Aussaat

Ob zur Bepflanzung von Balkonkästen oder für blühende Beete: Die Aussaat gehört zu den typischen Vorgängen jedes Hobby-Gärtners. Je nach Größe der Samen oder Jungpflanzen geht man dabei unterschiedlich vor. Wir erklären, wie die Aussaat funktioniert und geben nützliche Tipps.

Erde einfüllen, Samen ausstreuen, pikieren: Die eigene Pflanzenanzucht macht Spaß und gelingt fast immer. Und was gibt es Schöneres, als etwas Grünes im Garten heranwachsen zu sehen! Die Aussaat von Pflanzen lohnt sich vor allem bei Sommerblumen und Gemüse, von denen man große Stückzahlen pflanzen will – und bei seltenen und ausgefallenen Sorten, die es im Gartencenter nicht gibt! Doch damit die Gartenarbeit Ihren Rücken nicht allzu sehr belastet, haben wir uns eine Pflanzhilfe für die Aussaat ausgedacht: Ein Plastikrohr. Klingt simpel – und das ist es auch. Sie benötigen nur ein Rohr, welches an beiden Enden offen ist. Daran wird ein Haltegriff befestigt. Eine halbe Flasche dient am oberen Ende als Trichter. Das Rohr wird dann auf das Beet gesetzt, durch den Trichter lassen Sie den Samen fallen. So werden die Samen punktgenau auf die Erde aufgebracht, ohne sich dabei Bücken zu müssen. Noch mehr Hilfsmittel zur einfacheren Aussaat finden Sie in unserer Bildergalerie. 
Wer gleich in kleine Töpfe oder Multitopfpaletten sät, spart sich das Pikieren. Das geht aber nur mit größeren Samen, ansonsten säen Sie breitwürfig in flache Aussaatgefäße. Junge Pflänzchen brauchen unbedingt umsichtige Behandlung. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Sommerblumen oder Gemüse aussäen wollen, die Arbeitsschritte sind identisch. Neben Aussaatgefäßen, Etiketten, Pikierholz und der richtigen Erde brauchen Sie ein feines Gießgerät, das Wasser nicht sintflutartig auf die Saatgefäße loslässt, sondern die Erde mit feinen kleinen Tröpfchen langsam durchdringt. Ideal sind Ballonbrausen für Bügelwäsche oder spezielle Gießbälle aus dem Floristikbedarf.

Nach dem Keimen sollten die jungen Pflänzchen warm und so hell wie möglich stehen, aber nicht in praller Sonne. Bevor Sie die Pflanzen in Balkonkästen oder ins Freiland setzen, sollten Sie diese abhärten und für gut eine Woche an einen schattigen Platz im Garten stellen. Da es keine Sonnencreme für Pflanzen gibt, droht sonst ein ausgeprägter Sonnenbrand mit Blattschäden.

Genauso vielfältig wie die unterschiedlichen Pflanzenarten ist auch deren optimale Keimtemperatur. Diese stehen jeweils auf der Samenpackung und sollten natürlich vor allem im Boden herrschen. Die meisten Pflanzenarten kommen mit Zimmertemperatur, also etwa 20 °C, gut zurecht. Einige Arten wie Impatiens, Paprika oder Gurken legen sich erst bei molligen 25 °C richtig ins Zeug, bei Zimmertemperatur lassen sie sich ganz lange Zeit. Bei Palmen und anderen tropischen Pflanzen regt sich unter 30 °C so gut wie gar nichts. Anderen Samen ist es dagegen schon bei Keimtemperaturen über 20 °C zu warm, so keimen Tagetes bei 16 °C am besten, Malven sogar bei nur 10 bis 15 °C. Zimmergewächshäuser mit Heizplatte und exakt einstellbarer Bodentemperatur sind natürlich vor allem bei den wärmeliebenden Samen von Vorteil und bei tropischen sogar zwingend nötig.

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Ansonsten versuchen Sie, die Ansprüche der Samen so gut es geht zu erfüllen und verteilen die Saatgefäße auf unterschiedlich warme Standorte, die in etwa den Ansprüchen der Pflanzen genügen. Etwas Besonderes sind Kaltkeimer wie Bärlauch oder Rudbeckien, deren Samen nur dann keimen, wenn sie etwa drei bis vier Wochen lang Temperaturen zwischen – 1 und + 4 °C ausgesetzt waren. Die Samen übersiebt man generell noch mit feiner Erde, etwa in doppelter Stärke der Samen.

Staubfeine Samen wie die von Begonien oder von Lichtkeimern wie etwa dem Ziertabak werden gar nicht übersiebt, während Sie Dunkelkeimer wie Rittersporn und viele andere Stauden gleich in vierfacher Samenstärke übersieben sollten. Zweijährige Pflanzen wie Stockrosen bilden im ersten Jahr nur Blätter und blühen im Folgejahr. Daher sät man die Pflanzen im Spätsommer aus und überwintert sie geschützt im Beet.

 

Alles über Aussaat

Damit Sämlinge möglichst schnell zu gesunden Jungpflanzen heranwachsen, sollten Sie von Anfang an neue Aussaatgefäße nehmen oder bereits gebrauchte gründlich reinigen. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass die Sämlinge von der sogenannten Umfallkrankheit vernichtet werden. Das ist ein Bodenpilz, der die Keimlinge befällt, wenn sie gut einen Zentimeter groß sind. Verwenden Sie daher spezielle Aussaaterde aus dem Fachhandel, die keimfrei und nährstoffarm ist. Das setzt die Sämlinge auf Diät und zwingt sie, möglichst viele Wurzeln zu bilden, um den Nährstoffbedarf zu decken.

Aussaatschalen sind sowohl für große als auch für kleine Samen und Jungpflanzen gedacht. Vor allem wenn Sie große Mengen einer Pflanze ziehen wollen, bieten sich die Schalen an. Zudem brauchen sie kaum Platz, nach dem Pikieren müssen Sie dann allerdings für mehr Raum sorgen.

Zum Aussäen öffnen Sie die Keimschutzverpackung und füllen die Samen am besten in das Tütchen aus Papier. Daraus lassen sich die Samen leichter verteilen als aus der Keimschutzverpackung, an der die Samen schon mal kleben bleiben.

Knicken Sie die untere Fläche des Papiertütchens in der Mitte ein, damit die Samen kontrollierter aus der Tüte fallen. Verteilen Sie die Samen auf der Erde, halten Sie diese bis zur Keimung feucht und decken Sie die Schalen zur Erhöhung der Luftfeuchte mit Frischhaltefolie ab oder legen eine Glasscheibe darauf.

Der wichtigste Arbeitsschritt nach der Aussaat ist das Vereinzeln oder Pikieren. Denn schon bald nach dem Keimen drängeln sich die Sämlinge dicht an dicht in der Schale und nehmen sich gegenseitig Licht und Wasser weg. Heben Sie die Sämlinge vorsichtig mit einem Pikierstab aus dem Boden und setzen sie im Abstand von 5 cm in eine neue Saatschale oder in kleine Töpfe.

Wichtig: Dabei etwas tiefer setzen, als die Pflanzen in der Saatschale standen. Kürzen Sie bei Bedarf die Wurzeln der Sämlinge ein, damit sie besser ins neue Pflanzloch passen. Vergessen Sie nicht, die Aussaaten zu beschriften.

 

Aussaat Tipps

Gemüsesamen benötigen unterschiedlich viel Platz im Beet: 10 cm für Feldsalat, etwa 15 cm für Radieschen und 20 cm für Petersilie. Sät man Gemüse direkt ins Beet, sollte man gleich auf den richtigen Abstand innerhalb der Reihe und natürlich auch zur nächsten Reihe achten. Selbst gebastelte Saatbänder helfen bei der Aussaat. Schneiden Sie dazu eine Zeitung in 2 cm breite Streifen, legen die Samen im richtigen Abstand aus und fixieren sie mit einem Wasser-Mehl-Mix, dem Sie noch etwas Flüssigdünger beimischen. Diese Bänder legen Sie ins Beet und bedecken sie mit Erde.

Manche Samen wie etwa die von Begonien, Mohn oder Lobelien sind so klein und fein, dass man sie kaum gleichmäßig verteilen kann. Wenn man das Saatgut streckt, lassen sich die kleinen Samen besser aussäen. Sie mischen die Samen z. B. mit feinem Vogelsand. Der ist steril, düngt nicht und ist unkrautfrei.

Die Mischung können Sie in einen leeren Salzstreuer füllen und auf dem Beet verteilen. Ein weiterer Vorteil: Auf der dunklen Aussaaterde können Sie genau sehen, wo schon Saatgut-Vogelsand-Mischung liegt. Die Erde nur andrücken, nicht übersieben.

Lassen sich große Samen z. B. von Tagetes, Paprika oder Ringelblumen gut mit den Fingern greifen, sät man am besten direkt in kleinen Töpfen aus und spart sich somit das Pikieren. Bewährt haben sich Multitopfpaletten mit Aussaaterde oder auch Torfquelltöpfe, die nach dem Kontakt mit Wasser zu voller Größe aufquellen. Diese Töpfe haben den Vorteil, dass man die Jungpflanzen nicht mehr austopfen muss, sondern sie direkt mit den Töpfen ins Beet pflanzen kann. Allerdings trocknen Torfquelltöpfe schneller aus als Multitopfpaletten und sind nicht so standhaft.

Beachten Sie die Angaben zur jeweiligen Keimdauer der Blumensamen auf der Packung und fangen Sie mit der Aussaat in Töpfen nicht zu früh an, da die Jungpflanzen bis zum Auspflanzen im Garten mit der wenigen Erde in den Töpfen auskommen müssen. In jedem Topf sollte nur eine Pflanze wachsen. Stechen Sie am besten mit einem Pikierstab ein Loch in die Erde und legen das Samenkorn hinein. Um zu vermeiden, dass der Pikierstab die Erde herausreißt, drehen Sie ihn am besten in die Erde. Die Aussaatschale mit den Töpfen kommt dann an einen warmen, hellen Platz.


Fotos: Thomas Heß

Quelle: Sonderheft 1 / 2014

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