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Haus im Haus: Wohnraum für zwei Familien



Um sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen, baute der Architekt Ulrich Kurschildgen ein Zweifamilienwohnhaus und verkaufte die untere Etage als Eigentumswohnung. Dabei platzierte er das Gebäude so geschickt, dass jede Partei ungestört wohnen kann.

Schon von weitem erblickt man das ungewöhnliche Zweifamilienhaus: Zwischen den sonst eher konventionellen Einfamilien- und Reihenhäusern lugt es nicht nur wegen seiner leuchtend blauen Farbe hervor, sondern auch aufgrund der ungewöhnlichen Form: Zwei große Zinkblechgauben durchdringen das mit grau glasierten Tonziegeln gedeckte Satteldach.

In der Nähe von Düsseldorf baute der Architekt Ulrich Kurschildgen für sich, seine Frau Melanie, den acht Monate alten Tom und für eine weitere Familie ein Zweifamilienhaus. Dabei plante er für die Bewohner zwei individuelle Wohnungen mit 125 und 185 Quadratmetern. Außerdem platzierte er das Haus auf dem 460 Quadratmeter großen, trapezförmigen Grundstück so geschickt, dass sich die Nachbarn noch nicht einmal in den Garten schauen können. Beide Gärten sind nach Südwesten ausgerichtet, einziger Begegnungspunkt sind die nebeneinander liegenden Haustüren. Das Konzept ist gleichzeitig der Finanzierungstrick: Die Wohnung im Erdgeschoss verkaufte der Architekt als Eigentumswohnung. Familie Kurschildgen bewohnt das größere Ober- und Dachgeschoss, welches an eine helle, sanierte Fabriketage erinnert.

Fünf Monate plante der Architekt, dann folgte die etwa siebenmonatige Bauphase. Uli Kurschildgen: "Allerdings waren die Entscheidungsprozesse bei Baubeginn noch lange nicht abgeschlossen. Wir haben die Materialwahl und die Details tausendmal verändert!" Schnell geklärt war die Farbwahl des Gebäudes, die die moderne Hausform unterstreicht: "Die Außenwände sind in einem leuchtenden Blau gestrichen. Nach etlichen Versuchen haben wir zusammen mit dem Hersteller den genauen Farbton gefunden. Wichtig war, ein Blau ohne Grauschleier zu mischen, das auch an trüben Tagen leuchtet. Inzwischen bietet der Hersteller den gelungenen Farbton als Kurschildgen-Blau an", erklärt der Architekt.

Zwei markante Flachdachgauben aus vorgewittertem Stehfalzzinkblech gliedern das Satteldach. Die Gauben holen nicht nur Licht in die großzügige Wohnung im Obergeschoss, sie bieten außerdem viel Platz.
 
Die Eingangstüren der Wohnungen liegen nebeneinander und bilden den einzigen Begegnungspunkt der Nachbarn.



Auch aufgrund des offenen Grundrisses denkt man sofort an ein Loft: Die Raumfunktionen Wohnen, Kochen und Essen gehen ineinander über. Kochdüfte stören dabei nicht, da eine Dunstabzugshaube mit leistungsstarkem Motor die Gerüche absaugt. Als begeisterte Köche entschieden sich die Kurschildgens für eine Profi-Küche mit einer Herdkombination aus Gas, Ceranfeld und offenem Grill. Die Theke dient als Kommunikationspunkt für die Freunde, die beispielsweise auf die von der Hausherrin gekochten exotischen Gerichte warten. Vorräte lagern in der kleinen Kammer neben der Küche, die sich in einer der beiden Gauben befindet.

Im Mittelpunkt des großen Wohnraumes wendelt sich die Spindeltreppe ins Dachgeschoss. Der besondere Clou: Damit die Spindel filigraner wirkt, schnitt der Schlosser diese vor Ort in der Länge auf. Nun folgt die geviertelte Spindel dem Verlauf der Treppe. Laut Architekt handelt es sich jetzt nicht mehr um eine Spindeltreppe, sondern um eine aufgeschnittene Standrohrspindeltreppe mit einer umlaufenden Wange. Außerdem setzt sich innen das Wasserfarben-Konzept fort: Die Treppe erhielt einen türkisfarbenen Anstrich. Ein weiteres Kriterium für den Loftcharakter sind die verputzten, geschliffenen, gespachtelten und schließlich weiß gestrichenen Wände. Besonderen Charme verbreiten die durchgehend im Obergeschoss verlegten Eichendielen, 22 mm stark, gewachst und in gekälkter Optik.

Ein weiterer Hingucker zwischen Wohn- und Essraum bildet der aus einem Schamottestein gemauerte, runde Kamin. Auch dieser bietet besondere Finessen: Sowohl von der Küche als auch vom Wohnbereich kann man das knisternde Feuer hinter einer feuerfesten, hochhitzebeständigen Glasscheibe anschauen. Uli Kurschildgen: "Die Idee war, dass der Kamin wie eine Litfaßsäule wirkt." Zusammen mit dem Kaminbauer entwickelte er die spezielle Form.
Die elegante Stahl-Spindeltreppe verbindet das Ober- und Dachgeschoss miteinander. Sie wirkt besonders filigran, da das Spindelrohr dem Treppenverlauf folgend längs aufgetrennt wurde. Der Edelstahl-Handlauf unterstützt nun die Statik der Treppe.
 
Glasbrücke: Den Wohnbereich erreicht man über eine 37 mm starke Glasplatte, die Mindeststärke berechnete der Statiker. Graffiti: Kunststudenten durften bei der gesprayten Wandgestaltung ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
 
Das loderne Feuer im runden Kamin lässt sich von der Küche und vom Wohnraum aus beobachten. Funkenflug nimmt die Granitplatte auf dem Boden nicht übel.
 
Tageslicht lotsen die Dachfenster und das große Gaubenfenster in den Wohnraum hinein.
 
 
Steigt man die Granitstufen der Treppe empor, erreicht man die "Wohlfühlebene". Hier oben im Dachgeschoss, unter der 45-Grad- Schräge, steht Ausruhen und Entspannen auf dem Programm. Neben dem perfekt durchdachten Wellnessbad liegt der Schlafraum. Uli Kurschildgen: "Die Sauna sollte nicht in den Keller verbannt werden. Ich wollte die Raumhöhe des Dachgeschosses mit Blick in den Giebel nutzen." Badeluxus der besonderen Art bietet eine ovale Whirlwanne, direkt unter einem Dachfenster. Hierbei war die Idee des Architekten, im Schaum zu schwelgen und dabei in den Sternenhimmel zu schauen.
Badespaß garantiert die runde Whirlwanne. Besonderes Detail: Das Dachfenster über der Wanne. Kleine weiße Mosaikfliesen und großformatige Granitplatten (Granit: Nero Assoluto) bilden einen schönen Kontrast.
 
Wohlfühlen unter der Schräge: Kleine weiße Mosaikfliesen schützen die Wand vor Spritzwasser. Damit man auf dem Granitboden keine kalten Füße bekommt, wurde im Obergeschoss eine Fußbodenheizung verlegt.
 
Die Treppe schlängelt sich ins Dachgeschoss. Bis in die Wolken schaut man durch drei Dachfenster, die über den Gauben angeordnet sind.
 
Blick in eine der Gauben. Die Fensterbank besteht wie Fußboden und Treppenstufen aus schwarzem Granit.
 
Stauraum in Form eines begehbaren Kleiderschrankes verbirgt sich hinter der ersten Tür. Dusche und WC sind separat, gegenüber befindet sich die Sauna in dem etwa 20 qm großen Bad. Satinierte Glastüren, in türkisfarbene Stahlzargen eingehängt, verbinden die Räume optisch.
 
 
Daten & Fakten
Aufgabe: Neubau eines Zweifamilienwohnauses
Grundstückgröße: 460 qm
Wohnfläche
Erdgeschoss: 125 qm
Ober-/Dachgeschoss: 185 qm
Anzahl Bewohner: EG 2, OG 3
Baukosten: ca. 1150 EUR/qm
Baujahr: 2003
Bauzeit: 7 Monate
Bauweise: Massiv, einschaliges Poroton-Mauerwerk, mineralischer Außenputz, Kunststofffenster
Dachdeckung: glasierte Tonziegel




 

Kontakt

Dipl.-Ing. Architekt

Ulrich Kurschildgen

Tel. 02173/394050


Fotos: Pavel Strnad

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