Sekundenkleber

Sekundenkleber

Wenn beim Modellbau oder in der Werkstatt zwei Bauteile schnell miteinander verklebt werden sollen, sind Sekundenkleber oft die erste Wahl. Beliebt sind Sekundenkleber, weil sie so schnell zu festen Klebungen führen – riskant sind sie, weil sie auch Haut- und Körperteile fest miteinander verkleben. Wir erklären, wie Sekundenkleber abbinden und was Sie im Notall tun müssen, um Sekundenkleber zu lösen!

Hinter dem Begriff Super- oder auch Sekundenkleber verbirgt sich die Stoffgruppe der Cyanacrylat-Klebstoffe. Sekundenkleber sind einkomponentige Klebstoffe, die durch die sogenannte Polymerisation abbinden. Dabei passiert folgendes: Im flüssigen Kleber sind kleine Klebstoff-Molekülketten enthalten, eine Säure hält die einzelnen Bausteine auf Distanz. Presst man nun die mit Sekundenkleber bestrichenen Bauteile aneinander, reagiert die Säure mit kleinsten Mengen an Luftfeuchtigkeit. Sie verliert ihre Pufferfunktion und die kurzen Klebstoff-Ketten schließen sich zu immer längeren Molekülketten zusammen – dadurch entsteht die bekannte feste Verklebung von Sekundenklebern. So schnell wie Sekundenkleber abbinden, so wenig dauerhaft sind die mit ihnen geschaffenen Klebestellen: Der Klebstoff ist nicht feuchtigkeits- oder temperaturstabil und es lassen sich nur kleine Flächen mit ihm verkleben. Die geschaffene Verklebung besitzt hohe innere Spannungen und ist extrem spröde, wodurch sie nur sehr begrenzt Kräfte übertragen kann.

Für eine bessere Handhabbarkeit wird Sekundenkleber künstlich eingedickt (von sehr flüssigen, fließfähigen Klebstoffen bis zu pastösen, spaltfüllenden Klebern. Gemeinsam ist ihnen allen, dass Sie – nach Kontakt mit Wasser – rasend schnell aushärten. Mit Sekundenklebern kann Kunststoff aber auch Metall, Glas oder Keramik verklebt werden. Ursprünglich forschte die Firma Kodak bereits 1942 an Cyanacrylat (erfolglos) für militärische Zwecke. Erst 1958 brachte der Konzern den ersten Cyanacrylat-Klebstoff auf den Markt. In der Medizin kommen ebenfalls Wundkleber auf Basis der Cyanacrylsäure zum Einsatz. Durch ihre Eigenschaft bei Kontakt mit Feuchtigkeit abzubinden, werden sie seit 1998 in den USA zum Wundverschluss eingesetzt. Da sich der Kleber im feucht-warmen Milieu des Körpers mit der Zeit wieder auflöst, zersetzt sich der Medizin-Sekundenkleber langsam, während die Wunde heilt.

 

Sekundenkleber lösen

Sekundenkleber härten sehr schnell aus, wenn sie mit Feuchtigkeit in Verbindung kommen – also auch mit Hautschweiß, Tränen oder Speichel. Deshalb kann es – bei unsachgemäßer Anwendung – in Sekundenschnelle zu Verklebungen der Haut an Fingern oder auch der Augenlider kommen. Lesen Sie daher unbedingt die wichtigen Hinweise für Erste Hilfe bei Klebe-Unfällen (s. unten) und wie Sie Sekundenkleber lösen.

Praxistipp: Haben Sie nur etwas Sekundenkleber auf die Hand bekommen, können Sie den Klebstoff "mit eigenen Waffen schlagen". Cyanacrylate binden durch Kontakt mit Wasser schlagartig ab – je schneller, desto spröder wird der Klebstoff. Diesen an sich negativen Effekt sollten Sie nutzen, um den fehlapplizierten Sekundenkleber zu neutralisieren. Halten Sie den noch flüssigen Kleber unter Wasser! Dort bildet sich abrupt eine trübe Schicht, die viel leichter zu entfernen ist als langsam ausgehärteter Sekundenkleber.

Fehlapplizierter Sekundenkleber lässt sich leicht mit Aceton (in Nagellackentferner enthalten) lösen. Wegen dessen starkt entfettender Wirkung sollte Aceton aber nicht auf der Haut (niemals in der Nähe von Schleimhäuten oder Augen) angewendet werden. Stattdessen ist klassisches Speise-Öl eine gute Option: Sekundenkleber lassen sich mit Pflanzenöl wie Sonnenblumen-, Maiskeim- oder Rapsöl entfernen. Das Pflanzenöl großflächig auf und um die verklebte Stelle auftragen und so lange einwirken lassen, bis sich der Klebstoff vom Rand her ablösen lässt. Dann beginnend von der Haut ablösen und diesen Vorgang eventuell mehrmals wiederholen. Anschließend die Stelle mit Wasser und Seife reinigen.

 

Sekundenkleber gehören nicht in Kinderhände!

Gerade weil Sekundenkleber wohl in jedem Haushalt zu finden sind, gelten bei der Anwendung besondere Aufsichtspflichten:

  • Cyanacrylat-Klebstoffe gehören nicht in Kinderhände!
  • Bei Unfällen mit Cyanacrylat-Klebstoffen nicht in Panik geraten und nicht gewaltsam versuchen, die betroffenen Gewebepartien auseinander zu reißen!
  • Ziehen Sie umgehend einen Arzt hinzu!

Verklebungen Kopfhaut/Haare

Kopf/Haare waschen und anschließend auf die betroffenen Stellen reichlich Hautschutzöl auftragen. Über Nacht einwirken lassen und ggf. die Prozedur mehrmals wiederholen. So löst sich der Klebstoff mit der Zeit von der Kopfhaut.

Verklebungen Augen

Niemals versuchen, das Auge mit Gewalt zu öffnen! Das Auge sofort gründlich mit warmen Wasser spülen und mit einer feuchten Kompresse abdecken. Anschließend sofort einen Arzt aufsuchen. Unter ärztlicher Kontrolle kann der Ablöseprozess mit medizinischen Spüllösungen deutlich verkürzt werden.
Praxistipp: Wimpernverklebungen können durch augen- und schleimhautverträgliche Öle schneller gelöst werden.

Verklebungen Mund

Auch hier gilt zu beachten: Zusammengeklebte Lippen niemals gewaltsam öffnen! Vielmehr sollten die Lippen von außen mit viel warmem Wasser gespült werden. Gleichzeitig von der Mund-Innenseite her mit Speichel dagegen drücken. Mit Lippen- und Mundbewegungen kann die Verklebung in der Regel gelöst werden. Klebstoffreste anschließend mit Wasser und einer fetthaltigen Hautschutzsalbe bzw. -öl entfernen.

Verschluckter Sekundenkleber

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Cyanacrylat-Klebstoffe verschluckt werden können, denn der Klebstoff verfestigt sich sofort und bleibt im Mund haften. Der Speichel löst ihn binnen maximal 2 Tagen von der Mundschleimhaut. Bei größeren versehentlich eingenommenen Mengen sollte sich der Betroffene allerdings so hinlegen, dass beim Ablösen kein Klebstoff verschluckt wird und sicherstellen, dass die Atemwege frei gehalten werden.

Fazit: Bei Unfällen mit Cyanarcylat-Klebstoffen nicht in Panik geraten und nie versuchen, die betroffenen Gewebepartien gewaltsam auseinander zu reißen. Unfälle mit Sekundenklebern lassen sich in der Regel mit einfachen Mitteln wirkungsvoll behandeln, und sie bedürfen nicht zwangsläufig eines chirurgischen Eingriffs. Allerdings: Sekundenkleber gehören nicht in Kinderhände!

Der Industrieverband Klebstoffe hält auf seiner Homepage www.klebstoffe.com das Informationsblatt „Erste Hilfe bei Verklebungen mit Sekundenklebstoffen“ kostenlos für Sie bereit.

Quelle/Fotos: sidm/Archiv, Industrieverband Klebstoffe

 

Quelle: selbst ist der Mann

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