Artenvielfalt erhalten So findet die Biene Maja eine Wohnung in der Stadt

Bienenweide
© Luise / pixelio.de
Inhalt
  1. Bienenwieden blühen auch in der kalten Jahreszeit
  2. Auf diese Pflanzenarten fliegen Bienen – Pollen und Nektar satt
  3. Artenvielfalt bedroht: Bienen finden kein Zuhause mehr

Klimawandel, intensive Landwirtschaft, Einsatz von Umweltgiften: Um die Folgen des Bienensterbens abzumildern, achten immer mehr Hobbygärtner auf die Bienenfreundlichkeit. Bei der Landschaftsgestaltung von Neubauvorhaben wird das Thema bisher allerdings kaum beachtet. Bei einem Bauvorhaben in München hat nun der Bauherr, der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF), gezielt einen blühenden Lebensraum für Biene Maja und Co. geschaffen – und damit eine mustergültige Freiraumplanung realisiert, die Mensch und Bienen erfreut! Landschaftsarchitektin Swantje Nowak erklärt, was es braucht, um Bienen in der eigenen Nachbarschaft ein Zuhause zu bieten.

 

Bienenwieden blühen auch in der kalten Jahreszeit

„Das allerwichtigste ist, dass über einen möglichst langen Zeitraum immer etwas blüht. Das Schöne ist, was den Bienen gefällt, erfreut auch die Menschen“, sagt Nowak. Was viele nicht wissen: Das ist selbst im Herbst und Winter möglich und wichtig. Nowak: „Während der kalten Monate ist das Angebot naturgemäß nicht so groß wie im Sommer, da sich die Bienen in ihre Wintertraube zurückziehen. Aber wir haben selbst bereits ab Januar drei blühende Gewächse geplant, weil sie an warmen Wintertagen oberhalb von zwölf Grad durchaus die Bienentraube verlassen – wozu auch der Klimawandel beiträgt.“ Dem Bepflanzungsplan zufolge blühen im Januar Christrosen, Winterlinge und Krokusse. Im Februar kommen Haselnuss, Frühlingsknotenblumen, Schneeglöckchen und Schneeheiden hinzu. „Die Winterblüte ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie verhindern kann, dass die Bienen infolge des frühen Ausflugs schon vor der Brut erschöpft sind oder gar sterben“, erklärt Nowak.

Gartenpflege Bienenweide
 

Bienentrachtpflanzen

Bienentrachtpflanzen stehen bevorzugt auf der Speisekarte von Bienen, da sie viel Pollen und Nektar enthalten

 

Auf diese Pflanzenarten fliegen Bienen – Pollen und Nektar satt

„Heimische Bienen brauchen heimische Pflanzen wie Duftveilchen, Windröschen, Besenginster oder Dost, aber auch Kräuter wie Salbei, Thymian oder Majoran. Wichtig sind zudem heimische Bäume, Sträucher und Stauden, die Nektar und Pollen bieten“, erklärt Nowak. Im Münchner Westen wachsen deshalb unter anderem Haselnuss- und Walnussbäume, aber ebenso Schlehen, Schwarzer Holunder und Stauden-Lupinen. Gefüllte Blumensorten wie Geranien, gezüchtete Dahlien oder Garten-Chrysanthemen sind zwar dekorativ, bieten aber keine oder nur wenig Pollen. Nowak: „Es geht aber nicht nur um die Bienen. Sowohl Insekten als auch Vögel sind auf Blütenvielfalt angewiesen. Vögel fressen ebenfalls an den Samen und nicht zuletzt die Insekten, die aufgrund der Pflanzenvielfalt vorhanden sind. Wenn die Insekten fehlen, haben die Vögel zu wenig Nahrung. Bienen sind deswegen Botschafter nachhaltigen Handelns“, erklärt Nowak.

Gartenpflege Bienenfreundliche Pflanzen
 

Bienenfreundliche Pflanzen

Pflanzen Sie bienenfreundliche Pflanzen, bringen Sie Leben in Ihren Garten

Dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds bedeutet die Nachhaltigkeit im doppelten Sinne viel: „Das Angebot für Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber nimmt im städtischen Raum zwar zu, ist aber gerade in vielen Neubaugebieten nicht ausreichend. Uns ist es beim aktuellen Neubauvorhaben „Lipperheidestraße“ mit 192 Wohnungen im Münchner Westen ein Anliegen, dass Bewohner und Bienen gleichermaßen profitieren und das Bewusstsein weiter geschärft wird”, erklärt Alfred Herrmann, Leiter des Bereichs Immobilien beim WAF. „Wo Bienen sind, gibt es ein gesundes Ökosystem. Mit dem Projekt wollen wir vor allem Familien ansprechen. Durch die Landschaftsgestaltung werden Kinder frühzeitig für natürliche Kreisläufe sensibilisiert“, sagt Herrmann. Durch dichte Bepflanzung und vielfältige Strukturen Lebensräume schaffen Pflanzen sind für Bienen nicht nur Nahrungsmittel, sondern vor allem Lebensraum, der ihnen Baumaterial für die Brutzellen liefert, wo die Eiablage stattfindet.

Bienenfreundliche WOhnanlage

Im Münchner Stadtteil Pasing-Obermenzing entsteht östlich der Lipperheidestraße auf einer rund sechs Hektar großen Fläche ein lebendiges Wohnquartier mit rund 340 Wohnungen sowie einer Kindertageseinrichtung mit Kinderkrippen- und Kindergartenplätzen. Es handelt sich ausschließlich um Mietwohnungen, darunter auch öffentlich geförderte Wohnungen, mit Schwerpunkt auf familiengerechten und barrierefreien Wohnraum. © Swantje Nowak

Deshalb sollten Landschafts- und Hobbygärtner beim Thema Bienenfreundlichkeit auf Nisthilfen achten. Diese können sie durch Totholz, Fugen in Steinmauern oder aufgehäufte, nicht bepflanzte Sandhügel in Beten schaffen. „Wir erleben über das vergangene Jahrzehnt einen Wandel in der Gartenkultur hin zu immer blankeren Oberflächen und leicht zu pflegenden Elementen. Gerade ist beispielsweise der Schottervorgarten ohne jegliche Pflanze en vogue. Wir müssen weg von Rollrasen und Schnitthecke hin zu einem Garten, der uns selbst wieder Freude macht und wo wir uns selbst gern aufhalten“, sagt Nowak. Ein bienenfreundlicher Garten hat vielfältige Strukturen wie Höhen und Tiefen, Totholz, Wasserquellen oder Trockenmauern. „Für das Wohnquartier an der Lipperheidestraße haben wir deshalb auf eine dichte, bodenbedeckende Bepflanzung geachtet. Nur über Vielfalt können wir den knapp 600 Wildbienenarten, von denen die Mehrzahl im Boden oder in Pflanzenhalmen nistet, gerecht werden“, erklärt Nowak.

Gartenpflege Bienenhaus
 

Rückzugsort für Wildbienen

Helfen Sie den Bienen: Mit einem artgerechten Bienenhaus und den passenden Pflanzen im Garten

 

Artenvielfalt bedroht: Bienen finden kein Zuhause mehr

Hintergrund zum Bienensterben: Der Zustand der Bienen in Deutschland birgt Grund zur Sorge. Seit 1990 ist die Anzahl der Bienenvölker in Deutschland um 40 Prozent zurückgegangen. Als Gründe werden monotone Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden auf Feldern, das Verschwinden natürlicher Lebensräumen und die Varroa-Milbe genannt. 300 der 585 lokalen Bienenarten sind vom Aussterben bedroht. Dabei beginnt die Produktion bei jedem dritten Nahrungsmittel mit der Blütenbestäubung durch Bienen oder andere Insekten. Allein in Deutschland betrifft dies jährlich Lebensmittel im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro. Obwohl die Zahl der Bienen gerade insgesamt sinkt, erlebt die Bevölkerung der Honigbiene einen Aufschwung – was auch an einem Zulauf von Imkern liegt. Seit 2005 ist die Zahl der Imker in Deutschland von knapp über 80.000 auf 114.500 gestiegen. Besonders in Städten erfreut sich die Hobby-Imkerei wachsenden Interesses. Allein in München sind mittlerweile 1.200 Imker gemeldet. Insgesamt werden landesweit rund 792.202 Bienenvölker von Imkern betreut. In Zukunft wird das Ziel sein, mehr Imker auf dem Land zu mobilisieren und Wildbienen effektiver zu schützen.

Über den Wittelsbacher Ausgleichsfonds:
Der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Der Stiftungszweck des WAF ist, das ihm anvertraute kulturelle Erbe des Hauses Wittelsbach zu bewahren und das Stiftungsvermögen zu verwalten. Zu den Stiftungsbereichen gehören Immobilien, Land- und Forstwirtschaft, Finanzanlagen sowie Kunst, Schlösser und Museen.

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