Quadratisch, praktisch, ungewöhnlich

Vorher: Der Platz war knapp im kleinen spitzgiebeligen Haus. Nachher: Radikalkur und neuer Anbau sorgen nicht nur für mehr Wohnfläche, sondern bieten auch mehr Komfort.

Willst du vielleicht ein Haus kaufen?“ fragte Claudia Sobottas Vater eines Abends seine Tochter am Telefon. Die damalige Studentin, erst 24 Jahre alt, lachte über die für sie absurde Idee. Sie erzählte ihrem Freund Lothar von dem Vorschlag. "Das ist die Gelegenheit", der BWL-Student war sofort begeistert. Zumal es sich nicht um irgendein günstiges Objekt handelte, sondern um ein Haus, welches sich schon einmal im Familienbesitz befand.

Die Hausgeschichte: Die Geschwister der Großeltern von Claudia Sobotta erbauten 1936 das kleine Siedlungshaus in Weilerswist in der Nähe von Köln. Bis Anfang der 70er Jahre bewohnten sie das Gebäude, der Vater erbte und verkaufte es. 1993 bot der damalige Käufer ihm das Haus wieder an und Sobottas zögerten nicht lange. Obwohl der Zustand des Hauses schrecklich war: "Mäuse hausten hier, Türen und Fenster waren völlig vergammelt, überall zeigte sich Schimmel an den Wänden", erinnert sich die Bauherrin.

Mit kleinem Budget, viel Idealismus und anpackender Helferschar aus der Familie und dem Freundeskreis renovierten die jungen Leute ihr neues Domizil. Wochenlang entfernten sie Tapeten, tauschten Fenster aus und machten das Haus schließlich wieder bewohnbar. Im Herbst 1996 zogen sie in ihre damalige "Villa Kunterbunt" ein.

Familie Sobotta: Lothar und Claudia mit Jan (3) und Ole (6 Wochen).
Runderneuert: Der Eingang wurde verlegt, Fenster und Dach erneuert und ein Würfel dockt an das Siedlungshaus an. Eine Gaube verbindet Alt- und Neubau.

Zeitsprung: 2002 kündigte sich Sohn Jan an, die 95 Quadratmeter Wohnfläche reichten nicht mehr. Sie wünschten sich mehr Licht und größere Räume. "Der Gedanke, einfach neu zu bauen, war schon verlockend", erinnert sich Lothar Sobotta. Doch die Entscheidung für das Haus mit einem neuen Anbau war schnell gefallen.

An eine Komplettsanierung dachten Sobottas jedoch anfangs nicht. Der Bauherr: "Wir wollten schließlich auch Wände und Dach wärmedämmtechnisch verbessern. So kamen wir um eine Radikalkur nicht herum." In dem Architekturbüro Elkin und Brombach fanden Sobottas die idealen Ansprechpartner. Mit der Option, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, entwickelten Bauherr und Architektin die Lösung: Ein kubischer, holzverschalter Anbau vergrößert das Haus um etwa 55 Quadratmeter.

Doch zuvor mussten noch einige Hürden überwunden werden: Für das Gebiet gibt es keinen Bebauungsplan, lediglich die Vorgabe, dass sich das Objekt in die Umgebung einfügen muss. Bei der Behörde fand die Architektin Ute Brombach trotzdem sofort Zuspruch für den angedockten Würfel: "Das ist nicht selbstverständlich. Schließlich stehen in der Nachbarschaft typische Siedlungshäuser mit Satteldach. Doch als wir das Projekt, mit einem Modell gewappnet, auf dem Bauamt vorstellten, bekamen wir direkten Zuspruch seitens der Behörde."

Seitlich befindet sich der Eingang und bildet mit dem Kellerabgang eine gestalterische Einheit.
Im Sommer vergrößert die Terrasse das Wohnzimmer.
Fassade: Horizontale Schalung aus unbehandeltem Lärchenholz. In einigen Jahren schimmert das Holz schön silbrig.
Um die Ecke gedacht: Ein Fensterband.
Vorher: Die sanierungbedürftige Gartenansicht.
Die Mauern des Wohnzimmers stehen.
Der Würfel wächst: Auf die Betondecke wird das Kalksandstein-Mauerwerk gestellt.
Nachdem die Fenster eingesetzt wurden, verkleidete ein Zimmermann den Kubus mit Lärchenholz.

Während der turbulenten Bauphase zogen Sobottas zu den Eltern. Zwar übernahmen die Architekten die Bauleitung, aber die Bauherren kontrollierten zusätzlich, da sie vor Ort waren, täglich die Arbeiten der Handwerker. Claudia Sobotta: "Ich habe viel gelernt. Vor allem aber auch, jedem Handwerker ständig auf die Finger zu schauen. Zum Beispiel war das Eckfenster im Wohnzimmer nicht rechtwinklig eingebaut oder die Aufteilung der Verschalung stimmte nicht."

Im Inneren veränderten sie das Raumgefüge: Statt Enge zog Weitläufigkeit ins Erdgeschoss. Dafür musste die Wand zwischen Esszimmer und Küche weichen. Ein Stahlträger auf zwei Stützen fängt die Lasten des Obergeschosses auf und trennt den Raum optisch. Vom Essbereich führen drei neue Stufen ins Wohnzimmer. Industrieparkett aus Esche ziert die Böden im Flur, in der Küche und in den beiden Bädern liegen großformatige Steinzeugfliesen. Die großen Schiebetürfenster verbinden den Raum mit dem Holzdeck, welches stufenweise in den Garten führt.

Drei Stufen führen vom Wohn- ins Esszimmer. Durchbruch: Damals endete das Haus an dieser Stelle. Die Nahtstelle zwischen Alt und Neu kennzeichnet das schmale Fenster.
Hier teilte früher eine Wand das Erdgeschoss in dunkle, enge Räume. Der Stahlträger und die Stützen erinnern daran, fangen die Lasten des Obergeschosses auf und trennen die Küche optisch vom Wohnbereich. In die Decke eingelassene Strahler beleuchten die Küche.
Glänzende Idee: Anstatt eines Fliesenspiegels ziert eine mit rotem Autolack behandelte MDF-Platte die Wand.
Im neuen Glanz: Eine der fleißigsten Bauhelferinnen, Mutter Johanna Reuter, schliff Klebstoffreste und Farbe von der alten Holztreppe ab. Die neue Lackierung schützt das Holz vor Kratzern.



In die Räume des Obergeschosses führt die restaurierte Treppe. Wände mussten hier oben nicht weichen, aber neue Gauben holen mehr Licht herein und sorgen für ausreichende Stehhöhe. Die holzverschalte Gaube verändert nicht nur das Innere des Raumes, sie verbindet außen das Satteldachhaus mit dem neuen Kubus. Eine signalrote Tür und eine Stufe markieren den Übergang zum Neubau.

Über dem Wohnraum entstand ein etwa 27 Quadratmeter großes Schlafzimmer. Auch von hier oben blickt man durch die großen Schiebetürfenster ins Grüne.

Zeitlose Gestaltung: Graue Bodenplatten und weiße, kleinformatige Fliesen im ca. 5m2.
Die neue Gaube im Dachgeschoss: Über einen Flur erreicht man das neue Schlafzimmer.
Die rote Tür, eine Stufe und ein schmales Fenster signalisieren: Hier beginnt etwas Neues!
Daten & Fakten
Aufgabe: Sanierung und Anbau an ein Siedlungshaus
Grundstücks-
größe:
887 m2
Wohnfläche vorher: ca. 95 m2
Wohnfläche nachher: 145 m2
Anzahl Bewohner: 4
Baukosten: 1071 Euro/m 2
Baujahr Bestand: 1936
Baujahr Umbau: 2003
Bauzeit: ca. 10 Monate
Bauweise Haus: Bimsmauerwerk, neu: WDVS
Bauweise Anbau: massiv: Kalksandstein mit horizontaler Holzverschalung Lärche
Fenster: Holz-Aluminium-Fenster
Dachdeckung: Tonziegel





Gartenmöbel: mwh, Übertöpfe: Ikarus-Versand; Geschirr, Gläser, Schale: Ikea; Topf, Pfeffermühle, Brotkorb: WMF; Handtücher: Vossen
 

Kontakt

Architekten Elkin + Brombach,

Hohenstaufenring 64

50674 Köln

Telefon 0221/9216650,

www.elkin-brombach.de

Fotos: Pavel Strnad

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