Arbeiten auf Leitern

Arbeiten auf Leitern gehört zum Heimwerken dazu: Ob bei einem Lampenwechsel oder zum Streichen der Fassade – jedem Heimwerker werden höhere Aufgaben gestellt. Wir zeigen Leitern, Steighilfen und Arbeitsbühnen für sicheres Arbeiten.

Wer nach Höherem strebt, lebt gefährlich: Mehr als 50 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen eines Sturzes beim Arbeiten auf Leitern. Allein 30 000 schwere Sturzunfälle werden jährlich von den Berufsgenossenschaften registriert. Da es keine Meldepflicht gibt, dürfte die tatsächliche Unfallzahl sogar mehrfach höher liegen.

Dabei sind moderne Leitern eigentlich sehr sicher – wenn sie denn benutzt werden. Die meisten Unfälle gehen deswegen auf das Konto von Leichtsinn und alten, unsicheren Steiggeräten. Sollte sich in Garage oder Keller also noch eine klapprige Holzleiter finden, wird es Zeit für eine Neuanschaffung. Nicht mehr sichere Steiggeräte sollten Sie umgehend unbrauchbar machen, damit nicht doch noch jemand auf die Idee kommt, sich in Lebensgefahr zu bringen.

 

Unfallrisiko beim Arbeiten auf Leitern

Auf einer Leiter zu arbeiten, erscheint vielen harmlos. Doch wenn in Beruf oder in der Freizeit, zum Beispiel beim Häuslebau, auf Leitern gearbeitet wird, verläuft das nicht immer folgenlos: Wer eine Leiter einsetzt, sollte auf hohe Qualität, Standsicherheit und die eigene Körperhaltung achten. Auch dürfen Leitern nur in Ausnahmen als Arbeitsplätze genutzt werden, etwa wenn andere Arbeitsmittel wie Gerüste oder Arbeitplattformen nicht verfügbar sind.

Stürze von der Leiter sind häufig schwere Unfälle. Schmerzhafte Prellungen, Gehirnerschütterung oder Knochenbrüche sind typische Verletzungen. „Das bedeutet meist Schmerzen und zieht lange Kranken- und Ausfallzeiten nach sich", erklärt Rainer Prestin, Vorstandsvorsitzender der BG BAU. Kosten für die Versichertengemeinschaft in Höhe einer sechsstelligen Eurosumme pro Fall, etwa für Heilbehandlung, Rehabilitation und Renten, sind keine Seltenheit. Die BG BAU gibt daher Tipps zum richtigen Verhalten bei der Arbeit auf Leitern.

„Selbstverständlich sind nur solche Leitern zu verwenden, die entsprechend ihrer Bauart für die jeweils notwendige Arbeit geeignet sind und sich in gutem Zustand befinden“, sagt Prestin. Ein Sturz sei programmiert, wenn man sich bei der Arbeit seitlich zu stark hinüberlehne, statt die Leiter umzustellen. „Beschäftige müssen immer mit beiden Füßen auf der Leiter stehen“, so Prestin.

 

Arbeitsfläche am Leiterende

Eine häufige Unfallursache ist der Transport von Ge­genständen: Glühbirnen, Pinsel oder Werkzeuge sollten am besten in einer Umhängetasche getragen werden, damit man sicher steht und sich festhalten kann. Um nicht zu stolpern, müssen Kabel von elektrischen Geräten seitlich an der Leiter entlang geführt und sollten nicht über die Tritte oder die Standfläche gezogen werden. Außerdem dürfen bei der Arbeit keine Materialien wie Säuren, Laugen oder Heißbitumen verwendet werden, von denen eine zusätzliche Gefahr ausgeht.

Wie Prestin zudem betont, sollen Anlegeleitern nur dazu genutzt werden, um höher oder tiefer gelegene Arbeitsplätze zu erreichen. Allein bei Tätigkeiten, die nicht länger als zwei Stunden dauern, können sie Gerüste oder Arbeitsbühnen ersetzen. Arbeiten auf Anlegeleitern sind nur ausnahmsweise erlaubt, wenn sich der Standplatz nicht höher als sieben Meter über dem Boden oder einer tragfähigen Fläche befindet. Auf der Leiter benutzte Werkzeuge oder Material dürfen nicht mehr als zehn Kilogramm wiegen und es dürfen keine Gegenstände mit einer Windangriffsfläche von über einem Quadratmeter mitgeführt werden. Darüber hinaus dürfen Stehleitern nicht als Anlegeleitern benutzt werden, da sie zusammengeklappt beim Besteigen nach hinten wegrutschen können. Die Standfläche einer Stehleiter ist nur aufgeklappt sicher.

Expertentipp zur Sicherheit von Leitern von Thomas Langen, Sachverständiger für Leitern beim TÜV Rheinland

  • Steigen Sie nur dann auf Leitern und Gerüste, wenn Sie sich ganz sicher sind, dass Sie das richtige Steiggerät gewählt und dieses korrekt aufgestellt haben – viele Unfälle resultieren aus der Missachtung dieser beiden einfachen Grundregeln.
  • Kaufen Sie für die Nutzung rund ums Haus am besten eine möglichst vielseitig nutzbare Schiebe- oder Gelenkleiter, und machen Sie sich vor dem ersten Aufstellen mit der richtigen Nutzung vertraut. Kontrollieren Sie bei jeder Aufstellung unbedingt, ob der Untergrund ausreichend eben, tragfähig und rutschfest ist.
  • Die auf der Leiter aufgedruckten Piktogramme zeigen in Kurzform, wie die Leiter korrekt verwendet wird – weichen Sie von diesen Hinweisen nicht ab – auch wenn Sie eine Arbeit dann nicht oder nur mit größerem Aufwand erledigen können.
  • Leitern sind nicht für schwere Arbeiten in großen Höhen gedacht – bei Arbeiten mit Bohrmaschine oder Säge dürfen keine größeren Kräfte aufgebracht werden. Besser geeignet für Arbeiten mit Werkzeugen sind Gerüste oder Arbeitsbühnen.

Quelle: selbst ist der Mann

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