Stecklinge

Nutz- und Zierpflanzen für den Balkonkasten oder das Beet im Garten müssen Sie nicht immer kaufen: Mit Stecklingen züchten Sie Blumen leicht selbst. Zu beobachten, wie selbst gezogene Jungpflanzen wachsen und gedeihen, ist zum einen ein Erfolgserlebnis beim Pflanzen vermehren, zum anderen lässt sich mancher Euro sparen, wenn Sie selber Ihre Blumen züchten. Wir erklären, was Sie über Stecklinge wissen müssen und wie Sie sie richtig schneiden. 

Stecklinge robuster Pflanzen (zum Beispiel Fuchsien und Impatiens) wurzeln im Wasser. Entweder stellen Sie die Stecklinge in ein Glas mit Wasser oder nutzen eine flache Styroporplatte, z. B. von Eis- oder Tortenverpackunge, die auf dem Wasser schwimmt. In die stanzen Sie in kurzen Abständen Löcher für die Stecklinge, zum Beispiel mit einem Schraubenzieher.

 

Steckling schneiden

Je nach Blumensorte schneiden Sie dann ca. 8-10 cm lange Triebe der Mutterpflanze mit einer scharfen Gartenschere oder einem Messer ab. Schere oder Messer zwischendurch reinigen, damit sich keine Keime übertragen können. Dann stecken Sie die Stecklinge in die Löcher der Styroporplatte. Diese wird in einer Wasserschale oder im Gartenteich schwimmen gelassen. Die Triebe hängen im Wasser und trocknen nicht aus. So müssen Sie sich nicht mehr um das Gießen der Jungpflanzen kümmen. Vorteil Teich: Hier verdunstet immer Wasser und sorgt so für hohe Luftfeuchte. Haben sich Wurzeln gebildet, zerbrechen Sie die Styroporplatte und setzen immer mehrere Pflänzchen in einen Topf – das gibt eine größere Pflanze.
Andere, anspruchsvollere Pflanzen benötigen ein Torf-Sand-Gemisch, das Sie im Verhältnis 1:1 selbst mischen können. Stecklingserde muss nährstoffarm sein – umso eher werden die Wurzeln zur Nahrungssuche angeregt. Auf der sicheren Seite sind Sie mit einem hochwertigen Anzuchtsubstrat aus dem Fachhandel. Das ist nicht nur nährstoffarm, sondern auch keimfrei. So sind die jungen Pflanzen vor Krankheitskeimen geschützt.

Stecklinge empfindlicher Pflanzen wie Zitrus, Kamelien, Hortensien oder verholzende Kübelpflanzen tun sich mit dem Bewurzeln schwer. Hier können Sie mit Bewurzelungspräparaten nachhelfen, die man unter die Erde mischt oder in die man die Setzlinge taucht. Bewurzelungspulver bekommen Sie im Gartenfachmarkt.

Beliebte Anzuchtgefäße für den einzelnen Setzling, die nichts kosten, sind Eierkartons (sie verrotten im Boden) oder Joghurtbecher. Torftabletten (auch Quelltöpfe genannt), die sich nach dem Aufquellen zu kleinen Töpfen mausern, eignen sich vor allem für die Stecklinge von Gurkengewächsen, die nach dem Auspflanzen einen Ballen benötigen und deren empfindliche Wurzeln leicht beschädigt werden könnten. Nachdem die Stecklinge wurzeln geschlagen haben, können Sie mitsamt den Töpfen eingepflanzt werden. Die meisten Jungpflanzen gedeihen bei Zimmertemperatur, sodass die Vermehrung von Pflanzen ein schöner Einstieg in das Hobby-Gärtnern ist.

 

Stecklinge aus dem Urlaub

Vielleicht bringen Sie aus Ihrem nächsten Urlaub einfach mal das ein oder andere Souvenir mit, das bei Ihnen Wurzeln schlägt. Blumen aus fremden Ländern gedeihen oft auch im eigenen Garten. Meist gelingt die Zucht der Urlaubs-Souvenirs aus selbst geschnittenen Stecklingen. Doch Achtung: Nicht aus jedem Urlaubsland darf man einfach heimische Blumen ausführen!

Wenn Sie bei Ihrem Urlaub zum Taschenmesser für einen Steckling greifen, sollten Sie auf einige Dinge achten: Bei großflächigen Beständen einer Pflanzen wird kaum jemand die Stirn runzeln, wenn Sie einen Kopfsteckling vom Wegrand mitnehmen. Allerdings gedeiht nicht jede Pflanze üppig. Geschützte Pflanzen sind natürlich tabu, ebenso wie Pflanzen aus Privatgärten. Und selbstverständlich sollte man es beim Taschenmesser belassen und die Pflanze nicht samt Wurzeln ausgraben. Außerdem sollten Sie sich vor Ihrem Urlaub informieren, ob es erlaubt ist, Pflanzenteile oder Samen mit nach Hause zu nehmen, beziehungsweise bei welchen Arten das verboten wäre. Pflanzenstecklinge und Samen aus Ländern der EU sind kein Problem, solange die Pflanzen nicht geschützt sind oder anderen Beschränkungen unterliegen. Informieren können Sie sich unter www.zoll.de oder www.artenschutz-online.de. Deshalb sollten Sie nur Stecklinge und Samen von Pflanzen mitbringen, die Sie auch kennen. Keine Sorge, die beliebtesten, zumeist aus mediterranen Ländern stammenden Pflanzen sind weder vom Aussterben bedroht, noch lassen sich daraus illegale Drogen herstellen. Pflanzen aus außereuropäischen Ländern müssen Sie am Zoll anmelden. An den nicht geschützten Pflanzen darf keine Erde sein und Sie brauchen ein Pflanzengesundheitszeugnis des Ursprungslandes, um nichts einzuschleppen. Von der Zeugnispflicht gibt es Ausnahmen für Schnittblumen oder Kleinmengen. Da diese sogar von Flughafen zu Flughafen unterschiedlich sind, sollten Sie in jedem Fall nachfragen.

Apropos Messer zücken: Schneiden sollten Sie Stecklinge kurz vor Ende des Urlaubs. Zu Hause ziehen sie dann in kleine Töpfchen mit Pikier-Erde um. Sie mögen es gerne einfacher und möchten sich das herbstliche Einräumen der Kübelpflanzen sparen? Dann sollten Sie auf robuste Pflanzen wie den Lavendel ausweichen. Er kann in den Garten ausgepflanzt werden und übersteht den Winter meist problemlos. Falls Sie die Ferien in Mitteleuropa oder Skandinavien verbringen, müssen Sie sich ohnehin nicht den Kopf über ein geeignetes Winterquartier zerbrechen: Ein Hortensien-Steckling aus der Bretagne wächst auch in Hamburg und Stockrosensamen aus Dänemark keimen auch in Oberbayern.

Quelle: selbst ist der Mann

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