Wohngifte Schadstoffe in der Wohnung

Schadstoffe in der Wohnung
Inhalt
  1. Schadstofffrei wohnen
  2. Möbel ohne Schadstoffe
  3. Bodenbeläge ohne Schadstoffe

Das Haus und die Wohnung gelten als Rückzugsort vor dem Unbill der Welt. Die Hektik des Alltags, das Wechselspiel des Wetters, die Luftverschmutzung und andere schädliche Einflüsse sollen draußen vor der Tür bleiben. Doch auch im Haus lauern Gefahren, die die Bewohner schwächen und krank machen können: Wir geben einen Überblick über die verbreitetesten Wohngifte und wie Sie sie ausschließen können.

Den größten Teil unseres Lebens verbringen wir zu Hause. Die Voraussetzung dafür, dass es uns in den eigenen vier Wänden gut geht, ist allerdings ein behagliches und gesundes Wohnumfeld ohne Wohngifte: Bodenbeläge spielen dabei aufgrund ihrer großen Oberfläche eine bedeutende Rolle. Zwar konnte die Konzentration an Schadstoffen in Bodenbelägen in den letzten Jahrzehnten stark verringert werden, durch unkontrollierte Vorprodukte oder recycelte Materialien gelangen sie jedoch vereinzelt immer noch in den Bodenbelag. Wir haben die wichtigsten Aspekte aufgegriffen, damit Sie Schadstoffe im Haus erkennen und vermeiden lernen und so dem Ziel "gesund wohnen" ein Stück näher kommen.

 

Schadstofffrei wohnen

Ein völlig emissionsfreies Haus wird es wohl nicht geben. Viele Allergene kommen auch in der freien Natur vor. Aber wer ein Haus baut oder seine Wohnung renoviert, kann darauf achten, möglichst wenig Wohn-Schadstoffe neu hineinzutragen! Sogar beim normalen Wohnen helfen unsere Tipps, um die Schadstoffbelastung für alle Bewohner zu senken. Im Interview erklärt Elke Bruns, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) wie Sie die Schadstoffbelastung in Innenräumen messen (lassen) können.

selbst: Warum wenden sich Menschen an Sie bzw. an Ihre Fachleute und beauftragen eine Inneraumluft-Analyse?
Bruns:
Häufig erreichen uns Anfragen von Personen, bei denen bei längerem Aufenthalt in der Wohnung gesundheitliche Beschwerden auftreten. Auch vor Kaufentscheidungen oder der Anmietung eines Hauses oder einer Wohnung wendet man sich an uns. Ferner sind unsere Messergebnis bei Gerichtsverfahren zwischen Mietern und Vermietern wichtig.

selbst: Wie gehen Sie bei einer Schadstoffmessung in Wohnräumen vor?
Bruns:
Nach einer Befragung der betroffenen Personen zur Krankengeschichte und einem Vergleich der Beschwerdebilder mit möglichen Schadstoffwirkungen erfolgt unter Hinzuziehung von Baubeschreibungen und Gebäudeplänen die Gebäudebegehung. Mögliche Schadstoffemittenten werden gelistet und über Material-, Staub- oder Raumluftprobenahmen identifi ziert. Anschließend erfolgt die Auswertung im Labor und die Erstellung eines Gutachtens.

selbst: Welche Qualifi kation besitzen Experten, die Innenraumluft-Analysen durchführen?
Bruns:
Zur Beratung, Begehung, Probenentnahme bis hin zur Begutachtung der Ergebnisse ist mindestens eine dreijährige Berufserfahrung erforderlich. Außerdem stehen die Gutachter im ständigen fachübergreifenden Austausch mit Experten angrenzenden Fachdisziplinen wie Medizin, Toxikologie oder Architektur.

selbst: Welche Kosten entstehen für eine Innenraumluft-Analyse?
Bruns:
Die Kosten für die Messungen betragen in der Regel inklusive Ortstermin, Probenahmen, Analytik und Gutachtenerstellung je nach Aufwand zwischen 300 und 1500 Euro. Im Einzelfall übernehmen Krankenkassen die Kosten.

schadstofffrei wohnen

 

Möbel ohne Schadstoffe

Nicht nur bei Kindermöbeln auch im eignen Schlaftimmer möchte man, dass die Möbel möglichst wenig Schadstoffe enthalten und ausdünsten: Allerdings muss auch klar sein, dass wir in einer Welt leben, in der uns schädliche Umwelteinflüssen überall und immerzu umgeben. Auszeichnungen wie "schadstofffrei" kann man daher nur misstrauen! Zeil bei der Auswahl un dem Kauf von Möbeln sollte aber dennoch sein, die Menge der "eingekauften" Schadstoffe möglichst gering zu halten. Wer bei seinen Möbeln auf natürliche, ökologische Rohstoffe achtet, die im besten Fall noch nachhaltig und zertifiziert gewonnen wurden mit Rücksicht auf Resourcen und Umwelt, der hat schon viel erreicht. "Schadstoffgeprüft" ist vielleicht das aussagekräftigere Versprechen: Hier wissen Sie zumindest, dass der Hersteller seine Möbel auf Wohngifte getestet hat und die gütigen Grenzwerte nicht überschreitet.

Wer darüber hinaus ein paar Entscheidungshilfen benötigt, sollte lieber zu Massivholzmöbeln greifen als zu kunststofflaminierten Presspanmöbeln. Wählen sie lieber naturbelassene Oberflächen als lackierte Möbel. Kaufen Sie Möbel aus deutscher Produktion als aus Fernost – die Zusammensetzung dort verwendeter Beizen und Lacke ist nur schwer zu überprüfen!

 

Bodenbeläge ohne Schadstoffe

Bodenbeläge können Schadstoffe enthalten. Sie werden unbemerkt an die Raumluft abgegeben und sind deshalb besonders tückisch. Prüfsiegel geben beim Einkauf eine erste Orientierung. Wer beim Kauf eines neuen Bodenbelags auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Prüfsiegel achten. Mindestanforderung an den Schadstoffausstoß von Bodenbelägen definiert das bekannte CE-Zeichen in Verbindung mit dem Übereinstimmungszeichen (kurz: Ü-Zeichen):

Wohngifte

  • Seit 2007 müssen Bodenbeläge über ein CE-Zeichen verfügen. Dieses basiert auf den europäischen Richtlinien für Bauprodukte (CE = franz. Conformité Européenne).
  • Übereinstimmungszeichen (Ü): Bauprodukte (auch Bodenbeläge) mit Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) müssen mit dem Ü gekennzeichnet sein.
  • Das Kork-Logo wird durch den Deutschen Korkverband e. V. vergeben. Bewertung durch unabhängiges Labor.
  • Vergabe duch Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA). Diese überprüft u. a. textile Bodenbeläge.
  • Das Eco-Institut ist eine unabhängige Einrichtung und testet nahezu alle Typen von Bodenbelägen.
  • Europäisches Umweltzeichen mit nationaler Vergabe durch Umweltbundesamt sowie das RAL.
  • Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e. V. (GUT): Hersteller-Zusammenschluss.
  • Natureplus: Verein für zukunftsfähiges Bauen & Wohnen. Testet Linoleum, Holz-, Parkett- und Teppichböden.
  • Das Institut für Baubiologie Rosenheim (IBR) prüft Bauprodukte, darunter auch Fußbodenbeläge.
  • Als toxproof kennzeichnet der TÜV Rheinland u. a. schadstoffarmes Laminat, Linoleum und Kork.
  • Zeichenvergabestelle ist das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. (RAL).
  • Zusammenschluss verschiedener Teppich-Hersteller zur Europäischen Teppich-Gemeinschaft e. V.

Wer beim Kauf eines neuen Bodenbelags auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Prüfsiegel achten. Mindestanforderung an den Schadstoffausstoß von Bodenbelägen definiert das bekannte CE-Zeichen in Verbindung mit dem Übereinstimmungszeichen (kurz: Ü-Zeichen). Letzteres wird vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) vergeben. Da vor allem preiswerte Anbieter auf die hausinterne Schadstoffüberprüfung verzichten, sind das CE- und Ü-Zeichen für Bodenbeläge mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben. Der Käufer erkennt daran allerdings nur, dass ein Bodenbelag auf sogenannte Brauchbarkeit bzw. Verkehrsfähigkeit getestet wurde – die Höchstgrenzen für Schadstoffe werden also nicht überschritten. Umweltorganisationen und Herstellerverbände vergeben demzufolge Prüfsiegel, die schärferen Kriterien unterliegen. Hier wird eine breitere Palette an Schadstoffen untersucht und die Grenzwerte der Emissionen niedriger angesetzt.

Welche Wohngifte stecken in Bodenbelägen?

Je nach Art des Bodenbelags können vor allem flüchtige organische Verbindungen (VOC) und Formaldehyd in den Materialien lauern. VOC ist ein Sammelbegriff für verschiedene, zum Teil krebserregende Einzelverbindungen, die schon bei Raumtemperatur an die Innenluft abgegeben werden. Bei einer Überkonzentration kann es zu tränenden Augen, Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden, Unwohlsein und Allergien kommen. Gleiches gilt für Formaldehyd.

Laut einer Untersuchung des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) kann die Substanz beim Menschen u. a. die Bildung von Tumoren im Nasen-Rachenraum begünstigen. Als wichtigste Quelle für Formaldehyd hat das BfR Holzwerkstoffe identifi ziert. Gemeint sind vor allem Holzspanplatten. Diese dienen beispielsweise als Trägermaterial für Laminat. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass in fünf Prozent der deutschen Haushalte der empfohlene „sichere Wert“ von 0,1 ppm (engl.: parts per million, deutsch: Teile von einer Million) überschritten wurde. Theoretisch bedeutet dies für die Bewohner jedes 20. Haushalts die Gefahr einer Krebserkrankung.

Vorsicht geboten ist auch bei billigen PVC-Belägen. Sie bestehen aus bis zu 30 Prozent Weichmachern (Phthalate), einer flüchtigen organischen Verbindung, die ebenfalls Krebs auslösen kann. Weichmacher dienen dazu, ursprünglich hartes und sprödes Material geschmeidig zu machen. Sie entweichen vor allem durch Reibung, die durch regelmäßiges Betreten entsteht, und werden so an die Raumluft abgegeben.

Kunstfaser-Teppichböden laden sich nicht nur elektrostatisch auf, sie können auch problematische Flammschutzmittel enthalten. Einen allgemeinen Überblick über mögliche Schadstoffe in den gängigsten Bodenbelägen gibt die selbst Produktinfo unten auf dieser Doppelseite.

Achtung bei Klebstoffen!

Schadstoffe können aus dem Belag selbst, aber auch aus der Oberflächenbehandlung und Verklebung emittieren. Noch bis in die 1960er Jahre wurde Parkett häufig mit Steinkohlenteerpech verklebt, das krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthält. Auch die Zeit, in der Bodenbeläge mit lösemittelhaltigen Klebstoffen verlegt wurden, ist glücklicherweise so gut wie vorbei.

Heute sind wasserverdünnte Kleber im Handel erhältlich. Jedoch können auch diese problematisch sein. Denn lösemittelarm ist nicht gleich schadstofffrei! So können trotzdem verschiedene schwerflüchtige organische Substanzen enthalten (SVOC) sein. Diese Stoffe dünsten über lange Zeit hinweg aus dem Klebstoff aus, bahnen sich ihren Weg durch den Bodenbelag und gelangen so in die Raumluft oder binden sich an den Hausstaub. Unproblematische Kleber erkennt man am Emissionscode EC1, der auf der Verpackung abgedruckt ist. Ebenso unbedenklich sind Fixierer (bspw. für Korkböden), die aus einer Art Tapetenkleister (Methylcellulose) bestehen.

Völlig schadstofffrei ist nur das Verlegen der Bodenbeläge ohne Klebstoffe.Viele Bodenbeläge müssen nicht mit Klebstoffen befestigt werden. Teppiche mit textilem Rücken können verspannt werden. Verschiedene Holzböden können auf Leisten genagelt oder geschraubt werden. Laminat wird durch das Klick-System leimfrei verlegt.

Praxistipp: Schadstoff-Konzentration messen

Wenn in der Wohnung gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten und ein Zusammenhang beispielsweise mit flüchtigen organischen Substanzen vermutet wird, ist die Suche nach den Quellen meist schwierig. Innenraumluft- und Emissionsmessungen an verschiedenen Materialien sind sehr aufwendig und bringen häufig nicht die gewünschte Klarheit. Bewohner sollten deshalb fachlichen Rat einholen. Sachverständige finden Sie über kommunale Gesundheits- und Umweltämter, die Industrieund Handelskammern oder im Internet.

Quelle: selbst ist der Mann

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