Baumwachs Baumwachs: Wann es mehr schadet als nützt

Nach dem Baumschnitt folgt die Baumpflege und dazu gehört für viele Hobbygärtner nach wie vor Baumwachs. Nachdem man dem armen Baum schon so viele Äste gestutzt hat, will man ihm schließlich etwas Gutes tun. Doch gute Absichten gepaart mit falschem Wissen haben schon so manchen Baum zugrunde gerichtet!

Schneiden wir uns in den Finger, kleben wir ein Pflaster darauf, damit Keime und Dreck nicht in die Wunde gelangen und das Infektionsrisiko so gering wie möglich gehalten wird. Was liegt da näher, als das Prinzip auch auf andere Lebewesen zu übertragen? Aus diesem Grund wurde das Baumwachs erfunden: Es soll die klaffende Wunde am Baum verschließen und das Eindringen von Keimen verhindern.

Soweit die Laienlogik, an der es nur ein Problem gibt: Ein Baum ist nun mal kein Mensch! Das erkannte der „Vater der modernen Baumpflege“ Alex Shigo bereits in den 80er Jahren. 15.000 Bäume zerlegte der Forstwissenschaftler mit einer Kettensäge, um mehr über deren Biologie zu erfahren. Das Ergebnis: Bäume heilen komplett anders als Menschen.

 

Baumwachs: Darum schadet es mehr, als es nützt!

Bäume können Verletzungen nicht heilen, wie menschliche Haut es tut. Sie sind nicht in der Lage, beschädigte Zellen neu zu bilden. Ein Baum ummantelt seine Wunde stattdessen mit einer Kallusschicht. Diese dient jedoch nicht dazu, den Baum an dieser Stelle „wiederherzustellen“. Sie schließt die Wunde und grenzt sie vom gesunden Teil des Baums ab. Die abgestorbenen Teile können so langsam zersetzt werden, während an gleicher Stelle ein neuer Ast wachsen kann.

Baumwachs

Hat man diesen Unterschied erst einmal verstanden, wird deutlich, warum Wundverschlussmittel dem Baum nicht in jedem Fall helfen. Das Wachs umschließt die Schnittstelle wie eine zweite Haut. Eine Ummantelung der Wunde durch den Baum ist daher nicht mehr möglich und der natürliche Wundheilungsprozess wird verhindert. Ein künstlicher Verschluss durch Baumwachs behindert den Baum jedoch nicht nur, er kann ihn auch krank machen. Während die Kallusschicht den Baum effektiv vor Keimen schützt, kann Baumwachs mit der Zeit brüchig werden, sodass Keime und Feuchtigkeit eindringen können. Zudem sind zahlreiche Organismen bereits im Baum vorhanden. Baumwachs bildet für diese ein geschütztes Mikroklima, in dem sie prächtig gedeihen können – ohne dass der Baum sich dagegen wehren kann.

Viel effektiver als das Auftragen von Baumwachs ist die Beachtung des richtigen Schnitts und des richtigen Schnittzeitpunkts. Wie Sie Ihren Baum richtig schneiden, haben wir in folgendem Artikel zusammengefasst, den richtigen Zeitpunkt zum Schneiden von Bäumen finden Sie auch in unserem Gartenkalender.

Gartenpflege
Baumschnitt: Baum schneiden

Die Natur kennt keinen Baumschnitt – dennoch ist es sinnvoll, den Baum zu beschneiden

 

Nur in diesen zwei Fällen ist Baumwachs sinnvoll

Baumwachs kaufen:

Baumwachs ist zwar nicht das Allheilmittel für alle Verletzungen des Baums, wie es so häufig dargestellt wird. Das heißt jedoch nicht, dass entsprechende Produkte nicht auch ihre Berechtigung haben. In einigen Fällen können sie dem Baum durchaus bei der Heilung unterstützend zur Seite stehen und ihn vor Krankheit schützen:

  1. Baumschnitt im Winter: Zahlreiche Baumschnitte können hauptsächlich im Winter vorgenommen werden. In dieser Zeit ist der Baum jedoch nicht aktiv und kann sich nicht selber heilen. In diesem Fall sollten Sie die Kambiumschicht (den äußersten Baumring, direkt unter der Rinde) mit Baumwachs einreiben. So trocknet dieser nicht aus, bis im Frühjahr das Wachstum wieder einsetzt.
  2. Aufgeplatzte Rinde: Ähnlich verhält es sich bei einer aufgeplatzten Rinde. Liegt der Baum frei, droht er auszutrocknen. Baumwachs verhindert dies, bis die Rinde die offene Stelle wieder bedeckt hat.

Fotos: sidm / TH

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