren sich die Nachbarn von unten und schallen die Schritte auch laut im eigenen Raum, fehlt ein wirksamer Schallschutz, meist einfach eine gute Trittschalldämmung. Lesen Sie, wie ein Boden aufgebaut sein muss, damit Ruhe herrscht und was Sie nachträglich tun können, um die Trittschalldämmung in der Wohnung zu verbessern.

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Laute Laufgeräusche lassen sich durch einen Trittschall dämpfenden Bodenaufbau reduzieren. Zum Aufbau zählen aus Schallschutz-Sicht die Deckenkonstruktion, der Estrich und der Bodenbelag. An der Deckenkonstruktion kann man nichts ändern: Entweder hat man eine Holzbalken- oder eine Massivdecke, überwiegend aus Stahlbeton, mittlerweile aber auch aus Ziegel- oder Porenbetonelementen. Massivdecken haben den Vorteil, dass sie allein durch ihr hohes Gewicht die Übertragung von Luftschall eindämmen. Holzbalkendecken dagegen übertragen in hohem Maße auch den Luftschall. Soweit es die Statik zulässt, kann man hier durch zusätzliches Gewicht gegensteuern.

Das können Betonplatten sein, die man zwischen einer Dämm- und Spanplattenschicht einbindet. Erlaubt die Statik keine derartige Beschwerung, sorgt auch eine etwas leichtere mineralische Trockenschüttung für mehr Ruhe. Häufig ist man sogar gezwungen, eine Schüttung einzubauen, denn alte Holzbalkendecken sind meist uneben und müssen ausgeglichen werden. Auf die Schüttung folgt dann z. B. Trockenestrich, den man im Gegensatz zu Nassestrich leicht selbst einbringen kann.

 

Trittschall-Geräusche reduzieren

Oft geht es jedoch weniger um Luftschallübertragungen, sondern vielmehr um lästige Trittschall-Geräusche. Und hier haben beide Deckenkonstruktionen gleichermaßen Probleme. Deshalb ist es sowohl bei Holzbalken- als auch bei Massivdecken wichtig, einen federnden Untergrund zu haben, der keinen Kontakt zu vertikalen Bauteilen aufweist. Der Estrich sollte also schwimmend eingebracht werden. Nass- und Trockenestrich müssen demnach durch eine Schüttung und/oder Dämmschicht von der Rohdecke getrennt sein. Des Weiteren sorgen Randdämmstreifen aus Mineralwolle oder Hartschaum dafür, dass der Estrich keinen direkten Kontakt zu den Wänden hat. Man sollte auch darauf achten, durch den Estrich gehende Rohre zu entkoppeln. Dies kann ebenfalls durch eine mit Dämmstoff ausgefüllte kleine Fuge erfolgen. In jedem Fall sollten die Dämmstreifen durchgängig von der Rohdecke bis zur Estrichoberkante verlaufen.

Auf den Estrich folgt ein Bodenbelag, der auch Trittschall- und Raumschallgeräusche beeinflusst. Stört der Trittschall vor allem Bewohner ein Stockwerk tiefer, geht einem der in den Raum reflektierte Schall selbst auf die Nerven. Im Gegensatz zum Estrich liegt das Heil aber nicht unbedingt in einer schwimmenden Verlegung. Denn hat man einen schwimmend eingebrachten Estrich, kann man den Bodenbelag gut fest darauf verkleben. Bei Massivparkett ist das sowieso zwingend notwendig, aber auch Laminat und Fertigparkett kann mit dem Untergrund verklebt werden. In diesem Fall darf allerdings keine Trittschallmatte aufkaschiert sein.

Verlegt man derlei Hartbeläge schwimmend, sorgt eine Trittschallmatte – separat oder aufkaschiert – für guten Schallschutz. Das Trittschallverbesserungsmaß der einzelnen Systeme unterscheidet sich dabei nur wenig, es kommt vor allem auf die Materialstärke an. Holzböden mit einer 2 mm starken, aufkaschierten Dämmmatte kommen z. B. auf ein Trittschallverbesserungsmaß von rund 18 dB, wohingegen man mit einer separaten 5-mm-Polystyrolplatte schon 22 dB erzielt.

 

Dämmmatten senken Raumschall

Der Vorteil aufkaschierter Dämmmatten liegt eher im Raumschall, da das Laufgeräusch durch die feste Verbindung von Dämmung und Bodenbelag besser gedämpft werden kann. Abgesehen davon kostet es Zeit und Nerven, wenn man eine separate Trittschallmatte verlegen muss. Besonders, wenn vorher eine Dampfbremsfolie ausgelegt wird, weil der Estrich Restfeuchte enthält oder ein unbeheiztes Geschoss darunter liegt. Denn Folie und Schallschutzmatte können leicht verrutschen und auch reißen. Praktisch sind daher Kombiprodukte, die Schall- und Feuchteschutz gleichermaßen bieten, oder eben Elemente mit integrierter Schallschutzmatte, unter denen man nur eine Dampfbremse verlegen muss.

Parkett, Laminat und Fliesen haben auf Grund ihrer Härte von vorneherein ein Schallproblem. Mehrschichtige Kunststoffbeläge oder Teppichböden bieten dagegen von Natur aus guten Schallschutz. Selbst bei dünnen Teppichen beträgt das Trittschallverbesserungsmaß ca. 20 dB, handelsübliche Qualitätsware liegt zwischen 25-30 dB, besonders dichte Teppiche können bis zu 40 dB erreichen. Auch Kork schluckt viel Schall, ob als Fertigparkett oder massive Platte.

 

Fehlende Trittschalldämmung kann zum Streitfall werden

Trittschall sorgt immer wieder für Streit in Mehrfamilienhäusern, denn statt Teppichboden wird heute gerne Parkett oder Laminat verlegt. Die Bewohner der darunterliegenden Wohnungen sind davon meist wenig begeistert, weil sie nun von oben jeden Schritt hören. Denn die gesamte Deckenkonstruktion bestehender Häuser ist oft nicht so schallschluckend ausgelegt wie dies bei Neubauten üblich ist.

Beispiel: Die Eigentümer einer Wohnung in einem Hochhaus aus den siebziger Jahren hatten ihren Teppichboden gegen Parkett ausgetauscht. Die Eigentümer der Wohnung darunter beschwerten sich nun über gestiegene Trittschallbelastung. Sie verklagten die Nachbarn auf einen Rücktausch des Bodenbelages. Das Amtsgericht gab ihnen in erster Instanz sogar Recht: Es müsse wieder Teppichboden verlegt werden, um die Nachbarn nicht zu stören.

Das Urteil: Nach Angaben der D.A.S. Rechtsschutzversicherung entschied der Bundesgerichtshof anders und wies die Klage ab. § 14 des Wohnungseigentumsgesetzes verpflichte die Eigentümer zur gegenseitigen Rücksichtnahme. Sie würden durch den zusätzlichen Trittschall hier aber nicht über das unvermeidliche Maß hinaus benachteiligt. Maßgeblich für den Schallschutz seien die Grenzwerte, die bei Erbauung des Hauses gegolten hätten. Diese würden trotz Parkettboden eingehalten.

Nur die Gemeinschaftsordnung könne ein höheres Schallschutzniveau festlegen – in dieser sei aber nichts dazu geregelt. Es sei nicht entscheidend, welcher Bodenbelag bei der Errichtung des Gebäudes vorgesehen gewesen oder in den siebziger Jahren in den Verkaufsprospekten angepriesen worden sei. Denn die Geschmäcker bei der Wohnungsgestaltung würden sich im Laufe der Zeit nun mal ändern. Die Eigentümer der oberen Wohnung durften damit ihr Parkett behalten; BGH-Urteil vom 27. 02. 2015, Az. V ZR 73/14.

 

Wie schwimmender Estrich die Trittschalldämmung verbessert

Trittschalldämmung
Ruhe im Haus! Lästige Trittschallgeräusche müssen nicht sein. Hier ein beispielhafter Deckenaufbau, der für Ruhe sorgt. © Hersteller

Sie haben Trittschall schon mal als lästig empfunden und sind demnächst mit Estricharbeiten beschäftigt? Ihre Chance, es besser zu machen! Von Knauf Insulation gibt es einen mehrschichtigen Systemaufbau unter Nassestrich, der sehr hohen Trittschallschutz bietet. Dabei kommt auf die Betondecke zunächst die Steinwolle-Dämmplatte TP in mindestens 30 mm Stärke. Um 35 Dezibel verbesseren die Schalldämpfer von Knauf den Trittschallwert gegenüber der Rohdecke.

Darauf folgen Holzwolle- Dämmplatten Heraklith M in einer Mindeststärke von 25 mm. Für schalltechnische Entkopplung sorgen Steinwolle-Randdämmstreifen an den Wänden und eine Trennlage auf der Dämmschicht. Jetzt kommt der Estrich. Mindestens 40 mm Zement- oder Calciumsulfatestrich sind dann noch nötig, um das Trittschallverbesserungsmaß von 35 Dezibel zu erzielen. Knauf spricht von Schallschutzanforderungen für anspruchsvolle Wohngebäude, Sporthallen und Hotels. Jetzt ist die Frage, wie viele Menschen sich auf Ihrer Decke sportlich betätigen – oftmals reichen schon zwei Kinder, die Laufen lernen, Bobbycar fahren und einige Jahre später in aller Seelenruhe Bass Drum spielen. Mit diesem Deckenaufbau dürfte das kein Problem sein! Infos: www.knaufinsulation.de.

Quelle: selbst ist der Mann

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