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Die Psychologie der Farben – Interview mit Angela Wright

Die Psychologie der Farben – Interview mit Angela Wright

Die Macht der Farben

Angela Wright, Farbpsychologin am Dyrup-institute of modern art

selbst: Wie funktioniert die psychologische Wirkung von Farbe?

Angela Wright: Farbe trifft als reflektiertes Licht unterschiedlicher Wellenlängen auf unser Auge. In der Netzhaut werden diese Reize in elektrische Impulse umgewandelt und ans Gehirn geleitet. Das setzt dann Hormone frei, die zu unterschiedlichen psychologischen (z. B. Behaglichkeitsempfinden) und physischen Reaktionen (z. B. entspannter Pulsschlag) führen.

selbst: Gibt es einheitliche, allgemeingültige Wirkungsgesichtspunkte bei Farben? Jeder Mensch empfindet doch anders?

A. W.: Die unbewusste, psychologische Wirkung einer Farbe ist bei allen Menschen gleich. Rot führt beispielsweise immer zu einem Anstieg des Blutdrucks; Blau wirkt dagegen beruhigend. Unabhängig davon ist das bewusste Farbempfinden, also die Vorliebe für bestimmte Farben, sehr wohl von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wenn jemand Gelb mag, ein anderer aber nicht, heißt das daher nicht, dass diese Farbe auf die Personen unterschiedlich wirkt, sondern dass diese dieselbe Wirkung unterschiedlich beurteilen. Also der eine mag die belebende Wirkung dieser Farbe, ein anderer die entspannende Wirkung eines blauen Farbtons.

selbst: Gibt es einen Widerspruch zwischen persönlichem Geschmack und psychologischer Wirkung bei Farben? Oder anders gefragt: Wenn mir Braun gefällt, kann es mich dann zum Beispiel als Farbe an der Wand negativ beeinflussen?

A. W.: Nein. Gefällt Ihnen Braun, wird diese Farbe immer eine positivere Wirkung auf Sie haben als eine Farbe, die Ihnen nicht gefällt. Bei der Wahl der Wandfarbe ist aber zu beachten, dass Braun vor allem eine ernste, seriöse und zumeist dunkle Farbe ist. Auf Wänden werden dunkle Farben einem Raum eine eher düstere und finstere Atmosphäre verleihen, auch wenn es sich um Ihre Lieblingsfarbe handelt.  Daher sollten sehr dunkle oder intensive Farben nicht vollflächig eingesetzt werden. Sie eignen sich eher für kleine Flächen oder Muster. Um ein ausgewogenes Farbbild zu erzielen, sollten helle oder weiche Farben für große Flächen verwendet werden, die durch intensivere Farben akzentuiert werden. Gleiches gilt für dunkle Farben, es sei denn, man möchte einem Raum bewusst eine finstere Atmosphäre verleihen.

selbst: Wieviel Farbe oder wie viele Farben sollte man in einem Raum einsetzen?

A. W.: Balance und Harmonie spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben. Es ist geprägt von Gegensätzen, die einander ergänzen: Tag –Nacht, Hell – Dunkel, Warm – Kalt, Yin – Yang, Positiv – Negativ. Auch in einem Raum sollten daher möglichst zwei Farben eingesetzt werden. Die dominierende Farbe (z. B. an den Wänden) legt dabei die Grundstimmung fest. Abgerundet wird diese Farbdominanz durch eine zweite Farbe, idealerweise die jeweilige Komplementärfarbe (Blau/ Orange; Gelb/Violett; Rot/Grün). Möchte man beispielsweise einem Esszimmer eine warme, heitere und anregende Atmosphäre verleihen, eignet sich als Wandfarbe warmes, helles Gelb. Akzentuieren können Sie diese Grundstimmung durch ein in der Komplementärfarbe Violett gehaltenes Muster oder eine schmale Borte. Diese zweite Farbe muss nicht aufgestrichen werden: Vorhänge, Tischtuch, Bilder, Möbel oder Teppich eignen sich ebenfalls. Wichtig: nie zwei Farben in gleichem Maße einsetzen, da sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung aufheben!

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