Asbest

In den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren wurden viele Häuser in bester Absicht mit asbesthaltigen Faserzementplatten gedeckt. Heute stehen die Eigentümer oft vor einer Totalsanierung. Viele Platten sind nicht nur stark verwittert und unansehnlich, sondern auch undicht – und im spröden Zustand gefährlich für die Gesundheit.

"Quer durch Deutschland müssen in den kommenden Jahren mehr als 100.000 Dächer auf Privathäusern erneuert werden", schätzen Andreas Jäger und Frank Rummel. Nach einer Analyse der beiden Geschäftsleiter von Rathscheck Schiefer gibt es derzeit bereits einen erheblichen Sanierungsstau – denn noch bis 1993 durften asbesthaltige Platten verlegt werden, bevor der Baustopp kam. Im Bundesamt für Bauwesen gehen die Fachleute sogar von 1,4 Mrd. Quadratmetern sanierungsbedürftigen Asbestzementflächen in Deutschland aus.

Brisant ist Asbest wegen seiner feinen Fasern. Werden sie freigesetzt und gelangen in die Atemluft, entfalten sie im menschlichen Körper eine zellschädigende Wirkung und im schlimmsten Fall sogar Lungenkrebs. Asbesthaltige Dachplatten sind gefährlich, wenn sie durch Verwitterung verspröden, bersten oder brechen – und dann unsachgemäß entsorgt werden. Der Ausbau asbesthaltiger Teile ist kein Job für Heimwerker! Eine Asbestsanierung sollte auf jeden Fall durch eine Fachfirma erfolgen, die sich mit den Schutz- und Entsorgungsmaßnahmen auskennt. Notwendig ist die Entsorgung als Sondermüll. Verboten ist es übrigens, asbesthaltige Faserzementdächer zu reinigen, da mit dem Abwasser ebenfalls Asbest freigesetzt wird.

Mehr Informationen zu Asbest und den Gesundheitsgefahren, die von dem Baustoff ausgehen, finden Sie auf der Seite des Umwelt-Bundesamtes >>

 

Asbest erkennen

Doch wie erkennt man Asbest? Wie erhalten Sie Gewissheit, ob in Ihrem Haus asbest verbaut wurde? Einen ersten Hinweis liefert das Erstellungsdatum des hauses: Wurde es zwischen 1960 und 1980 erbaut, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher als bei früheren oder späteren Baudaten. Wurde das Haus nach Einführung der Gefahrstoffverordnung (= GefStoffV) 1993 erbaut, ist alles in Ordnung. Da Asbest in nahezu allen Bauprodukten – vom Fliesenkleber bis zum Dämmstoff – verwendet wurde, ist eine Eingrenzung nach Materialgruppen kaum möglich. Allerdings geht von den gebundenen Asbestfasern keine Gefahr aus. Erst wenn diese durch Abbruch oder Bohrungen als Staub freigesetzt werden, droht ein Gesundheitsrisiko. Man unterscheidet i. d. R. drei Formen:

  • schwach gebundes Asbest, wie in Dichtungen und Isolierungen
  • stark gebundes Asbest, v. a. in Eternitplatten, Wandverkleidungen
  • und reines Asbest (überwiegend als Hitzeschutz/Dämmmaterial in Öfen und Kaminen)

Asbest ist grau und stumpf: Alle (ungefärbten) Baumaterialien, die andere Farben haben oder gar glänzende Oberflächen zeigen, werden wahrscheinlich kein Asbest enthalten. Doch um Asbest erkennen zu können, braucht es viel Erfahrung mit dem Baustoff. Wenn Sie einen begründeten Verdacht haben, sollten Sie einen Experten hinzuziehen: Dieser führt nach einer optischen Erstbegutachtung einen chemischen Test durch, der den Baustoff zweifelsfrei nachweisen kann. Bei der Probenentnahme achten die Gutachter auch darauf, dass keine Asbest-Fasern in die Raumluft gelangen!

 

Asbest entsorgen

Die Sanierung und Entsorgung von Asbest dürfen nur Fachfirmen übernehmen, "die über die erforderlichen personellen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen verfügen und eine entsprechende Zulassung der zuständigen Behörde (Nachweis der Sachkunde nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe 519) besitzen", informiert das Umwelt-Bundesamt.
Weiter müssen beim Entsorgen von Asbest mehrere Verordnungen, Normen und Vorschriften (Chemikalien-Verbotsverordnung ChemVerbotsV, Gefahrstoffverordnung GefStoffV, EU-Verbot für Asbest EG 1907/2006) eingehalten werden, die alle dem Schutz der Gesundheit – der Arbeiter wie der Bewohner des Hauses – dienen. Das kann ein Heimwerker selbst nicht leisten.

Was kostet aber so eine Asbest-Entsorgung durch einen Fachbetrieb? Wie bei jedem Handwerker-Besuch fallen unterschiedliche Arbeiten und damit Kosten für die Asbest-Entsorgung an. Typisch sind folgende Leistungen:

  • Rüst- und Fahrtskosten
  • Arbeitsstunden oder Quadratmeterpreis der zu sanierenden Fläche
  • Bei Dächern ggf. Gerüstmiete
  • Kosten für die Abdichtung der Baustelle
  • Entsorgungskosten

Marktübliche Preise für den reinen Ausbau von asbesthaltigem Material schwanken zwischen 30 und 35 Euro pro Quadratmeter. Bedenken Sie, dass anschließend weitere Kosten für die Neueindeckung des Daches oder das Wiederherstellen von Wandoberflächen etc. entstehen!

 

"Heraklith"-Platten enthalten kein Asbest

Bei der Renovierung können Sie getrost zu Platten mit der Bezeichnung "Herakltih" greifen. Diese bestehen aus länglichen Holzfasern, die mit Magnesia, Zement und/ oder Gips gebunden sind und enthalten kein Asbest.

Asbesthaltige Leichtbauplatten wurden von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre verbaut, Produktnamen waren Promabest, Sokalit, Neptunit oder Baufatherm. Heute werden solche Platten nicht mehr hergestellt, Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten. Heraklith-Platten von Knauf Insulation sind mit dem PEFC-Siegel ausgezeichnet (PEFC = Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes, ein Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen. Es steht für Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern) sowie seit 2012 auch mit dem Umweltzeichen Der Blaue Engel.

Quelle: selbst ist der Mann 6 / 2015

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