Beitel

Stechbeitel oder auch nur Beitel sollten in keiner Holzwerkstatt fehlen: Wer klassische Schreinerverbindungen einfach verschraubten Stößen vorzieht, wird am Beitel nicht vorbeikommen. Typische Einsatzgebiete für den Stechbeitel sind das Ausstemmen von Nuten, Vertiefungen oder Aussparungen, z.B. für Zapfen-, Zinken- oder Schwalbenschwanzverbindungen, das Einpassen von Schlössern in Türblätter oder Schranktüren sowie zum Angleichen von Werkstücken, wenn sich auf kleinen Flächen durch Quellen das Holz verzogen hat (vgl. hobeln).

Etabliert haben sich folgende Varianten des Beitels – alle Beitel arbeiten spanend:

  • Stechbeitel mit gerader Schneide
  • Kantenbeitel zum Herausarbeiten von Halbnuten/Fasen am Brettrand
  • Hohleisen mit sichelförmiger Schneide zum flächigen Aushöhlen oder zum Herstellen von Hohlkehlen

Wie ist der Beitel zu benutzen? Um mit dem Beitel feine Späne vom Werkstück abzuheben, legt man den Beitel nahezu plan mit der Spiegel-Seite ("flache Rückseite") auf und schabt das überstehende Holz vorsichtig ab. Die sogenannte Fase (= geschliffene Schneide) zeigt nach oben zum Abfallholz. Je flacher der Beitel zur Holzoberfläche geführt wird, desto feiner ist der abgetragene Span. Je steiler der Beitel steht, desto stärker/tiefer wird in das Holz hineingeschnitten – was aber mehr Kraftaufwand bedeutet.

Mit einem Schlag mit dem Holzhammer (Klüpfel oder Schlägel) auf das Holzheft (= Griff) des Beitels wird die geschliffene Klinge in das Holz getrieben. Der Beitel steht nun nahezu senkrecht zur Holzmaserung und durchtrennt die Fasern (statt sie abzuschaben).

 

Anleitung: Beitel schleifen

Die Klinge eines Beitels endet in einer sauber geschliffenen Schneide, die bereits beim sachgerechten Arbeiten in Holz schnell stumpf wird und regelmäßig nachgeschliffen werden muss. Daher verbietet sich jeder unsachgemäße Gebrauch (Schrauben eindrehen, Farbe abkratzen, wie ein Stemmeisen verwenden, ...), um das Werkzeug nicht unnötig zu beschädigen.

Gleitet der Beitel nicht mehr so leicht wie am Anfang durchs Holz, ist es Zeit, den Beitel abzuziehen:  Leichte Unschärfen beseitigt ein Abziehstein. Dazu wird die Schneide mit ihrer Fase auf den mit Wasser oder Öl benetzten Abziehstein aufgelegt und dann in kreisförmigen Bewegungen etwa ein Dutzend Mal über den Stein geführt, bis die Fase gleichmäßig glänzt – eine Arbeitsweise, die auch Amateure hinkriegen. Um den an der Schneide entstehenden Grat zu entfernen, wird das Eisen anschließend mit der anderen, flachen Seite – dem Spiegel – auf den Abziehstein gelegt und ebenfalls in kreisenden Bewegungen abgezogen. Mit einem so behandelten Eisen kann man zwar schon wieder gut arbeiten – manche Profis empfehlen allerdings, die Schneide zusätzlich auf einem Leder abzuziehen und damit den Stahl im Bereich der Schneide noch etwas feiner zu glätten.

Aber was tut man, wenn das Stecheisen schon sehr stumpf ist und ein Abziehen nicht mehr ausreicht? Wer eine Doppelbock-Schleifmaschine hat, kann seine Beitel darauf nachschleifen. Vorsicht: Die Arbeit an einem schnell rotierenden Schleifstein erfordert einige Übung – denn aufgrund der hohen Reibung am Stein können hohe Temperaturen entstehen, die das Eisen ausglühen lassen. Das sollte unbedingt verhindert werden, denn bei starker Erhitzung verliert das Metall seine Härte – das Eisen würde dann bei der Benutzung umgehend wieder stumpf. Deshalb sollte der Beitel nur mit geringem Druck auf dem Stein geführt werden, unbedingt empfehlenswert ist außerdem eine regelmäßige Kühlung der Schneide in einem Wasserbad. Es darf auf keinen Fall eine Schwarzfärbung der Klingenspitze auftreten, die auf eine zu starke Erhitzung hindeutet.

 

Der richtige Winkel am Beitel

Ein sauberer Anschliff erfordert mit dieser Arbeitstechnik etwas Geduld und Übung. Nach dem Schliff sollte dann jede Klinge wie beschrieben abgezogen werden – wobei Abziehsteine für die Benutzung mit Wasser oder Öl angeboten werden. Praxistipp: Um auch Hohleisen abziehen zu können, solltet Ihr auch einige Formsteine anschaffen, mit denen Innenwölbungen und Innenkanten sauber abgezogen werden können.

Beitel sind in der Regel mit einem Winkel von 25 bis 40 Grad geschliffen. Die geschliffene Kante liegt auf der Oberseite des Werkzeugs und heißt Fase. Diese Seite darf man nachschleifen – die Unterseite (Spiegel genannt) darf niemals angeschliffen werden. Damit der Beitel funktioniert, ist es unerlässlich, dass die Rückseite exakt plan und ohne eigene/zusätzliche Fase ist. Schon ein leichtes (unbeabsichtigtes) Anheben des Beitel vom Abziehstein führt dazu, dass die Schneide auf der Spiegelseite minimal angeschrägt wird, was den Beitel sofort stumpf werden lässt!

Quelle: selbst ist der Mann

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