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Von der Entstehung des Stahlbetons

Von der Entstehung des Stahlbetons

Am Anfang war der Blumentopf
Als gelernter Gärtner ist der Umgang mit Blumentöpfen für Joseph Monier (1823-1906) nichts Besonderes. Doch ärgert sich der passionierte Erfinder immer wieder über mangelnde Qualität der Pflanzenbehälter, die seinerzeit – Mitte des 19. Jahrhunderts – zumeist aus Ton oder Holz hergestellt werden. Während Ton zu schwer ist und schnell zerbricht, verwittern die Töpfe aus Holz meist vorzeitig. So experimentiert Joseph Monier und sucht nach einer Lösung des Problems. Monier gießt zunächst Töpfe aus reinem Zement, die jedoch nicht stabil genug sind. So fügt er eine Drahteinlage hinzu, wodurch sich die Haltbarkeit deutlich verbessert. Dass der Franzose mit seiner nach zahlreichen Versuchen hergestellten Konstruktion aus einem Drahtkorb und Zement heute neben den parallel forschenden François Coignet und Joseph-Louis Lambot als Erfinder des Stahlbetons gilt, hätte er sich sicherlich damals nicht erträumt.

Nach weiteren Experimenten mit Draht und Zement meldet Joseph Monier 1867 sein „Verfahren zur Herstellung von Gegenständen verschiedener Art aus einer Verbindung von Metallgerippen mit Zement“ zum Patent an. Damit soll – wie Monier schreibt – „größere Haltbarkeit und Ersparnis an Zement und Arbeit“ erzielt werden. Später folgen weitere Patente über „Stützen und Balken mit Eiseneinlage“ und der Namensgeber des „Moniereisens“ wendet seine Erfindung schließlich auch für den Brückenbau aus Eisenbeton an. Im Schlosspark des Marquis de Tiliere bei Chazelet in Frankreich baut er die erste Fußgängerbrücke. 1906 stirbt Monier vereinsamt und verarmt in einer Pariser Dachkammer.

Doch parallel forscht die Wissenschaft weltweit weiter. Schon kurz darauf werden in Deutschland die ersten Zementnormen eingeführt (1877) und mehrere Forscher – darunter der US-Rechtsanwalt Thaddeus Hyatt und der österreichische Ingenieur Gustav Adolf Wayss – erkennen das statische Zusammenwirken innerhalb des Eisenbetons. Auch die Einflussfaktoren auf Verbundwirkung und Dauerhaftigkeit des Eisenbetons werden in der Folgezeit von verschiedenen Wissenschaftlern unabhängig voneinander weiter untersucht – die Qualität des Verbundwerkstoffs steigt kontinuierlich. Sowohl in Europa als auch in den USA entstehen gegen Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche eisenbewehrte Bauwerke, erstmals wird die Erstellung größerer Brücken wie auch der Bau von Hochhäusern möglich. Spätestens jetzt startet die Erfolgsgeschichte des „Eisenbetons“ (in Frankreich auch „Monierbeton“ genannt), der heute nur noch als „Stahlbeton“ bekannt ist.

Mittlerweile ist Stahlbeton mit über 100 Millionen verbauten Kubikmetern im Jahr der wichtigste Verbundwerkstoff Deutschlands und kaum ein Bauwerk kommt ohne aus. Gerade biegebeanspruchte Decken oder Bodenplatten werden heute hauptsächlich aus Stahlbeton gefertigt. Aber auch massige Bauteile wie Brückenpfeiler oder Stützwände werden im Regelfall daraus hergestellt.

Fotos: beton.org / Christian Sadofsky

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