Richtig arbeiten mit Heißluft

Richtig arbeiten mit Heißluft


Dass man mit heißer Luft Farbe abbeizen und Grillkohle zum Glühen bringen kann, wissen viele Heimwerker. Andere Anwendungen – etwa das Kunststoff-Schweißen – sind bisher weitgehend unbekannt.

1. TECHNISCHE GRUNDLAGEN

Hohe Temperaturen beeinflussen die physikalischen Eigenschaften vieler Werkstoffe und beschleunigen chemische Vorgänge. Grund dieser Prozesse ist die von außen zugeführte Energie, die mittels Hitze in den Werkstoff transportiert wird.

Entsprechende Effekte lassen sich mit einer Heißluftpistole wesentlich zielgerichteter auslösen als zum Beispiel mit einem Bunsenbrenner oder einer Lötlampe. Die Pistolenform und eine gute Wärmeisolierung machen ein solches Gerät außerdem erheblich besser handhabbar. Es besteht zudem keine Explosions- oder Brandgefahr, da keine offene Flamme erzeugt wird. Ein Heißluftgebläse ist ähnlich aufgebaut wie ein Haarfön – allerdings entstehen mit über 400 °Celsius erheblich höhere Temperaturen. An hochwertigen Heißluftpistolen kann die Arbeitstemperatur außerdem recht genau vorgewählt werden. Das ist wichtig vor allem bei der Bearbeitung von Kunststoffen – mit nicht elektronisch regelbaren Geräten sind in diesem Bereich viele Arbeiten gar nicht möglich.

Entscheidend für ein breites Anwendungssprektrum ist außerdem die Anschlussmöglichkeit an Vorsatzdüsen, die den heißen Luftstrom leiten oder auf einen kleinen Wirkbereich reduzieren und damit zielgerichtetes Arbeiten ermöglichen.

Wenn der Hunger groß ist oder überraschend Besuch kommt, können Sie die Grillglut per Heißluftgebläse in wenigen Minuten herstellen – eine halbe Stunde schneller als üblich

 

 

 

2. FARBEN UND KUNSTSTOFFE LÖSEN

Farben und Klebstoffe können durch Hitze angelöst oder oft zumindestens erweicht werden. So kann man mit einem Heißluftgebläse alte Farbanstriche und Lacke ablösen – eine klassische Anwendung, die fast jeder Heimwerker schon einmal ausprobiert hat.

Der Vorteil dieser Ablösemethode ist, dass man ohne Chemie arbeiten kann und keine Einweichzeiten beachten muss. Dadurch kann diese Arbeit umweltverträglicher und schneller erledigt werden. Arbeiten Sie dennoch unbedingt draußen oder bei sehr guter Lüftung. Denn beim Erhitzen der Anstrichstoffe werden darin enthaltene Lösemittel frei.

Achten Sie darauf, dass die Oberfläche des Werkstücks nicht zu stark erwärmt wird – Holz könnte bei zu starker Hitzeeinwirkung dunkel werden oder gar verkohlen. Am besten ist es deshalb, mit einer Breitstrahldüse zu arbeiten und kleine Bereiche des Anstrichs jeweils gerade so weit zu erhitzen, bis sich der Anstrich löst und mit einem Spachtel abgenommen werden kann. Beginnen Sie die Arbeit am besten an einer unauffälligen Stelle.

Auch Klebstoffe können mit Heißluft gelöst werden. Gute Erfolge erzielen Sie zum Beispiel bei alten, brüchig gewordenen Aufklebern, die sonst kaum mehr rückstandsfrei zu entfernen wären. Problemlos und rückstandsfrei ablösbar sind auch alle Verbindungen, die mit Heißkleber vorgenommen wurden.

3. KUNSTSTOFFE BEARBEITEN

Dass Kunststoffe bei höheren Temperaturen weich werden und sogar schmelzen, können Sie mit einer Heißluftpistole gezielt nutzen. So lassen sich Gartenschläuche leichter montieren, aber auch flexible Rohre biegsamer machen. Mit Heißleim ausgeführte, aufgegangene Verbindungen – etwa Umleimer – können ohne zusätzlichen Klebstoff repariert werden, auf die gleiche Weise können Sie auch neue Umleimer aufbringen oder großflächige Heißleimklebestellen so lange offenhalten, bis Sie das Werkstück genau positioniert haben. Folien und kunststoffbeschichtete Planen können mit Heißluft direkt miteinander verschweißt werden. Beachten Sie jedoch, dass nur gleiche Werkstoffe miteinander verschweißbar sind. Wählen Sie die richtige Temperatur (siehe Kasten unten) und probieren Sie die Verschweißung an einem Reststück aus. Temperatur und Einwirkzeit so lange variieren, bis die aufeinandergefügten Bahnen unlösbar verbunden, aber nicht aufgeschmolzen werden. Die Verbindung dabei mit einer Rolle fest zusammenpressen.

Die Verschweißbarkeit können Sie bei Kunststoff- Tauen auch dazu nutzen, um die Seilenden vor dem Aufspleißen zu bewahren. Drücken Sie das Seilende dazu gegen einen Schweißspiegel oder gegen ein erhitztes Werkzeug (Beitel), bis die Fasern miteinander verschweißt sind.

Auch Hartkunststoffe können mit Heißluft verformt und verbunden werden, beachten Sie auch hier die richtige Temperatur nach unserer Tabelle unten.

 

4. REINIGEN

Heißluft lässt sich auch für Reinigungszwecke nutzen. So können Sie zum Beispiel Harzeinlagerungen an Weichhölzern mit Hitze erweichen und mit Schaber oder Tuch leichter entfernen. Rückstände von Farben, Spachtel oder Putz auf Werkzeugen können mit Heißluft abgelöst werden.

Heißluft kann auch durch das Sonnenlicht spröde gewordene Kunststoffe wieder erweichen. Diesen Effekt nutzen Sie, wenn Sie Fensterbilder, die längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, vorsichtig mit Heißluft erwärmen und dann abziehen. Ohne Heißluft ist es sehr mühsam, die Motive zu entfernen. Ähnlich vereinfachen können Sie sich die Arbeit beim Entfernen von Dichtstoffen und Bitumenabdichtungen.

Ideal ist der Einsatz von Heißluft auch beim Entfernen von Wachsresten. So können Kerzenständer schonend gereinigt werden, ohne dass – wie beim Reinigen mit einem Messer – Kratzer entstehen. Am besten führen Sie diese Arbeit über einer alten Zeitung aus: Das Wachs tropft dann auf diese Unterlage und wird vom Papier aufgenommen.

5. GARTEN-ANWENDUNGEN

Auch im Garten kann Heißluft chemische Mittel ersetzen. Probieren Sie einmal aus, mit der Heißluftpistole Unkraut zu bekämpfen: Unerwünschtes Grün zwischen Pflastersteinen oder Gehwegplatten wird einfach mit dem heißen Strahl behandelt. Dabei muss das Unkraut nicht bis zur Verbrennung behandelt werden, sondern nur bis zu einer starken Erwärmung. Dann nämlich platzen die Gefäße und die Pflanze wird innerhalb einiger Tage absterben. Es gibt auch spezielle Brenngeräte für diesen Zweck, die nach der gleichen Methode arbeiten.

Den Effekt, biologische Systeme mit Hitze gezielt auszuschalten, kann man auch für die Sterilisation von Blumenerde nutzen. Gärtner empfehlen, Blumenerde vor der Verwendung in Pflanztöpfen stark zu erhitzen, um unerwünschte Keime abzutöten – verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf eine Behandlung im Backofen. Wer die Erde aus der Küche heraushalten möchte, kann den gleichen Effekt mit Heißluft erzielen. Breiten Sie die Erde auf ein Backblech und lassen Sie nach und nach die Heißluft über die Fläche strömen. Allerdings brauchen Sie für eine größere Menge Erde natürlich eine gewisse Geduld, das Erdreich sollte nämlich schon eine Temperatur von etwa 70 °Celsius erreichen.

6. WEITERE NUTZUNGEN

Es gibt über die hier gezeigten Anwendungsbereiche hinaus weitere Nutzungen für Heißluftgebläse. So können mit Hitze zum Beispiel fest sitzende Schrauben gelöst und Farbanstriche schneller getrocknet werden. Mit Heißluft kann man darüber hinaus sogar löten. Einen umfassenden Überblick über alle Anwendungsbereiche mit zahlreichen Kurzanleitungen enthält das Heft Heißluft-ABC, das Sie beim Hersteller Steinel anfordern können (Telefon: 05245/4 480, www.steinel.de).


Arbeiten mit Heißluft - Beispiele

 

 

 

 

Quelle: selbst ist der Mann

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