Vorsicht Kostenfalle Was beim Handwerker-Notdienst zu beachten ist

Zwischen Weihnachten und Neujahr steht die Zeit gefühlt still. Und wie soll es anders sein, geht gerade an den Feiertagen gerne etwas schief: Was, wenn beispielsweise die Heizung ausfällt und der Vermieter oder die Hausverwaltung nicht erreichbar sind?

Handwerker-Notdienst
Foto: Hersteller / Foto-Allianz
Inhalt
  1. Heizung kaputt, Klo verstopft, Rohr geplatzt: Was ist ein Notfall?
  2. Doppelt geprüft hält besser: Damit der Noteinsatz nicht zur Kostenfalle wird
  3. Alles wieder unter Kontrolle: Wer muss zahlen?

Dürfen Mieter im Alleingang den Handwerker-Notdienst rufen? Und wer übernimmt die Rechnung? Der Experte Ferdinand Seulen, Geschäftsführer des Online-Portals blauarbeit.de, beantwortet hier die wichtigsten Fragen zur rechtlichen Lage bei Notfällen zwischen den Jahren. Mit diesen Tipps im Gepäck, bleiben Mieter auch bei einem Handwerker-Notfall am Fest der Liebe Herr der Lage.

 

Heizung kaputt, Klo verstopft, Rohr geplatzt: Was ist ein Notfall?

Da durch einen Notdienst in der Regel hohe Ausgaben entstehen, kommt es bei der Kostenübernahme immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Mietern und Vermietern. Grundsätzlich gilt jedoch: Der Vermieter muss bei Mängeln benachrichtigt werden. Ist dieser – am besten in der Gegenwart von Zeugen – nicht erreichbar, muss abgewogen werden, ob eine Notreparatur tatsächlich erforderlich ist. Ein Notfall mit Eilbedürftigkeit liegt immer dann vor, wenn schnelles Handeln entscheidend ist: Das heißt, wenn der Schaden sich massiv vergrößern kann oder Gefahr für Leib und Leben besteht, z.B. durch einen Wasserrohrbruch oder eine verstopfte Toilette, aus der Fäkalien austreten. Auch wenn kaltes Wasser und eine defekte Heizung zunächst als unzumutbar erscheinen, handelt es sich in beiden Fällen um keinen Notfall. In diesem Fall muss der Vermieter zwar benachrichtigt werden, jedoch steht ihm eine Frist zu, in der er den Schaden beheben kann. In dieser Zeit darf er verlangen, dass die Bewohner Wasser zum Duschen auf dem Herd erhitzen und die Wohnung durch Radiatoren beheizen.

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Doppelt geprüft hält besser: Damit der Noteinsatz nicht zur Kostenfalle wird

Da Notdienste außerhalb der gewohnten Arbeitszeiten, also in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen im Einsatz sind, kosten sie entsprechend mehr. Eine Berechnung von Zuschlägen ist also üblich. Diese schlagen oftmals mit zusätzlichen 50 bis 100% zu Buche und sind legitim. Die Rechtsprechung hat jedoch mehrfach entschieden, dass Werkverträge, bei denen ein Handwerker für einen Notdienst das Dreifache des ortsüblichen Entgelts verlangt, wegen Wuchers nichtig ist. Es gibt noch weitere Dinge, auf die Mieter achten sollten: Der Zuschlag darf sich nur auf die Lohnkosten beziehen und nicht auf den gesamten Rechnungsbetrag. Die Experten von blauarbeit.de empfehlen, den Handwerker nach geleisteter Arbeit keinesfalls in bar zu bezahlen, sondern immer auf eine Rechnung zu bestehen. Diese kann im Nachhinein noch in Ruhe geprüft werden. Praxistipp: Übrigens darf der Notdienst keine zusätzlichen Bearbeitungs- oder Buchungsgebühren verlangen, wenn nicht sofort gezahlt werden kann. Auch die von dem Handwerker vorgelegte Preisliste sollten Mieter nicht unterschreiben, da die dort dargestellten Preise ansonsten von dem Auftraggeber als bindend angesehen werden. Weiter lohnt sich ein prüfender Blick auf die Rechnung: Wurde bei einem verstopften Rohr beispielsweise ein Stundensatz und zusätzlich auch die Anzahl an gereinigten Metern Rohr berechnet? Das ist nicht zulässig, denn der Handwerker darf nur einen Faktor in Rechnung stellen. Auch bei den Gerätschaften kann es zu Unstimmigkeiten kommen: Werden auf der Rechnung Werkzeuge mit aufgeführt, die gar nicht im Einsatz waren? Dann haben diese auch nichts in der Kostenauflistung verloren. Sollte es bei dem Einsatz um eine reine Erstversorgung gehen, sollte der Notdienst lediglich mit einem Kundendiensttechniker antreten, da zwei Mitarbeiter die Kosten unnötig erhöhen.

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Alles wieder unter Kontrolle: Wer muss zahlen?

Die Kosten werden dem Auftraggeber des Handwerkers in Rechnung gestellt. Wenn dies der Mieter war, muss auch dieser die Handwerkerrechnung zahlen. Kosten für besagte Notfallarbeiten müssen dann später von dem Vermieter ersetzt werden. Dies kann durch Rückzahlung an den Mieter oder per Verrechnung über die Miete erfolgen. Wichtig ist: Der Vermieter ist nur dazu verpflichtet, tatsächlich notwendige Arbeiten zu zahlen. Mieter sollten also unbedingt darauf achten, dass keine überflüssigen Arbeiten durchgeführt werden, da sie ansonsten auf den zusätzlichen Kosten sitzen bleiben. Wer zwischen den Tagen gerne auf Nummer sicher geht, kann sich vorher bei seinem Vermieter informieren, welche Handwerkerdienste im Notfall kontaktiert werden sollen und welche Maßnahmen man selbst umsetzen kann. Es könnte sein, dass bei den Wartungsverträgen, die der Vermieter abgeschlossen hat, ein Notdienst Bestandteil der Vereinbarung ist. Zusätzlich ist es immer gut zu wissen, wo und wie bspw. die Hauptwasserzufuhr abgesperrt wird. Wo ist der Sicherungskasten und welche Sicherungen sind für welchen Raum? Mit diesen Tricks sind Mieter für den Ernstfall gerüstet und können die schönste Zeit des Jahres entspannt genießen.

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Quelle: blauarbeit.de

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