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Dicht angebaut: Einfach näher zusammengerückt

bauidee

 
Was tun, wenn das Mini-Grundstück an der breitesten Stelle nur 9,55 Meter misst? Eine Architektin nutzte das Baurecht, überzeugte die Nachbarn und baute ihr Haus an das Nebengebäude.

Auf einem riesigen Grundstück ein schönes Gebäude zu planen ist einfach. Ein Mini-Grundstück sinnvoll mit einem großzügigen Haus zu bebauen dagegen schwierig. Dafür muss man über das Baurecht Bescheid wissen. Iris Nauert, Bauherrin und Architektin, kennt es genau und nutzte die Regeln für ihr Konzept.

Als sie das kleine, 400 Ouadratmeter große Areal südöstlich der Kölner Innenstadt mit ihrem Mann Frank besichtigte, wusste sie sofort: "Hier möchte ich bauen." Doch das schön verwilderte und zugewachsene Traumgrundstück in der Nähe des Rheins hat so seine Tücken: An der breitesten Stelle misst es lediglich 9,55 Meter. Hätte Iris Nauert die vorgeschriebenen Abstände von zweimal drei Metern zu den Nachbarn eingehalten, wäre nur ein 3,55 Meter breites Haus möglich, das Grundstück praktisch unbebaubar gewesen.

Reihenhausprinzip: Wenn man dem Nachbarn allerdings auf die Grundstücksgrenze baut, mit dessen Zustimmung natürlich, und direkt an ein anderes Haus anbaut, sind die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen. Iris Nauert setzte das Baurecht – mit einem kleinen Trick – um: Zuerst entwarf sie einen fiktiven Anbau für ihre Nachbarn, der bis an deren Grundstücksgrenze ragte. Laut Bauantrag war Ihr eigenes Haus damit quasi der Anbau des Anbaus. Die italienischen Nachbarn waren aber von dem Entwurf so begeistert, dass sie den ursprünglich nur für den Bauantrag entworfenden Anbau direkt umsetzten. Iris Nauert entwickelte ein Raumprogramm, skizzierte und verwarf ihre Ideen wieder. Schließlich zeichnete sie ein offenes, lichtdurchflutetes Gebäude mit einem Pultdach, zeigte die ersten Skizzen dem Bezirksleiter des Bauamtes. "Er war anfänglich überhaupt nicht mit der Form einverstanden, zeichnete mir seine Vorstellungen auf: kleine Hexenhäuschen mit zwei Satteldächern, das Grauen pur!" Sie wollte eine zeitgemäße Architektur, ein Zeichen setzen in der eher konventionellen und tristen Umgebung.

Besonderes Detail: Der Balkon endet nicht an der Hauskante, sondern ist um einen Meter verlängert.
 
Optisches und praktisches Highlight: Mehr Licht holt das Eckfenster in die Küche.
 
   
Nach sechs Monaten und vielen Überzeugungsgesprächen mit dem Amtsleiter lag endlich die Baugenehmigung auf dem Tisch. Im September 2001 folgte der erste Spatenstich. "Der Bauablauf war eine runde Sache, wir hatten einen tollen Rohbauer, jeder gezeichnete rechte Winkel ist tatsächlich ein rechter Winkel!" Ihr Motto beim Umgang mit den Handwerkern: "Wir bauen ein Haus, lasst uns zusammen überlegen." Auch die Nauerts diskutierten jede Entscheidung miteinander, entwickelten Details gemeinsam. Frank Nauert reist als Reimporteur quer durch Europa, brachte Ideen für das gemeinsame Haus mit. Die Ausstattung ist schlicht und durchdacht: Die Wände sind weiß verputzt, die Böden im Erdgeschoss mit Bambusparkett belegt. In den Nutzräumen wie Küche und Badezimmer wurden dunkle Schieferplatten gewählt. Warme und kalte Farben treffen immer wieder aufeinander, beispielsweise im Badezimmer: der hölzerne Waschtisch mit satinierten Glastüren im Kontrast zu den türkisen Mosaikfliesen an der Wand.
Blickbeziehung: In der Sofaecke sitzt die Hausherrin am liebsten, hier schaut sie in ihren Garten, in das offene Treppenhaus oder auf den Kamin. Kontrastreicher Bodenbelag: helles Bambusparkett und dunkle Schieferplatten.
 
Geöffnet kein Platzverschwender: die Schiebetür zum Garten.
 
Der offene Grundriss bietet Großzügigkeit, Wohn- und Essbereich trennen zwei Stufen. Die Idee, die Treppenstufen mit dem Schieferbelag zu gestalten, brachte Frank Nauert aus Belgien mit.
 
Perfekt zugeschnitten: Ein Schreiner baute die Küche nach Entwürfen von Iris Nauert.
 
Bodentiefe Fenstertüren verbinden drinnen und draussen. Kuschelplatz in der kälteren Jahreszeit: der Sessel neben dem modernen Kamin im Wohnzimmer.
 
Kontrastreich: dunkle Schiefernplatten auf dem Boden und türkise Mosaikfliesen an der Wand; rechts der Zugang zur Duschkabine.
 
Grundfläche fehlte, also wurde die Dusche in den Flur verlegt, versteckt sich hinter den Glassteinen, der Einstieg befindet scih im Bad. Abends scheint das Licht durch die transparente Wand, beleuchtet den Flur.
 
   
Als Farbton für die äußere Holzverschalung entschieden sich die Nauerts für eine matte, ochsenblutrote Lasur. Als die Architektin eines Morgens auf die Baustelle kam, traute sie ihren Augen nicht: Der Maler hatte einfach eine andere Nuance gewählt. Iris Nauert: "Es war ein glänzender, tiefbrauner Anstrich. Mir wurde versichert, nach dem Trocknen sei es der Farbton für den wir uns entschieden haben. Dem war leider nicht so, die Bretter glänzten noch mehr und das Braun war noch brauner!" Neue Verschalungsbretter wurden bestellt und im richtigen Ton lasiert. Die alten schliff der Maler wieder ab und strich sie schließlich im richtigen Farbton. Sie zieren nun Nachbars Anbau und die alte Gartenlaube in Nauerts Gärtchen. Auch den Garten gestaltete die Architektin. Rund ums Haus weisen große Betonsteine den Weg, dazwischen liegen Quarzkiesel; Bambus und Gräser sind pflegeleicht. Würde Iris Nauert heute etwas anders bauen? "Nein, eine andere Geometrie wäre nicht möglich gewesen."
Die Fassade ist klar gegliedert, einen schönen Kontrast bilden der weiße Außenputz und die ochsenblutrote Stülpschalung. Der Dachüberstand schützt die Holzfassade vor Regen.
 
Ein breiter Kellerschacht holt Licht ins Parterre. In den Räumen des Untergeschosses richtete Iris Nauert ihr Architekturbüro ein. Der Weg zum Wohnzimmer führt über das Gitterrost.
 
   
Daten & Fakten
Aufgabe: Neubau eines Einfamilienhauses auf schmalem Grundstück (9,55 m breit)
Grundstückgröße: 400 m2
Wohnfläche: 170 m2
Nutzfläche: 30 m2 Nutzfläche (Keller, Abstellkammer)
Anzahl Bewohner: 2
Baukosten gesamt: ca. 1160 EUR/m2
Baujahr: 2001
Bauzeit: 16 Monate (mit Anbau Nachbarhaus)
Bauweise
& Material:
Massiv, einschaliges
Porenbeton-Mauerwerk, mineralischer Außenputz, Holzfenster
Heizung: Brennwerttechnik Gas
Dachdeckung: glasierte Tonziegel


 

Kontakt

Architekt:

Dipl. Ing. Iris Nauert,

Architektin bdb

Oberstraße 23

51149 Köln

 

Fotos: Pavel Strnad


 
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