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Interview: Wie werden Dach und Haus dicht?

 

Jörg Wollnow, Anwendungstechniker bei der Firma SIGA und gelernter Zimmermann, erklärt im BAUIDEE-Interview, warum Luft- und Winddichtheit so wichtig sind, wie Dach und Haus dicht werden und was ein Blower-Door-Test ist.

 

 

 

BAUIDEE: Was versteht man unter der Winddichtheit eines Gebäudes?

Jörg Wollnow: Für die Winddichtheit eines Gebäudes sorgt eine Schicht auf der Außenseite des Gebäudes. Sie liegt vor der Dämmebene und verhindert, dass das Haus anströmende Luft, also Wind, in die Dämmung eindringt. Sie erhöht so die Dämmwirkung der Fassade, weil die stehende Luftschicht im Dämmmaterial nicht zerstört wird, und verhindert, dass Insekten in die Konstruktion eindringen und das Holz schädigen. So kann man auf chemischen Holzschutz verzichten.

BAUIDEE: Worin liegt der Unterschied zur Luftdichtheit eines Hauses?

Jörg Wollnow: Die Luftdichtheit wird durch eine Abdichtung auf der Fassadeninnenseite, auf der raumzugewandten, warmen Seite der Konstruktion hergestellt. Sie ist gesetzlich gefordert (EnEV § 6), verhindert tauwasserbedingte Bauschäden, stoppt Zugluft für mehr Behaglichkeit und hilft, Heizkosten und CO2-Ausstoß zu senken.

BAUIDEE: Wie gestalte ich mein Haus luft- und winddicht?

Jörg Wollnow: Diese Arbeiten sollten Fachbetriebe ausführen. Innen wählen Trockenbauer die erforderlichen Materialien für die Luftdichtheit aus. Außen sorgt der Dachdecker für die Winddichtheit des Gebäudes. Hierfür wird luftdichte Bahnenware (Spezialpapier, Kunststoff, Aluminium) oder Plattenware aus Holzwerkstoffen (z. B. OSB) verbaut. Diese haben zusätzlich den Vorteil, dass sie die Konstruktion aussteifen. Wichtig ist in jedem Fall, dass alle Materialstöße, Fugen und Eckanschlüsse dauerhaft luftdicht miteinander verklebt werden. Dringt später an Leckagen feuchte Raumluft ein, kondensiert sie in der Konstruktionsebene und zerstört langfristig – aber lange Zeit unbemerkt – das Tragwerk und senkt die Dämmwirkung der Gebäudehülle.

Durch Dampfdiffusion wandert nur 1 g Wasserdampf pro Tag durch 1 qm Dampfbremsfläche (links). Durch eine Bauteil-Fuge können per Konvektion 360 g Wasserdampf ins Dach eindringen (rechts).

 

BAUIDEE: Wie kann ich feststellen, ob mein Haus luft- und winddicht ist?

Jörg Wollnow: Die Winddichtheit eines Hauses kann nicht getestet werden. Über die Luftdichtheit gibt eine Druck-Differenz-Messung, der Blower-Door-Test, Aufschluss.

BAUIDEE: Wie funktioniert so ein Test?

Jörg Wollnow: Mit einem Gebläse wird im Haus ein Über- oder Unterdruck von 50 Pa erzeugt. Das angeschlossene Messgerät registriert, wie viel Luft bei diesem Druck aus dem Haus entweicht. Dieser n50-Wert gibt den gemessenen Luftwechsel an. Bei Häusern mit normaler Fensterlüftung muss dieser Wert kleiner 3/h, bei kontrollierter Lüftung durch technische Anlagen kleiner 1,5/h und bei Passivhäusern kleiner 0,6/h sein. Eine Luftwechselrate von 1/h bedeutet: Das gesamte Raumluftvolumen wird in einer Stunde vollständig durch frische Außenluft ersetzt.

BAUIDEE: Wie lange dauert der Blower-Door-Test?

Jörg Wollnow: Die reine Messung ist nach ca. 15 Minuten abgeschlossen, der n50-Wert ermittelt. Wird der Normwert allerdings nicht eingehalten, kann es länger dauern, bis die Leckagestelle gefunden ist, durch die zuviel Luft entweicht. Insgesamt plant man für die Druck-Differenz-Messung einen halben Arbeitstag ein.

BAUIDEE: Wer führt solche Tests durch? Wie finde ich einen Fachanbieter?

Jörg Wollnow: Der Blower-Door-Test sollte nur von Fachbetrieben durchgeführt werden. Bei der Suche hilft der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e. V. (www.flib.de). Gute Handwerksbetriebe bieten als Serviceleistung automatisch den Blower-Door-Test zum Nachweis der Luftdichtheit des von ihnen erbauten Hauses an.

BAUIDEE: Was kostet ein Blower-Door-Test?

Jörg Wollnow: Für ein Einfamilienhaus fallen Kosten von ca. 500 Euro an.

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